21.04.2017 03:30 | Alexandra Flieth

Ausstellung in der Paulskirche: Ein Ur-Frankfurter im Herzen

Frankfurt Fritz Boehle war ein Ur-Frankfurter im Herzen, obwohl er im badischen Emmendingen geboren wurde. Der Carolus-Reiter auf dem gleichnamigen Brunnen in Sachsenhausen oder der „Schreitende Stier“ im Günthersburgpark sind zwei seiner Werke, die der 1916 verstorbene Künstler den Frankfurtern hinterließ.

Daria Bottero-Heller ist die Vorsitzende der Gesellschaft zur Förderung Frankfurter Malerei. Der gemeinnützige Verein hat die Ausstellung anlässlich des 100. Todestages von Fritz Boehle in der Paulskirche organisiert. Das Pferd Paul soll an ein Lieblingsmotiv des Künstlers erinnern – an Brauerei-Pferde.	Foto/Repro: Holger Menzel Bilder >
Daria Bottero-Heller ist die Vorsitzende der Gesellschaft zur Förderung Frankfurter Malerei. Der gemeinnützige Verein hat die Ausstellung anlässlich des 100. Todestages von Fritz Boehle in der Paulskirche organisiert. Das Pferd Paul soll an ein Lieblingsmotiv des Künstlers erinnern – an Brauerei-Pferde. Foto/Repro: Holger Menzel Bild: Holger Menzel

Paul wartet geduldig auf dem Paulsplatz auf seinen großen Auftritt. Das süddeutsche Kaltblut ist ein Blickfang, viele Touristen lassen sich mit dem Pferd fotografieren. Statt eines Sattels trägt Paul eine Decke. „Fritz Boehle“ steht darauf geschrieben. Es ist ein Hinweis auf die Ausstellung mit Werken des bereits am 20. Oktober 1916 verstorbenen Künstlers, die zur gleichen Zeit im Untergeschoss der Paulskirche eröffnet wird – in Erinnerung an Boehle und im Nachgang zum 100. Todestag.

Die Gesellschaft zur Förderung Frankfurter Malerei, die 2018 ihr 50-jähriges Bestehen feiert, ist Initiatorin der Ausstellung, mit der Fritz Boehle als Maler, Zeichner, Radierer und Bildhauer gewürdigt wird. Rund 50 seiner Werke werden gezeigt. Der Name Fritz Boehle ist vielen Frankfurtern heute nicht mehr geläufig, doch sein Wirken hat Spuren in der Mainmetropole hinterlassen, insbesondere in Sachsenhausen. Boehle liebte diesen Stadtteil und genoss die besondere Atmosphäre der alten Apfelweinkneipen. Er traf sich dort nach getaner Arbeit oft mit anderen Frankfurter Künstlern wie dem Maler und Karikaturisten Lino Salini (1889-1944).

Reiterstandbild

Boehle selbst sprach stets nur Frankforderisch, obwohl er nicht gebürtig aus der Mainmetropole stammte, nicht mal aus der näheren Umgebung oder gar aus Hessen. Geboren wurde er 1873 im badischen Emmendingen, zog als kleiner Bub bereits mit seiner Familie von dort nach Frankfurt. Er liebte die Stadt und war Frankfurter im Herzen. Aus Emmendingen kommt auch der Sammler und Pfarrer im Ruhestand Karl Günther, der mit 35 Exponaten einen Großteil der ausgestellten Kunstwerke zur Verfügung stellt.

In Sachsenhausen, genauer im Deutschordenshaus, hatte Fritz Boehle sein erstes Atelier. Hier arbeitete er an einem Reiterstandbild Karls des Großen, das – so die Planungen von einst – als Denkmal auf der Alten Brücke seinen Platz finden sollte. Hierzu kam es jedoch nicht, da die Alte Brücke im Jahr 1914 abgerissen wurde. Die Schau zeigt mehrere Entwurfsskizzen zum geplanten Reiterstandbild. Die Binding-Brauerei erwarb ein noch erhaltenes Plastilinmodell des einstigen Entwurfes und ließ hiervon Mitte der 1960er Jahre eine Statue anfertigen – den „Carolus-Reiter“. Zehn Jahre später wurde dieser vom Unternehmen gestiftet, ist seitdem das Reiterstandbild des Carolus-Brunnens am Sachsenhäuser Wendelsplatz.

Fritz Boehle, der in der Zeit von 1886 bis 1892 Malen, Zeichnen und Bildhauerei am Städelschen Kunstinstitut studierte, ließ sich – nach Aufenthalten in München und Italien – im Jahr 1897 fest in Frankfurt nieder. Er war mit Conrad Binding, dem Gründer der gleichnamigen Brauerei, freundschaftlich verbunden. Boehle entwickelte unter anderem die Motive für den von Binding jährlich herausgegebenen Kalender. Durch seine Freundschaft zu Binding hatte er die Möglichkeit, sich die Brauerei-Pferde auszuleihen. Die Tiere sind ein häufig wiederkehrendes Motiv, Pferde wie Paul, der, ebenso wie seine Artgenossen von einst, bestimmt ein gutes Modell für den Künstler abgegeben hätte.

Das einfache Leben

In seinen Werken stellte Boehle häufig das einfache Leben in den Mittelpunkt, das der Bauern und Fischer. Außerdem, auch das macht die Ausstellung deutlich, griff Boehle das Verhältnis des Menschen zur Natur auf. Er war ein Meister der Zeichnung und zu seinen Lebzeiten als Künstler hoch angesehen. Die Stadt kaufte ihm mehrere Gemälde ab, um sie in der Städelschen Galerie zu zeigen. Er baute sich auf dem Sachsenhäuser Berg sein eigenes Haus samt Atelier. Das Gelände ist nach dem Künstler benannt, heißt heute Boehlepark. Seit einigen Jahren ist dieser aber nicht mehr für die Öffentlichkeit zugänglich. Im öffentlichen Raum der Stadt steht aber noch eine weiteres bildhauerisches Werk: Der „Schreitende Stier“ im Günthersburgpark, für dessen Entwurf er 1901 auf der Weltausstellung in Brüssel ausgezeichnet wurde.

Die Gesellschaft zur Förderung Frankfurter Malerei möchte das Wirken bildender Künstler für die Stadt, ganz gleich, ob in der Vergangenheit oder gegenwärtig, bewahren, erklärt es die Vereinsvorsitzende Daria Bottero-Heller zur Eröffnung. In dem Pilotprojekt „Kinder treffen Künstler“ sollen bereits die Jüngsten angesprochen werden. Im Vorfeld zur Ausstellung haben Kinder der nach Fritz Boehle benannten Schulen in Frankfurt Griesheim und Emmendingen sich kreativ mit dem Werk auseinandergesetzt. Die entstandenen Arbeiten der jungen Nachwuchskünstler sind auch in der Ausstellung zu sehen.

 

Die Ausstellung in der Paulskirche am Paulsplatz läuft bis zum 28. April. Sie hat montags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei. Öffentliche Führungen gibt es am Samstag, 22., und Sonntag, 23. April, jeweils um 11.15 Uhr.

 

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