Stadtteil-Serie (Teil 1)

Der unbekannte Stadtteil: Harheim

Von Ben Kilb
Blick auf den Eschbach bei Harheim. Der Bach entspringt im Taunus und mündet am Rand von Harheim schließlich in der Nidda. Neben dem Stadtteil liegt auch das Harheimer Ried, das vielen Vögeln aus Brutplatz dient. Zur Brutzeit im Frühjahr sollte das Ried zum Schutz der Tiere jedoch nicht betreten werden.
Kilb/FNP
Wenn in Harheim mal wieder ein Neubaugebiet vorgesehen ist oder eine Flüchtlingsunterkunft entstehen soll, dann fühlen sich die Menschen in dem kleinen Stadtteil im Frankfurter Osten an die Eingemeindung zur Mainmetropole erinnert. Gegen den Widerstand vieler Harheimer setzten die Stadtpolitiker diese im Jahr 1972 durch.
Im Stadtteil zürnte man seinerzeit den Verantwortlichen, warf manch einem von ihnen vor, doch nicht einmal zu wissen, wo Harheim überhaupt liege.

Jenes Gefühl ist auch heute noch so präsent wie der dörfliche Charme, der Harheim seit jeher prägt. Dass dieser nicht verloren geht, hat vielleicht auch damit zu tun, dass die rund 5000 Harheimer geografisch als auch kulturell mehr mit der nahen Wetterau oder dem Taunus gemein haben als mit Frankfurt. Dass Frankfurt sich in Harheim noch nicht ganz durchgesetzt hat, zeigt sich auch, wenn man jemanden im Stadtteil telefonisch erreichen möchte: Wie im Fall von Nieder-Erlenbach muss man die 06101 vorwählen, um Harheimer an die Strippe zu kriegen.

FNP-Reporter Ben Kilb hat einen fotografische Erkundungstour durch den manchmal etwas eigenwilligen Stadtteil  unternommen. Dies ist der Auftakt unserer Reihe „Der unbekannte Stadtteil“ von unserem Autoren und Fotografen Ben Kilb mit vielen Stationen, immer dienstags in Ihrer FNP.


Rund 4500 Einwohner zählt Harheim. Mehrere im letzten Jahrzehnt entstandene Neubaugebiete haben die Bevölkerungszahl des Stadtteils anwachsen lassen. Alteingesessenen Harheimern sind die Neubaugebiete jedoch manchmal ein Dorn im Auge, denn viele Neuankömmlinge bleiben lieber unter sich und nehmen kaum am regen Vereinsleben im Stadtteil teil.


Atif Umran und sein Vater Ali betreiben das Restaurant „Perle“ im Harheimer Bürgerhaus. Beide zählen zu den wenigen Deutschen mit Migrationshintergrund im Stadtteil. Etwa 500 Harheimer haben fremde Wurzeln, womit der Stadtteil den niedrigsten Ausländeranteil in Frankfurt hat. „Ich habe mich dennoch aber noch nie fremd gefühlt in Harheim“, sagt Atif Umran.

 
Das Harheimer Bürgerhaus ist fast immer geschmückt und herausgeputzt. Viele der 14 Vereine im Stadtteil nutzen das Gebäude für ihre Aktivitäten. Junge Menschen lassen sich dort aber seltener blicken als Erwachsene. „Die Jugend aus Harheim zieht es lieber vor, in Clubs in der Innenstadt zu gehen als Maskenbälle und andere Feste in Harheim zu besuchen“, sagt Atif Umran, der mit seinem Vater das Restaurant „Perle“ im Bürgerhaus betreibt.


Monika Ranze lebt seit 33 Jahren in Harheim. Nachdem sie einst ihren Mann kennengelernt hatte, zog sie zu diesem nach Harheim. Bis heute bereut sie ihre Entscheidung nicht. Denn in Harheim lasse es sich schließlich sehr gut leben. „Wir sind Dorf, aber auch Stadt“, sagt Ranze.

 
Ein altes Fachwerkhaus nahe dem Harheimer Ortskern. Gemeinsam mit den Nachbarstadtteilen Kalbach, Nieder-Eschbach und Nieder-Erlenbach wurde Harheim im Jahr 1972 nach  Frankfurt eingemeindet. Dagegen regte sich teils heftiger Widerstand: Harheimer Bauern protestierten gegen die Eingemeindung unter anderem, indem sie vor dem Frankfurter Rathaus ihren Stallmist auskippten.


Am Rande von Harheim fließt der Eschbach in die Nidda. Von Harheim aus lässt sich der weitere Lauf der Nidda auf befestigten Fahrradwegen bis zur Mündung der Nidda in den Main im Frankfurter Stadtteil Höchst verfolgen. Einst führte die Nidda auch bei Harheim durch einen künstlich angelegten Kanal. In den 1990er Jahren des letzten Jahrhunderts erfolgte aber der naturnahe Rückbau der Nidda. Den Abschnitt von Harheim bis Bonames hat die Stadtentwässerung bereits renaturiert.

 
Eine Joggerin gönnt sich mit ihrem Kind am Rand von Harheim eine Ruhepause. Rund um den Stadtteil finden sich einige Orte, an denen man abschalten und das Stadttreiben hinter sich lassen kann. Harheim ist auch einer der wenigen Stadtteile, in denen man weitestgehend verschont bleibt von Autobahn- und Zuglärm.

 
Schaukästen nahe dem Harheimer Ortskern dienen den im Stadtteil ansässigen Vereinen dazu, über ihre Aktivitäten zu informieren. 14 Vereine gibt es in Harheim. Viele Bewohner sind gleich in mehreren Vereinen aktiv. Dies ist auch einer der Gründe, warum nur wenige in Harheim aufgewachsene Menschen dem Stadtteil den Rücken kehren. Das rege Vereinsleben stärkt nämlich auch das Gemeinschaftsgefühl.

Ben Kilb