Stadtteil-Serie (Teil 12)

Das Ostend – im steten Wandel

Frankfurt, 18.8.2017, Im Gegensatz zur EZB geht es im Hafenpark gänzlich unkommerziell zur Sache: Hier sind alle willkommen, die sich gerne an der frischen Luft bewegen möchten. Ende 2012 wurde der Skate- und BMX-Park zum Testen freigegeben. Der Beton-Dschungel bietet sowohl Fortgeschrittenen als auch den Profis der Szene ansprechende Herausforderungen. Ein halbes Jahr später eröffnete die Stadt zusätzlich zwei Basketballfelder sowie zwei multifunktionale Spielfelder. Außerdem gibt es auch noch einen anspruchsvollen Kletter- und Klimmparcours, eine Fitnessanlage für Erwachsene und Senioren und einen weitläufigen Kinderspielbereich.
Michael Faust/FNP

Das Ostend gehört mit knapp 30 000 Bewohnern zu den größten Stadtteilen der Mainmetropole und mit knapp 5000 Einwohnern pro Quadratkilometern auch zu den am dichtesten besiedelten. Dies stellt die Stadtplaner regelmäßig vor das Problem, das Quartier in Zeiten der Wohnungsknappheit sinnvoll zu erweitern.

Die Stadt behilft sich vielfach damit, ehemalige Industrie- und Gewerbeflächen im östlichen Teil des Quartiers durch neue Bebauungspläne umzuwidmen. Diese Durchmischung schafft ein in Frankfurt einzigartiges urbanes Spannungsverhältnis. Im Zuge dieser Entwicklung finden zahlreiche gastronomische Betriebe, Clubs sowie    Kreativ- und Kulturschaffende in Frankfurts Osten ideale Bedingungen vor.
In nur wenigen Stadtteilen Frankfurts gibt es einen so großen Wandel wie im Ostend. Das Quartier, das sich aus der sogenannten östlichen Außenstadt des 19. Jahrhundert entwickelte, war im Gegensatz zu anderen innenstadtnahen Stadtteilen größtenteils ein Arbeiterviertel.

Insbesondere im Bereich des Osthafens und der Großmarkthalle lag der Wohlstand der Bevölkerung im Durchschnitt deutlich unter dem der Bewohner des Nord- und Westends oder auch weiten Teilen Sachsenhausens. In den letzten Jahren hat der Stadtteil nicht nur wegen der dort ansässigen Europäischen Zentralbank an Attraktivität gewonnen. Neben dem traditionell beliebten Wohngebiet am Ostpark ist auch am Ostbahnhof eine rege Bautätigkeit zu beobachten. Ungefähr 2000 Eigentums- und Mietwohnungen sollen dort kurz- und mittelfristig errichtet werden. Dazu kommen noch einige Hotels in unmittelbarer Nachbarschaft zur Europäischen Zentralbank.
Unser FNP-Reporter Michael Faust hat den Stadtteil mit seiner Kamera erkundet.

Lebendiger Hafenpark

Im Schatten der Europäischen Zentralbank geht’s im Hafenpark unkonventionell-sportlich zur Sache: Frischluftfans kommen zuhauf hierher. Ende 2012 wurde der Skate- und BMX-Park freigegeben, der „Beton-Dschungel“ bietet Herausforderungen.

Ein halbes Jahr später eröffneten zwei Basketballfelder und zwei multifunktionale Spielfelder. Außerdem gibt es noch einen anspruchsvollen Kletterparcours, eine Fitnessanlage für Erwachsene und Senioren und einen weitläufigen Kinderspielbereich. Hier tobt das Leben!

