13.10.2017 10:51 |

Interview mit Frankfurter Historiker: Abgebrannter Goetheturm: "Die Sachsenhäuser Seele tief getroffen"

Allenfalls der Eiserne Steg kann es unter den Frankfurter Wahrzeichen mit dem Goetheturm aufnehmen, sagt Dr. Thomas Bauer vom Institut für Stadtgeschichte. Im Interview mit Online-Redakteur Michael Forst beschreibt der Historiker, was der Verlust des Turmes für Frankfurt bedeutet.

Frankfurter Goetheturm brennt komplett ab.
Frankfurter Goetheturm brennt komplett ab. Bild: Leonhard Hamerski

Der Brand des Goetheturms hat viele Frankfurter bestürzt, traurig gemacht, aber auch geeint in dem Wunsch, ihn wiederaufzubauen. Wie ist diese emotionale Wucht zu erklären?

DR. THOMAS BAUER: Der Turm ist im Laufe der Jahrzehnte zu einem Wahrzeichen geworden – für Sachsenhausen, aber eigentlich auch für alle Frankfurter. Wobei die Sachsenhäuser gerade besonders empfindlich sind, da ja auch der Henninger Turm, das andere Wahrzeichen, gefallen und in sehr veränderter Form wieder aufgebaut worden ist. Da traf der Brand des Goetheturms die Sachsenhäuser Seele besonders tief. Eine große Rolle für die Beliebtheit des Turms spielt natürlich auch der benachbarte Waldspielplatz als begehrtes Ausflugsziel.

Welche Gebäude der Stadt berühren die Frankfurter Seele auf ähnliche Weise?

Dr. Thomas Bauer (Archivbild) Foto: Rainer Rüffer (Rueffer) (Rainer Rüffer (Rueffer))
Dr. Thomas Bauer (Archivbild)

BAUER: Da fällt mir zuerst der Eiserne Steg ein, ein ganz besonderes Bauwerk, das jeder kennt. Natürlich sind da  noch prägnante Bauten wie der Dom und die Paulskirche, aber die gibt es ähnlich ja auch in anderen Städten. Was also die Eigentümlichkeit betrifft, lässt sich der Goetheturm nur noch mit dem Eisernen Steg vergleichen.

Was hat der Goetheturm genau mit Goethe zu tun?

BAUER: Alles fängt an mit dem Heimatdichter Karl Heinrich Ehrt an. Der brachte im Jahr 1860 in einem Gedicht Goethes Spaziergänge in Reimform und prägte den Namen „Goethe Ruhe“ für den höchsten Punkt des Sachsenhäuser Berges. Denn dort legte der Dichter wohl auf seinen Spaziergängen gerne mal eine Rast ein und genoss die Aussicht über Sachsenhausen und Frankfurt. Das war die Stelle vor dem Turm, wo heute eine antike Steinsäule im Gebüsch liegt.


Ein Nachfolge-Turm ist bereits beschlossene Sache. Wie sollte der Ihrer Meinung nach aussehen?

BAUER: Ich bin ganz entschieden für eine Konstruktion und ein Bauwerk in Holz. Denn Türme in Stahl, Beton und Glas haben wir ja genug in Frankfurt. Und das Eigentümliche des Goetheturms war immer diese Holzbauweise.

 
Aber muss man nach dem Brand bei einem Neubau nicht vor allem die Sicherheitsanforderungen berücksichtigen?

 

BAUER:  Natürlich, man ist ja jetzt durch diese Erfahrung, salopp gesagt, gebranntes Kind.  Wobei ich glaube, das Brennbare des Turms war vor allem das Imprägnierungsmittel, mit dem das Holz behandelt wurde.

Mit dem Goetheturm ist nun vorerst auch einer attraktivsten Aussichtspunkte der Stadt verschwunden. Welche Alternativen mit ähnlich gutem Blick auf die Skyline fallen ihnen ein?
 

BAUER: Wenn der Henninger Turm denn mal fertig wird, dürfte das Restaurant oben sicher tolle Ausblicke bieten. Ansonsten gibt es verschiedene, aber weniger prominente Aussichtspunkte, wenn Sie durch die Kleingärten am Lerchesberg Richtung Bahnlinie spazieren. Aber das passiert eben eher im Vorbeigehen, nicht so wie beim Goetheturm, den man gezielt besuchte, wenn man eine schöne Aussicht genießen wollte.

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