Trockenheit

Eichhörnchen, Igel und Co. finden kein Futter mehr

Von LAURA OEHL
Ein Grauhörnchen sitzt in einem Park auf einem Baumstamm und knabbert eine Nuss. Allerdings finden die kleinen Nager in den Grünanlagen kaum noch Nahrung.
Monika Skolimowska (dpa-Zentralbild)/FNP

Die Hitze des Sommers hat viele Pflanzen in der Stadt in Mitleidenschaft gezogen. Durch die extreme Trockenheit konnten sie oft nur wenige Früchte bilden. Wie wichtig diese Früchte sind, zeigt sich jetzt. Denn gerade Eichhörnchen müssen damit ihre Futtervorräte für den Winter anlegen.

„Von den Bucheckern und Eicheln ist ein großer Teil heruntergefallen, der entweder leer oder extrem klein war. So kleine Eicheln hatten wir in dieser Menge noch nie“, erzählt Rainer Berg, Biologe und Leiter des Stadtwaldhauses. Eine Futternot sieht Berg im Stadtwald aber trotzdem nicht. „In den letzten Tage habe ich auch einige größere Eicheln gefunden und die Nüsse sind ebenfalls ordentlich gewachsen“, so der Biologe. Auch die Anzahl an Zapfen sei hoch. „Ich habe vor ein paar Tagen mal in einige Zapfen geschaut und gesehen, dass sie auch viele Samen tragen“, sagt Berg. Für die Eichhörnchen im Stadtwald könne er deshalb Entwarnung geben.

Nager füttern

Die Nager sind allerdings nicht nur im Stadtwald unterwegs. Auch in vielen Parks im ganzen Stadtgebiet sind sie immer wieder zu sehen. Damit auch die Eichhörnchen in der Stadt gut versorgt sind, rät Rainer Berg den Frankfurtern, den Tieren zuzufüttern. Mit getrocknetem Mais oder Nüssen könne man die kleinen Kletterer bei der Futtersuche unterstützen. Denselben Rat gibt auch Sabine Urbainsky, Tierheimleiterin des Tierschutzvereins Frankfurt und Umgebung. „Mittlerweile gibt es sogar Fertigmischungen für Eichhörnchen“, weiß sie.

Der Tierschutzverein musste in den vergangenen Wochen immer wieder verwaiste Eichhörnchen in seinem Tierheim aufnehmen. Denn das Tierheim ist auch Anlaufstation für gefundene Wildtiere. „Wir haben vor allem Jungtiere bekommen, die von der Mutter verstoßen wurden“, erzählt die Leiterin. Das liegt aber nicht nur am Futtermangel. Vor allem die Wasserknappheit durch die Sommerhitze machte vielen Eichhörnchen zu Schaffen. „Die Muttertiere können ihre Jungen dann einfach nicht mehr versorgen“, sagt Sabine Urbainsky. Dieses Problem hat sich auch mit den aktuell kühleren Temperaturen noch nicht erledigt. „Es hat ja nach wie vor noch nicht richtig geregnet. Die Trockenheit ist also immer noch akut“, sagt die Tierheimleiterin.

Trockene Böden

Der Wassermangel stellt aber nicht nur für Eichhörnchen ein Problem dar. Auch Igel leiden unter der Trockenheit. Im Gegensatz zu den Eichhörnchen haben sie auch im Stadtwald damit zu kämpfen. Während die Eichhörnchen dort noch genug Nahrung finden und an Wasserstellen wie dem Jacobiweiher oder den beiden Teichen um das Stadtwaldhaus auch zum Trinken kommen, machen den Igeln vor allem die trockenen Böden zu schaffen. „Igel sind Insektenfresser“, erklärt Rainer Berg. „Statt sich wie die Eichhörnchen überallhin bewegen zu können, sind die Igel aber auf das angewiesen, was sie in oder auf dem Boden finden können.“ Schnecken oder Würmer seien momentan allerdings Mangelware.

„Durch die Trockenheit sind nicht nur die Blüten weniger, sondern auch die Gräser extrem trocken“, so Berg. Die Igel fänden dort deshalb kaum Insekten, von denen sie sich ernähren könnten.

Beim Tierschutzverein zeigt sich dieses Problem in einer auffällig hohen Anzahl an verwaisten Igeljungen. „So viele Jungtiere wie in diesem Jahr wurden bei uns noch nie abgegeben“, erzählt Sabine Urbainsky. Im Tierheim des Tierschutzvereins werden die kleinen Igel tagsüber zwischenversorgt. Am Abend holen die Mitglieder der Wildtierfreunde Hanau sie ab und bringen sie in der dortigen Auffangstation für Wildtiere unter.

„Dort sind sie besser auf Wildtiere eingerichtet als wir und die Tiere können so versorgt werden, wie sie es brauchen“, sagt Urbainsky. Das gilt für Igel genauso wie für Eichhörnchen. Denn: „Das Ziel bei verwaisten Wildtieren ist immer, sie so aufzupäppeln, so dass sie später wieder ausgewildert werden können“, so die Tierheimleiterin.

LAURA OEHL