20.03.2017 03:30 | Sandra Kathe

Retten um die Wette: Erste-Hilfe: Jugendrotkreuz und Schulsanitäter messen ihr Können

Frankfurt Zum ersten Mal seit vielen Jahren hat das Jugendrotkreuz am Wochenende einen Kreiswettbewerb für den Rettungsnachwuchs veranstaltet. Knapp 40 Kinder und Jugendliche von Jugendrotkreuzgruppen und Schulsanitätsdiensten zeigten dabei, dass neben der Erstversorgung auch Kreativität und Empathie im Vordergrund stehen.

Leon und Sarah vom Jugendrotkreuz kümmern sich um das Opfer eines Rodelunfalls; andere Helfer unterstützen sie: Bei einem Wettbewerb haben sich junge Nachwuchsretter auf Kreisebene miteinander gemessen.	Foto. Rainer Rüffer
Leon und Sarah vom Jugendrotkreuz kümmern sich um das Opfer eines Rodelunfalls; andere Helfer unterstützen sie: Bei einem Wettbewerb haben sich junge Nachwuchsretter auf Kreisebene miteinander gemessen. Foto. Rainer Rüffer Bild: Rainer Rueffer-- FRANKFURT AM MA

Noch herrscht hinter der Trennwand im Raum der Rot-Kreuz-Geschäftsstelle gelöste Stimmung: Die Gruppe 13- bis 17-Jähriger vom Jugendrotkreuz Nordwest hat die meisten Stationen des Wettbewerbs bereits hinter, das Mittagessen vor sich und steht nur noch der wichtigsten Hürde gegenüber: Dem Beweis, dass sie die Grundlagen dessen, was sie in Erster Hilfe gelernt haben, verinnerlicht haben. Andrea Hartenfeller, Ehrenamtlerin beim DRK, erklärt den Jugendlichen einige wenige Details zur Situation, die sie gleich von Mimen gestellt vorfinden werden – und dann muss alles schnell gehen.

Denn nur weil die Verletzten des gestellten Rodelunfalls wieder kerngesund sind, sobald sie sich Wunden und Blässe abgeschminkt haben, bedeutet das nicht, dass Leon, Sarah und die anderen Nachwuchsretter die Aufgabe auf die leichte Schulter nehmen können. Den Ernstfall proben die Jugendlichen regelmäßig in den Gruppentreffen – und wissen inzwischen, worauf es ankommt: Zusammenarbeit, professionelle Erstversorgung, Empathie und einen Hilferuf mit allen Informationen für den Rettungsdienst. Und genau diese Punkte werden beim Wettbewerb von der Jury bewertet.

Ziel ist Landeswettbewerb

„Wer den Vorentscheid auf Kreisebene gewinnt, fährt im Sommer dann zum Landeswettbewerb in Kassel“, erklärt Franz Philippe Bachmann vom Organisationsteam, das den Kreiswettbewerb zum ersten Mal seit vielen Jahren wieder nach Frankfurt geholt hat. „Hier gibt es drei Gruppen vom Jugendrotkreuz, dazu insgesamt 19 Schulkooperationen, wo das DRK Schulsanitäter betreut. Eine Rückkehr zu den deutschlandweiten Wettbewerben, die in den 90er-Jahren auch in Frankfurt Tradition waren, war lange überfällig“. Knapp 40 Nachwuchsretter zwischen 8 und 18 Jahren waren beim Pilotprojekt dabei, und ihre positiven Erfahrungen beweisen den Veranstaltern, dass es sich lohnt, den Wettbewerb auch in den kommenden Jahren wieder aufzunehmen.

Zu den Stationen, welche die Kinder und Jugendlichen zu absolvieren hatten, gehörte viel mehr, als bei der Ersten Hilfe das Richtige zu tun: „Unser Ziel ist, dass die Kinder und Jugendlichen die Grundsätze des DRK verinnerlichen“, erklärt Bachmann: „Dazu gehören neben Menschlichkeit auch Neutralität, Freiwilligkeit und Einheit, die nur dadurch in die Tat umsetzt werden können, dass die Kinder genau wissen, warum sie sich engagieren und Spaß bei der Sache haben.“ Dafür gibt es neben praktischen und theoretischen Erste-Hilfe-Stationen auch Kreatives und Gemeinschafts-Aufgaben. Beides in Kombination etwa an der Theaterstation, an der Tuana (10) und ihre Mitstreiter zeigen, wie Improvisation funktioniert: Sie führen spontan ein Theaterstück zum Thema Menschlichkeit auf, erklären, warum es wichtig ist, ein Auge auf Mitmenschen in Not zu haben. Spaß macht ihr das Ganze nicht nur, weil sie mit Gleichaltrigen zusammen ist und beim Jugendrotkreuz im vergangenen Jahr einiges gelernt hat, sondern weil sie das Helfen auch in der Praxis, etwa auf dem Schulhof, anwenden kann.

Vom Hobby zum Beruf

Genau wie Leon (16), der seit fünf Jahren bei der Gruppe Nordwest dabei ist und langsam auch abseits seines Schulsanitätsdiensts praktisch beim DRK mithelfen und Sanitätsdienste übernehmen kann. In seiner Gruppe ist er beim Ersthelfereinsatz an diesem Tag Gruppenführer, weist den anderen Aufgaben zu, wählt den Notruf und hilft immer mal wieder aus, wenn ein oder zwei Hände mehr nötig sind – etwa beim Einwickeln der Patienten-Darsteller in Decken, beim Anlegen von Verbänden. Dass er und die anderen Nachwuchsretter die DRK-Prinzipien nicht mehr lernen müssen, zeigt die Ernsthaftigkeit, mit der sie ans Werk gehen. Viele denken, weil das Helfen Spaß macht, sogar darüber nach, nach der Schule beruflich damit weiterzumachen. Viel mehr als das kann das Jugendrotkreuz nicht für seinen Nachwuchs tun.

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