13.09.2017 03:30 |

Verschönerung des Peterskirchhofs kommt voran: Alter Friedhof in neuem Glanz

Innenstadt Der Peterskirchhof ist der älteste noch erhaltene christliche Friedhof Frankfurts, auf dem von 1418 bis 1828 rund eine halbe Million Frankfurter bestattet wurden. In den vergangenen Jahren nagte deutlich der Zahn der Zeit an dem historischen Ort. Jetzt soll er endlich wieder schön werden.

Mit Maßschnur und Zollstock: Sasha Marxen von der Firma Wisag verschönert den Peterskirchhof an der Bleichstraße.
Mit Maßschnur und Zollstock: Sasha Marxen von der Firma Wisag verschönert den Peterskirchhof an der Bleichstraße. Bild: Leonhard Hamerski

Die regelmäßigen Regenschauer und der matschig gewordene Sandboden halten die Angestellten der Firma Wisag nicht auf. Trotz nassem Pullover hat Sasha Marxen, Vorarbeiter bei den Sanierungsarbeiten, noch immer ein Lächeln auf den Lippen und vermisst weiter den Platz für die übrigen Steine, die den neu angelegten Weg pflastern werden.

Seit April arbeitet er mit seinen Kollegen am Peterskirchhof, denn es gibt viel zu tun. Nicht nur die Beete werden neu bepflanzt, sondern der ganze Innenhof umgestaltet. Überarbeitete Rasenflächen, neugefasste und umgestaltete Hauptwege und eine Beleuchtungsanlage sind nur ein paar der Dinge, die dem historischen Ort neuen Glanz verleihen sollen. Besonders großes Augenmerk liegt auf den Gräbern selbst. Um diese zu bewahren „werden allerdings noch langfristigere Anstrengungen erforderlich sein“, sagte Kulturdezernent Felix Semmelroth (CDU) schon 2015.

Restauration begann 1999

Der Peterskirchhof hat eine lange Restaurationsgeschichte. 1999 wurden zum 250. Geburtstag Johann Wolfgang von Goethes die Gräber seiner Eltern restauriert. Trotzdem war das nicht der erhoffte Auftakt für eine flächendeckende Verschönerung. 2002 wurde das Projekt dem Programm „Schöneres Frankfurt“ zugeordnet. Seit 2013 gibt es den aktuellen Plan zur Grunderneuerung des Geländes. Die lässt sich die Stadt einiges kosten. Mehr als 1,2 Millionen Euro wurden für die Sanierung veranschlagt. Hinzu kommen noch die eingeplanten jährlichen Folgekosten von 138 000 Euro.

Hier wird eine ästhetische Mischung aus Pflanzenbeeten und gepflasterten Wegen von Arbeitern und Maschinen vorbereitet. Foto: Leonhard Hamerski
Hier wird eine ästhetische Mischung aus Pflanzenbeeten und gepflasterten Wegen von Arbeitern und Maschinen vorbereitet.

Dafür ist der knapp 600 Jahre alte Friedhof auch von immenser kulturhistorischer Bedeutung. Dort liegt ein großer Teil der Geschichte Frankfurts begraben. Die wohl prominentesten Grabmäler sind die der Eltern Goethes. Neben ihnen wurden aber noch viele weitere bekannte Frankfurter Persönlichkeiten wie die Bankiersfamilie von Bethmann sowie die Familien Textor, Merian und Nestlé bestattet.

Seit 1828 wurde auf dem denkmalgeschützten Gelände niemand mehr beerdigt. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die Anlage zu einem öffentlichen Park erklärt. Seitdem ist das Gelände von seiner einstigen Größe von 1,6 Hektar auf etwa die Hälfte geschrumpft.

Das Drumherum der stolzen Kirche ließ jahrelang zu wünschen übrig. Foto: Leonhard Hamerski
Das Drumherum der stolzen Kirche ließ jahrelang zu wünschen übrig.

Bei der Sanierung eines so alten Friedhofs müssen alle Arbeiten besonders behutsam durchgeführt werden. „Vor allem der Baumschutz steht hier im Vordergrund“, betont Marxen. Die alten Laubbäume auf dem Friedhofsgelände wie Silber-linde und Amerikanische Esche dürfen bei den Sanierungsarbeiten nicht beschädigt werden. Eine besondere Rarität ist der Maulbeerbaum, der nur wenige Meter von Catharina Elisabeth Goethes Grab entfernt steht. Aber auch ohne die Vorschriften, auf Bäume und Denkmäler Acht zu geben, ist die Arbeit auf dem Peterskirchhof nichts Alltägliches für die Arbeiter. „Wir arbeiten zwar häufig auf Friedhöfen, so viel Geschichte wie dieser haben sie aber selten“, sagt Marxen, der für sich von einer Bauzeit bis Anfang Oktober ausgeht.

Keine Bomben gefunden

Angemerkt wurde im Grunderneuerungsplan auch, dass begleitend zu den Baumaßnahmen eine Kampfmittelsondierung durchgeführt werden muss. Im Vorhinein herauszufinden, ob sich im Boden nur Metallreste oder eine Bombe befinden, ist schwer, da früher auch in Zinksärgen bestattet wurde. Da bis jetzt aber nichts Auffälliges gefunden wurde, können aber weiter Basaltpflaster verlegt und die 7850 Pflanzen eingesetzt werden.

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