09.11.2017 03:30 |

Aufstieg in die erste Bundesliga möglich: Bembel Town Rollergirls wollen es noch einmal wissen

Dornbusch Für die Bembel Town Rollergirls geht’s am Samstag um die Wurst: Wenn die rasende Mädchencrew in die erste Bundesliga aufsteigen will, muss sie das letzte Heimspiel der Saison gewinnen. Der Gegner ist ein alter Bekannter. Wir haben die Rollergirls beim vorletzten Training vor dem großen Tag besucht.

Rempeln nach Regeln: Auch während des Trainings geht es bei den Bembel Town Rollergirls so richtig zur Sache. Bilder >
Rempeln nach Regeln: Auch während des Trainings geht es bei den Bembel Town Rollergirls so richtig zur Sache. Bild: Leonhard Hamerski

Ein gellender Pfiff – und die Bembel Town Rollergirls rasen im Kreis um die bunten Pylonen. Mittendrin steht Trainerin Denise Friba alias „Candie Clash“, die Thrillerpfeife am Mund. Der nächste Pfiff – und die Mädels wechseln in den Rückwärtsgang und stoppen dann so abrupt, dass ihre Rollen quietschen. „Rückwärts könnt ihr ruhig noch ein bisschen mehr Druck geben“, ruft Friba, die am Dienstagabend das vorletzte Training der Frankfurter Rollergirls vor dem großen Aufstiegsspiel am Samstag leitete.

„Wir wollen den Sieg“, sagt Rollergirl und Captain Lara-Maria Mohr (28) mit Nachdruck. „Das wäre ein echter Erfolg für uns“, bestätigt Trainer Michael Broydo, der seine Mädels vom Spielfeldrand aus beobachtet. Broydo ist seit gut einem Jahr in Frankfurt und weiß um die Stärken seiner Mädels. „Sie brauchen sich nicht zu verstecken“, sagte er und hofft nur, dass das Team seine Leistung am Samstag auch abrufen kann, „jetzt geht es schließlich um was.“

Roller-Derby ist eine noch junge Sportart in Deutschland und vergleichbar mit Rugby auf Rollschuhen. Es gibt weibliche und männliche Teams. Anstatt eines Balls hat jedes Team einen Spieler, der „Jammer“ genannt wird. Dieser muss möglichst viele Gegner überholen und Punkte sammeln. Dabei helfen ihm vier Spieler.

Derbe Bodychecks

Zimperlich dürfen die Rollergirls nicht sein. „Es geht schon zur Sache“, sagt Mohr. Das Blocken der Gegner mit dem Körper gehört ebenso dazu wie Handgreiflichkeiten. „Wir können hier richtig die Sau rauslassen“, sagt Antje Dorn, die ihre Teamkolleginnen von der Seitenlinie aus beobachtet, weil sie kränkelt: „Ich glaube, ich werde krank. Das geht gar nicht, weil ich am Samstag auf dem Track stehen will“, sagt die 39-Jährige, die auf dem Spielfeld „Cheeky Cherry“ heißt.

Vor sechs Jahren hat Antje Dorn die Bembel Town Rollergirls gegründet, zu einer Zeit, als der Sport in Deutschland noch weitestgehend unbekannt war. Man habe etliche Hürden nehmen und hart um Hallenzeiten kämpfen müssen, sagt sie. „Ich hatte starke Mitstreiterinnen. Wir haben das gemeinsam gewuppt“, sagt sie. 2013 nahmen die Rollergirls erstmals an den Deutschen Meisterschaften teil und schafften es auf Platz sechs. „Das war einfach nur ,Wow'“, sagt Dorn. Als zwei Jahre später der Bundesliga-Betrieb aufgenommen wurde, starteten die Frankfurterinnen direkt in der zweiten Liga. Am Samstag nun werden sie in Höchst um den Aufstieg in die erste Liga spielen. „Das ist schon ein bisschen geil“, sagt „Cheeky Cherry“.

Zumal es lange nicht so aussah, als hätten die Rollergirls eine echte Chance. Doch dann gewannen sie Anfang Oktober nicht nur gegen Mannheim unerwartet hoch mit 122 Punkten, sondern vor zwei Wochen auch gegen Ludwigsburg. Nun geht die Mannschaft als Favorit ins Spiel gegen die „RocKArollers“ aus Karlsruhe, im Übrigen alte Bekannte der Bembel Town Rollergirls. „Wir hatten 2011 tatsächlich unser erstes offizielles Spiel gegen die Karlsruherinnen“, erzählt Dorn. Die Frankfurterinnen haben es gewonnen, ebenso wie lle späteren Partien. „Ich werte das mal als gutes Omen“, sagt Dorn und lächelt. Die Aufregung vor diesem Spiel sei trotzdem groß, gibt Hannah Stringham (34) alias „Dame O’Lition“ zu. Ein Wortspiel: Demolition steht im Englischen für Zerstörung. „Doch die Vorfreude überwiegt“, sagt Stringham, die seit fünf Jahren ein Bembel Town Rollergirl ist. „Eigentlich war ich immer sehr unsportlich, aber Roller Derby hat mich angefixt“, sagt sie. Das habe etwas mit dem „Spirit“ (Stimmung) zu tun. Und weil selbst blutige Anfängerinnen offen aufgenommen würden.

Sekt unter der Dusche

Jetzt konzentrieren sich die Rollergirls auf das letzte Training heute Abend. „Wir werden noch einmal die Besonderheiten des Gegners analysieren und ein wenig Taktik üben“, sagt Broydo. Am Samstag werden die Spielerinnen ihre Aufregung mit lauter Musik beruhigen. „Wenn wir in der Kabine sind, singen wir laut und schief. Das ist gut für die Nerven“, sagt Stringham. Und wenn alles gut läuft, trinken wir danach Sekt unter der Dusche.“ So wie immer, wenn sie siegen.

Heimspiel beginnt um 16 Uhr

Karten sind im Vorverkauf unter www.bembel-town-rollergirls.de oder an der Abendkasse erhältlich. Eintrittskarten für Erwachsene gibt es für fünf Euro. Jugendliche (ab 13 Jahren) zahlen zwei Euro, für Kinder bis zwölf Jahre ist der Eintritt frei. Das Spiel in der Sporthalle des Bikuz in Höchst, Gebeschusstraße 5, beginnt um 16 Uhr. Einlass ist ab 15 Uhr.

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