12.10.2017 15:57 | Lukasz Galkowski

Goetheturm abgebrannt: Anwohner bestürzt: "Ein Wahrzeichen ist weg"

Frankfurt Die Nachricht von dem Brand im Frankfurter Stadtwald verbreitet sich am Donnerstagmorgen in Windeseile. Die Anwohner versammeln sich vor den Ruinen des Goetheturms und sind ob des Anblicks fassungslos.

Die Anwohner blicken auf die abgebrannten Reste des Goetheturms. Foto: Galkowski
Die Anwohner blicken auf die abgebrannten Reste des Goetheturms. Foto: Galkowski Bild: Lukasz Galkowski

Dutzende Anwohner aus den benachbarten Wohngebieten in Sachsenhausen versammeln sich am frühen Morgen entlang der Polizeiabsperrung und schauen sich aus sicherer Entfernung das Ausmaß der Katastrophe an. Die vorbeilaufenden Hundebesitzer und die zum Teil noch ahnungslosen Jogger sind nicht minder fassungslos, als sie beim Anblick der abgebrannten Holzkonstruktion plötzlich anhalten und ihren Augen nicht trauen. Gestern noch da, heute nur noch ein Skelett – für die häufigen Besucher des Goetheturms einfach nicht zu glauben. Viele traurige Gesichter sind hier versammelt, bedeutete der Turm schließlich für einige von ihnen auch ein Stück Lebensgeschichte.

So ergeht es etwa dem Ehepaar Blum, das bereits seit rund 50 Jahren in unmittelbarer Nähe zum Stadtwald im Sachsenhäuser Landwehrweg wohnt – und der Goetheturm dabei stets im Mittelpunkt des Geschehens steht. „Wenn unsere Kinder aus Bern zu Besuch kommen, dann führt der erste Ausflug immer hierhin: Wir gehen hoch und dann schön essen am Mittag“, erklärt die gebürtige Schweizerin Irmgard Blum. „Es ist einfach traurig. Ganz schlimm für hier oben. Man kann es nicht glauben, wie man sowas kaputt machen kann.“



Sie und ihr Mann haben erst aus dem Telefonat mit ihrer Tochter an diesem Morgen erfahren, dass der Goetheturm abgebrannt sei. Selbst mitbekommen hätten sie in der Nacht nichts. „Wir haben keine Feuerwehr gehört.“ In der Hoffnung, dass es sich deshalb um einen Irrtum handeln müsse, seien sie schließlich Richtung Goetheturm gelaufen. Und sahen, dass die Tochter, die von dem Brand aus deutschen Medien erfuhr, leider doch Recht hatte. „Es wurde viel investiert, um den Turm wieder schön zu machen, und jetzt ist er einfach weg.“
Rosemarie Herrmann erfuhr per Mitteilungsdienst WhatsApp von dem Unglück. Ihre Tochter hatte in die Nachricht einen aktuellen Zeitungsbericht verlinkt und mit dem Zusatz „Ich könnte heulen!“ und drei weinenden „Smileys“ versehen. „Da habe ich gedacht, es wäre vielleicht eine Falschnachricht, die über Facebook kommt.“

Foto: Google-Maps


Auch bei ihr zerstreuten sich die Hoffnungen, als sie am Ort des Geschehens eintraf. „Wir sind total schockiert. Der Enkel ist hierhin gegangen, der ist immer hochgekrabbelt.“ Herrmann stockt kurz und seufzt: „Nicht schön sowas. Wer hat da Spaß dran?“ Sie sei zumindest in dieser Hinsicht froh, dass der Wald nicht mit abgebrannt sei. „Wir hoffen nur, dass es irgendwann wiederaufgebaut wird. Es ist ein Wahrzeichen, so lange steht es schon hier. Meine Kinder sind 1966 und 1967 geboren. Wir waren hier ständig auf dem Spielplatz, sind hier Kaffee trinken gegangen. Das war so eine schöne Zeit.“



Dass es sich um eine Brandstiftung handeln muss, daran hat kaum einer der Anwesenden Zweifel. Die Menschen hoffen, dass der mutmaßliche Feuerteufel gefasst wird, damit sich sowas in Frankfurt nicht nochmals wiederholt. Die Sorge von einer Serientat greift in den Gesprächen im Stadtwald schnell um sich. „Es war nicht der letzte Brand“, prophezeit ein weiterer Anwohner vom Sachsenhäuser Landwehrweg. „Fanatiker, Bekloppter“, schimpft ein vorbeigelaufener Mann, der wenige hundert Meter von der Brandstelle entfernt eine Gartenhütte besitzt. „Ein gesunder Mensch macht sowas nicht.“

Tief bestürzt ist auch eine Großmutter, die mit ihrem Enkelsohn am Wegesrand steht und nicht glauben kann, was sie vor sich sieht. „Ich bin geschockt“, sagt sie. „Wir kommen sehr oft mit den Kindern auf den Spielplatz.“ Das ist für die nächste Zeit kein Thema mehr.
 

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