08.11.2017 03:00 | Matthias Gerhart

Prozessauftakt: Ausflug zum Wäldchestag endet im Koma

Frankfurt Es sollte ein feucht-fröhlicher Ausflug auf den Wäldchestag werden. Für einen 36 Jahre alten Mann endete der Frankfurter Lokalfeiertag jedoch folgenschwer. Er wurde verprügelt, lag elf tage lang im Koma und musste sich beruflich völlig neu orientieren. Seit gestern verhandelt das Landgericht gegen den mutmaßlichen Schläger.

Der Wäldchestag ist für viele ein Anziehungspunkt. Hier kam es zum folgenschweren Streit.
Der Wäldchestag ist für viele ein Anziehungspunkt. Hier kam es zum folgenschweren Streit. Bild: Christian Christes (Christian Christes)

Gemeinsam mit mehreren guten Bekannten und Freundinnen hatte ein 36 Jahre alter Mann reichlich die ausgelassene Stimmung an Pfingsten im Stadtwald am Oberforsthaus genossen. Man hatte zwar dem Alkohol zugesprochen, war jedoch recht heiter, als man sich auf den Weg zur nahem Trambahnhaltestelle machte. Dort aber nahm der vergnügliche Abend eine katastrophale Kehrtwende.

Ein 32 Jahre alter Mann tauchte plötzlich auf und es gab eine Auseinandersetzung, weil er sich offenbar an die Frauen heranmachen wollte und dies von den männlichen Begleitern nicht geduldet wurde. So wurde der Tunesier zunächst in die Schranken gewiesen. Als die Auseinandersetzung bereits vorbei schien und sich die Gruppe weiter auf den Weg machen wollte, stürzte sich der abgewiesene Mann plötzlich auf den 36-Jährigen und schlug ihm mit solcher Wucht ins Gesicht, dass der eigentlich recht stämmig wirkende Mann das Gleichgewicht verlor und mit seinem Kopf auf das Pflaster des Bürgersteigs aufschlug. Während er dort liegen blieb, bekam auch noch ein zweiter Begleiter, der vermitteln wollte, sein Fett ab. Er wurde durch den Schlag des Angreifers allerdings nur leicht verletzt.

Beruflich eingeschränkt

Beim gestrigen ersten Verhandlungstag vor einer Großen Strafkammer des Landgerichts wurde deutlich, wie sehr das Opfer unter der völlig unbegreiflichen Attacke des Angeklagten gelitten hatte. Im Krankenhaus wurde eine starke Beschädigung der Schädeldecke durch den Aufprall auf dem harten Boden diagnostiziert. Der Patient musste zunächst in ein elftägiges künstliches Koma versetzt werden. Aber auch danach reihte sich Klinikaufenthalt an Klinikaufenthalt. Noch heute hat er mit massiven Einschränkungen seines Sprechvermögens zu kämpfen und konnte deshalb nur mühsam wieder beruflich Fuß fassen. „Der Fall ähnelt dem von Tugce“, sagte sein Rechtsanwalt in einer Verhandlungspause. Die Staatsanwaltschaft geht gleichwohl von gefährlicher Körperverletzung „durch eine lebensgefährdende Behandlung“ und nicht etwa von einem versuchten Tötungsdelikt aus.

Andere Version

Der Angeklagte räumte die Schläge ein, präsentierte vor Gericht allerdings eine ganz andere Version. Die Aggressionen seien zunächst von den beiden späteren Opfern ausgegangen. Er habe sich praktisch nur zur Wehr setzen wollen. Den zeitlichen Unterschied zwischen der ursprünglichen Auseinandersetzung und den schweren Schlägen aber konnte er nicht erklären.

Die Richter werden also noch einiges aufzuklären haben, und auch ein psychiatrischer Sachverständiger wartet auf seinen Auftritt. Drei weitere Verhandlungstage bis Mitte November sind vorerst vorgesehen.

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