08.11.2017 03:00 |

Lars Eckert: Dieser Förster hört den Wald wachsen

Oberrad Bereits seit September letzten Jahres ist Lars Eckert Förster in Oberrad – doch jetzt zeigte er erstmals Mitgliedern des örtlichen Bürgervereins „seinen“ Wald. Er informierte 40 Teilnehmer über Forstwirtschaft, wilde Tiere und darüber, warum manche Bäume innen blau sind.

Bombensplitter aus dem Zweiten Weltkrieg haben das Holz dieses Baumstammes bläulich verfärbt. Sägewerke fürchten solche Stücke.
Bombensplitter aus dem Zweiten Weltkrieg haben das Holz dieses Baumstammes bläulich verfärbt. Sägewerke fürchten solche Stücke. Bild: Michael Faust

Unter Eichen, Lärchen, Ahorn und Kiefern liegt das Forsthaus in Oberrad. Auf dem Dach wächst Moos, es riecht nach Herbstlaub, Pilzen und Wald. Lars Eckert (36) hat hier sein Revier. Der schlanke Förster im zehnten Berufsjahr kann sich nichts anderes vorstellen. Er ist Herr über knapp 900 Hektar Wald, von denen 100 Hektar aus Wegen, Seen, Spielparks und Parkplätzen bestehen. Füchse gibt es hier, Rehe und Damwild, geschützte Hirschkäfer und Fledermäuse.

„Nur Wildschweine gibt es keine in meinem Revier. Die treiben sich woanders rum“, sagt Eckert lachend. Der Bitte des Oberräder Bürgervereins folgend, hatte er die Mitglieder eingeladen, ihn kennenzulernen und mit ihm durch den herbstlichen Wald zu streifen.

Nachwachsender Rohstoff: Der Förster Lars Eckert veranschaulicht anhand eines Holzwürfels, um welche Menge der Baumbestand im Stadtwald pro Sekunde wächst. Die Mitglieder des Bürgervereins Oberrad vernehmen das mit großem Interesse. Foto: Michael Faust
Nachwachsender Rohstoff: Der Förster Lars Eckert veranschaulicht anhand eines Holzwürfels, um welche Menge der Baumbestand im Stadtwald pro Sekunde wächst. Die Mitglieder des Bürgervereins Oberrad vernehmen das mit großem Interesse.

Gerechnet hat Eckert mit zehn Interessierten – gekommen sind fast 40. Alle wollen ihn kennenlernen, Fragen stellen. Was macht ein Förster, warum lässt er schöne Bäume fällen, und wie vertreibt man notfalls Füchse aus dem Garten?

„Bibel“ voller Gesetze

Ebenfalls dabei ist die Leiterin der Abteilung Stadtforst, Tina Baumann. Sie hat ihren ungarischen Vorstehhund Obelix mitgebracht. Auch sie staunt über das große Interesse der Oberräder, während die Gruppe durch das raschelnde Laub an Eichen, Buchen und Nadelbäumen vorüberstapft. In der Hand hält sie ein grünes, dickes Buch, die „Bibel“ der Förster, respektive das Landesforstgesetz. „Es ist auf zehn Jahre festgelegt“, sagt die Forstfrau. Jedes Detail über Baumarten, das Alter der Bäume und ihre Nutzung stehe darin. Derweil betrachtet ein Mann einen am Wegesrand liegenden Baumstamm, er ist innen blau gefärbt. Der Förster fragt, was das sei. Niemand weiß die richtige Antwort. „Da ist ein Bombensplitter vom Krieg drin“, erklärt Eckert. Darum sei der Baum schwer zu verkaufen, obwohl er optimal gewachsen sei. „Niemand will sich seine Sägemaschinen von möglichen Bombensplittern ruinieren lassen. Es gibt sie oft daumen- bis faustgroß – da hat keine Sägemaschine eine Chance.“

Pro Jahr fällen Eckert und seine fünf Mitarbeiter 3000 bis 3500 Kubikmeter Holz, manchmal gar bis zu 5200 Kubikmeter. Der Stadtwald besteht zu 80 Prozent aus Laubholz, davon sind 46 Prozent Buchen. Die 20 Prozent Nadelgehölze bestehen zur Hälfte aus Kiefern.

72 Kilometer Wege

In die Sanierung der 26 Kilometer Reitwege wurden 2016 rund 12 000 Euro investiert. Hier und auch auf den 72 Kilometer Wegen wird auf Sicherheit geachtet. „Ich muss prüfen, ob ein Baum umstürzen könnte“, so Eckert. „Wir wollen ja nicht, dass jemandem etwas passiert.“ Ein Wald in einem Ballungsraum wie Frankfurt sei naturgemäß anders als etwa der Westerwald. Hier tummelten sich jeden Tag viele Fußgänger, Hunde, Radfahrer und Reiter, „die eine entspannende Zeit verbringen wollen und sollen“.

Gleichzeitig werden Bäume geschützt. Am wertvollsten ist ein gerader Baum fast ohne Äste. „Daher kommt der Ausspruch ,astrein‘; mit solchem Holz kann am besten gearbeitet werden“, so Eckert. Zu dicht stehende oder gar kranke Bäume werden abgeholzt, damit die geraden Exemplare möglichst ungehindert wachsen können. Eckert markiert diese mit hellem Kreppband. Was abgeholzt wird, wird wieder aufgeforstet. Im Moment versucht Eckert die Selbstanzucht bei Eichen, hat sogar eine eigene Maschine für die Saat konstruiert. „Nächstes Jahr sehen wir, ob das klappt“, ist er gespannt. Währenddessen macht sich eine ältere Dame Sorgen wegen der Füchse, die in Gärten gelangen. „Mit einem stabilen Zaun, unten ein Stück weit im Boden eingegraben, hält man sie fern“, erklärt Eckert. „Und auch Tollwut gibt es bei uns nicht. Wenn manche Füchse ausgemergelt aussehene, sind es vermutlich Fähen. Weibliche Füchse, die Junge haben und daher Stress. Das ist normal.“

Auf die Jagd geht Eckert früh morgens, wenn noch keine Besucher unterwegs sind. Als eine Frau sagt, sie habe noch nie Schüsse gehört, sagt der Förster lächelnd: „Dann mache ich ja alles richtig.“

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