28.02.2017 03:30 |

Am Flughafen kümmert sich Kristina Wessel um Wohnsitzlose: Diese Menschen heben am Frankfurter Flughafen nicht ab

Frankfurt Etwa 60 Menschen leben dauerhaft am Frankfurter Flughafen. Bis zu 200 Obdachlose kommen in die Terminals und auf das umliegende Gelände. Direkte Sozialarbeit vor Ort leistet Kristina Wessel vom Diakonischen Werk.

Wer genau hinsieht, erkennt schnell, dass dies kein Reisender ist, der sich ein Schläfchen in einer Wandnische während einer Zwischenlandung oder vor dem Abflug gönnt. Um Wohnsitzlose, die sich gern im Flughafen aufhalten, weil er als hell, sicher und sauber gilt, kümmert sich eine eigens dafür abgestellte Sozialarbeiterin.
Wer genau hinsieht, erkennt schnell, dass dies kein Reisender ist, der sich ein Schläfchen in einer Wandnische während einer Zwischenlandung oder vor dem Abflug gönnt. Um Wohnsitzlose, die sich gern im Flughafen aufhalten, weil er als hell, sicher und sauber gilt, kümmert sich eine eigens dafür abgestellte Sozialarbeiterin. Bild: Christian Christes

Obdachlosigkeit ist ein hartes Schicksal. Die Betroffenen kommen aus Frankfurt, dem Umland und auch Ausland. Auch am Frankfurter Flughafen suchen viele von ihnen Schutz und Wärme. Im September 2016 hat das Diakonische Werk für Frankfurt am Main des Evangelischen Regionalverbandes mit Unterstützung der Fraport AG das Projekt „Aufsuchende Sozialarbeit am Flughafen“ installiert. Kristina Wessel (31) besucht seither täglich acht Stunden lang diese Menschen und unterstützt sie dabei, den Weg in ein geregeltes Leben zurück zu finden. Dabei legt sie täglich im Schnitt 10 000 Schritte zurück.

Vertrauen aufbauen

„Es ist ein langer Weg, das Vertrauen zu ihnen aufzubauen und die Klienten an die Hand zu nehmen“, erzählt die Sozialarbeiterin. Das reiche von gemeinsamen Behördengängen zur Meldestelle und zum Job-Center über juristische Fragen bis hin zu medizinischer Hilfsleistungen und zur aktiven Wohnungslosenhilfe. Bei Sprachbarrieren kann Wessel auf Übersetzer der MIA (Multinationale Informations- und Anlaufstelle für EU-Bürger) sogar telefonisch zurückgreifen. „Das spart viel Zeit, immerhin sind hier 50 bis 60 Personen dauerhaft am Flughafen, bis zu 200 wechseln bei Tag und Nacht durch.“

Kristina Wessel leistet Sozialarbeit für Obdachlose am Flughafen.
Kristina Wessel leistet Sozialarbeit für Obdachlose am Flughafen.

Ein langer Weg war es auch bis zur Genehmigung ihrer Planstelle. „Es hat länger als zwei Jahre gedauert, bis wir diese eine Planstelle vom Landeswohlfahrtsverband und der Stadt Frankfurt finanziert bekommen haben“, erklärt Karin Kühn, Arbeitsbereichsleiterin Diakonische Dienste der Diakonie Frankfurt. Wohnungslosenhilfe sei ein viel diskutiertes Thema, die Finanzierung schwierig.

Auf drei Jahre befristet

Die Stelle am Airport ist zunächst auf drei Jahre befristet. „Aber auch die Fraport AG unterstützt uns sehr. Mit enger Zusammenarbeit, einem eigenen Büro für Kristina Wessel und freie Telefonnutzung für sie“, so Kühn. Der Sicherheitsdienst am Flughafen habe dabei geholfen, Kontakte zu den Betroffenen herzustellen. „Man erkennt sie nicht leicht. Viele von ihnen tarnen sich mit sauberer Kleidung. Vor allem die Frauen.“

„Am Flughafen gibt es mehr wohnungslose Frauen als in der Stadt“, erklärt Wessel. „Sie fühlen sich hier sicherer und geborgener als auf der Straße. Und zwischen den vielen Menschen auch als Teil von ihnen und nicht so ausgestoßen. Sie sammeln Flaschen, schlafen auf Bänken oder versteckt sitzend nah an Fensterscheiben. Viele von ihnen sind psychisch erkrankt, haben schlimme Erfahrungen gemacht. Für sie ist es besonders schwer, Hilfe anzunehmen, da sie oft aus ihrer Erfahrung heraus völlig verängstigt sind und kaum zu Vertrauen fähig sind. Darum besuche ich sie immer wieder und helfe ihnen Schritt für Schritt. “

228 Kontakte geknüpft

Wessel arbeitet in beiden Terminals, im The Squaire, an der Bahnstation und auf dem Außengelände. „Einmal in der Woche bis 1 Uhr nachts“, sagt sie. „Meine Klienten reichen von jungen Wohnungslosen bis hin zu Rentnern. Jeder hat ein anderes Schicksal.“ Im November und Dezember hat sie 228 Kontakte geknüpft, 29 Betroffene begleitet und 30 vermittelt – an die medizinische Sprechstunde und an Einrichtungen wie „Weser 5“ im Bahnhofsviertel, wo sie duschen, essen, Wäsche waschen und Computer nutzen und Hilfe erhalten. Bis zum März 2017 können dort bis zu 30 Personen übernachten. Die Betten sind fast durchgehend belegt.

Kristina Wessel liebt ihren Job. Seit fünf Jahren arbeitet sie als aufsuchende Sozialarbeiterin und freut sich über jeden Obdachlosen am Flughafen, den sie zurück in ein geregeltes Leben begleiten kann. „Das einzige, was ich mir noch wünschen würde, ist eine zweite Stelle für die aufsuchende Sozialarbeit – dann könnten wir noch mehr bewirken.“

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