Rindswurst-Hochburg Gref-Völsing

Mauro Scarpello liebt die berühmten Rindswürste der in fünfter Generation familiengeführten Metzgerei Gref-Völsing an der Hanauer Landstraße. Seine Schwiegermama, Seniorchefin Friederike Satvary, gebürtige Ostendlerin, sagt: „Die Bevölkerung hat sich verändert. Arbeiter und Kraftfahrer sind seltener geworden.“

Zum 125. Jubiläum 2019 wird sie die Leitung an Tochter Franziska und Mauro abgeben. Und bis dahin „keine vegetarischen oder veganen Speisen anbieten. Das passt nicht zu einer Metzgerei.“

Hafenpark für alle

Ein meist jüngeres Publikum tummelt sich im Hafenpark zu Füßen der Europäischen Zentralbank-Kathedrale. Hier kann seit Ende 2012 jeder Sport treiben – ganz ohne Kommerz. Fitness, Basket- und Fußball, Skaten oder Faulenzen sind hier angesagt. Die Skate- und Bikeanlage liegt im Norden, ein „Sportband“ in der Mitte, das „Wiesenband“ im Süden.

Ältere Flaneure lieben die Terrasse des „Oosten“ am Hafenkran, das Donnern der Züge auf der alten Eisenbahnbrücke – und schlendern gern in die Ausstellungen des Kunstvereins Familie Montez in den Gewölben der alten Honsellbrücke.

Kultur im denkmalgeschützten  Mousonturm

1925 entstand auf dem Fabrikgelände der Seifen- und Parfumfabrik von August Friedrich Mouson der gleichnamige Turm. Er gilt als erstes Hochhaus Frankfurts. Nach einem Umbau und einem Neubau eines Theatersaals 1988 wurde der denkmalgeschützte Klinkerbau Produktionsstätte und Spielort für freie Projekte.

Träger ist eine städtische Gesellschaft. Das attraktive Programm reicht von Tanz und Theater über Musik, Performance, Bildende Kunst, Medienkunst, Literatur, Film, Hörspiel bis hin zur Clubart.

Ostpark als Oase

Der Ostpark gehört mit über 32 Hektar zu den größten Grünanlagen der Stadt. Charakteristisch sind die gewaltige Freifläche und der vier Hektar große Weiher in einem trockengelegten Altarm des Mains.

Sportgeräte und Grillplätze locken die Menschen, doch oft gibt es Ärger wegen des Mülls. Zudem nerven die aggressiven Nilgänse und deren Kot die Besucher.

Der Osthafen – ein  Umschlagplatz

Ende des 19. Jahrhunderts baute die Stadt Frankfurt den Osthafen als Ergänzung zum Westhafen. Die Dimensionen waren gigantisch: Das Projekt umfasste im geplanten Ostend eine Fläche, die dem gesamten Frankfurter Stadtgebiet (ohne Sachsenhausen) im ausgehenden 19. Jahrhundert entsprach. Doch auch wenn die Bedeutung des Osthafens für Frankfurt in den letzten Jahrzehnten abgenommen hat, ist der Umschlagplatz nicht zu ersetzen.

Am östlichen Ende des Nordbeckens füllte sich die einst für eine Erweiterung geplante Grube mit Grundwasser. Seitdem dient der nicht mit dem Main verbundene Schwedlersee als kleines Freizeitgebiet und Heimstätte des 1. Frankfurter Schwimmclubs 1891.

Desolater Ostbahnhof

Die Empfangshalle des Ostbahnhofs wurde 1961 errichtet und ist derart desolat, dass Stützen den Einsturz verhindern müssen. Immerhin soll noch in diesem Jahr ein achtgeschossiger Neubau die Ruine ablösen.

Doch der verwahrloste Vorplatz, teils von einem „Urban-Gardening“-Projekt begrünt, soll erst nach dem Abschluss der Arbeiten für die nordmainische S-Bahn neu gestaltet werden.

Hinterm Zoogesellschaftshaus lauern Löwen und Tiger – und „streichfeste“ Ziegen

Der 1858 eröffnete Frankfurter Zoo ist der zweitälteste Deutschlands. Das auch überregional beliebte Ausflugsziel beherbergt auch das Fritz-Rémond-Theater im prächtigen Zoogesellschaftshaus.

Besuchermagneten sind die vielen seltenen, vom Aussterben bedrohten Tierarten. Und Kinder lieben die zweimal täglich stattfindenden Fütterungen der flotten Robben sowie den Streichelzoo.