Hitze-Wahnsinn am Main

Das waren die heißesten Sommer in Frankfurt

Von Michael Forst
Auf Hessen kommt das heißeste Wochenende des Sommers zu. Foto: dpa
FNP

Auch wenn die meisten Frankfurter den Sommer in der Stadt mit allen Sinnen genießen: Der ein oder andere Zeitgenosse stöhnt, jammert und flucht mal wieder über als zu heiß empfundene Temperaturen. Dabei hat die Mainmetropole in den vergangenen Jahrzehnten schon weitaus extremere Temperaturen erlebt, wie unser historischer Rückblick zeigt.

Sommer 2003: Frankfurt wird zum Backofen

Wenn es in der ganzen Stadt weder Ventilatoren noch Herrensandalen mehr zu kaufen gibt, ist dies nur einer von vielen Hinweisen auf einen außergewöhnlich heißen Sommer. So geschehen im Jahre 2003, als die Temperaturen über Wochen an der 40-Grad-Marke kratzten.

Eis-Umsätze knackten Rekorde, Kliniken wie das Markus-Krankenhaus verzeichneten eine deutliche Häufung von Patienten, die mit Kreislaufkollaps in die Ambulanz eingeliefert wurden. Darunter neben älteren, kreislauflabileren Menschen auch zahlreiche Frankfurter, die es beim Sport oder Sonnebaden an der nötigen Vorsicht vermissen ließen.

Während Frankfurt unter der Gluthitze stöhnte, behielten findige Hoteliers kühlen Kopf und machten den Frankfurtern ein heißes Angebot: Wem es daheim zu heiß und unerträglich wurde, konnte zum Sonderpreis ein klimatisiertes Hotelzimmer beziehen.

Sommer 1997: Stadt stöhnt unter Hitze und Ozonwerten

Im August 1997 waren es neben Spitzentemperaturen – so wurden im Frankfurter Osten am 25. August 35 Grad gemessen – vor allem die hohen Ozonwerte zwischen 144 und 176 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft, die den Menschen zu schaffen machten. Die Rettungsdienste der Stadt mussten täglich zu 300 Einsätzen ausrücken, um Herz-Kreislauf-gefährdeten Bürgern zu helfen – 50 mehr als üblich.

Das Hoch "Felix" ließ zudem Grippeviren jubeln: Immer mehr Frankfurter klagten über laufende Nasen, Kopfschmerzen und hohes Fieber. Einer der Gründe: Die kalte Luft aus den Klimaanlagen trocknet die Schleimhäute aus, so dass Keime leichter in den Körper eindringen können. Zudem, so eine Frankfurter Allgemeinärztin damals gegenüber dieser Zeitung, schonen sich die Leute "nicht so wie im Winter, sondern verschleppen die Infekte." Und last, but not least, befördere die Hitzewelle Krankheitserreger wie Amöben und Salmonellen zu ungeahnter Aktivität.  

Sogar die Frankfurter Fassaden blieben von der Hitze nicht verschont: An einer Hauswand in der Eschersheimer Landstraße lösten sich vier Glasplatten – die Feuerwehr musste mit dem Fassadenlift in 50 Meter Höhe vier Quadratmeter Platten abmontieren. 

Sommer 1994: Bäume sterben, Tiere drehen durch

Eine sechswöchige Dauerhitze im Juli und August führte im Sommer 1994 zu einem Massensterben der Bäume: 2000 Festmeter trockene Kiefern wurden entfernt – mehr als in den Vorjahren insgesamt geschlagen werden mussten. Die langanhaltende Trockenheit erwies sich, neben dem fallenden Grundwasserspiegel, Schwammspinner und allgemeinem Stress, als tödlich für viele Bäume in Frankfurts grüner Lunge, dem Stadtwald. 

Leidtragende waren aber auch die Tiere: Wegen der hohen Temperaturen gingen sie nur nachts auf Futtersuche, hinzu kam die Brunftzeit der Rehböcke. Die Folge: 40 Prozent der 100 für den Abschuss freigebenen Rehe im Stadtwald wurden in den Augustwochen von den Autos "erlegt".

Temperaturen von bis zu 33 Grad brachte das Hoch "Alfred" in jenem Sommer – und damit den Kreislauf vieler Menschen durcheinander. Die Folgen reichten vom Kollaps bis zum Herzinfarkt. Zudem sorgte die knallende Sonne für Ozonwerte im extremen Bereich. So wurde über Radio Ozonalarm ausgelöst: Autos durften auf Autobahnen nur 90 Stundenkilometer schenll fahren, auf Landstraßen galt ein Limit von 80 Stundenkilometern.

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Michael Forst