Stadtteilserie (40)

Eschersheim: Das grüne Quartier

Von Benni Kilb
Eschersheim: Das grüne Quartier
Ben Kilb/FNP

Wer sich in Eschersheim umschaut, für den dürfte die Herkunft des Stadtteilnamens nahe liegen: Trotz knapp 15 000 Bewohnern und wichtiger Verkehrslinien, die den Ort durchschneiden, ist Eschersheim vom Grün geprägt wie nur wenige andere Frankfurter Quartiere. Doch der Ortsname geht nicht auf die Laubbäume zurück, die das Niddaufer säumen. Stattdessen soll Ensco, der Besitzer eines fränkischen Abtshofes, namensgebend gewesen sein. Er lebte wohl schon vor über tausend Jahren dort.

Im Lauf der Jahrhunderte gehörte Eschersheim nacheinander zu einer Reihe von Fürsten- und Herzogtümer und Klöstern. Auch die Franzosen und die Preußen nannten es eine Zeit lang ihr Eigen. Im Jahr 1910 wurde Eschersheim schließlich zu Frankfurt eingemeindet. Schon einige Jahre zuvor war der Ort über eine Schmalspurbahn mit Frankfurt verbunden, um Ziegel aus Eschersheimer Ziegeleien in die Nachbarstadt zu transportieren.

Das Bevölkerungswachstum setzte erst nach der Eingemeindung des Stadtteils ein. Arbeiter und Kriegsflüchtlinge zog es aufgrund der geringen Grundstückspreise hierher in den Norden der Stadt. Das Planungsprogramm „Neues Frankfurt“ ließ Wohngebiete wie die Siedlung Am Lindenbaum entstehen. Frankfurter Unternehmer und andere Begüterte ließen dort zahlreiche Villen bauen. Wohnungsbaugesellschaften teilten große Teile des Ortes unter sich auf.

Trotz einer heterogenen Bevölkerungsstruktur und fast idealen Mischung aus Naturnähe und Großstadttreiben brennt den Eschersheimern vieles unter den Nägeln: Vor allem Älteren fehlen Einkaufsmöglichkeiten. Die Bauarbeiten auf der Eschersheimer Landstraße bremsen den Stadtteil aus. Viele fürchten sich vor dem Bahnlärm, den der Ausbau der Main-Weser-Strecke mit sich bringt, wenn die Arbeiten im Jahr 2022 beendet sind. Zumindest soll währenddessen auch der Eschersheimer Bahnhof saniert werden, der den größten Schandfleck darstellt. Unser Fotograf Ben Kilb hat sich dort umgesehen.

Schöner wohnen „Am Lindenbaum“

Die Siedlung „Am Lindenbaum“ entwarfen die Stadtplaner Walter Gropius und Ernst May um 1930; sie war Teil des Stadtplanungsprogramms „Neues Frankfurt“. Das Projekt umfasst rund 200 Wohnungen mit 40 bis 70 Quadratmeter. Im vergangenen Jahr setzten Bewohner durch, dass die Siedlung unter Denkmalschutz gestellt wird.

 

 

Ob sie damit, wie beabsichtigt, eine Aufstockung der Häuser verhindern können, ist ungewiss. Der Wohnkonzern Vonovia sieht im Denkmalschutz keinen Grund, die Häuser nicht anzutasten.

Wilder Westen auf dem Schreckens-Bahnhof

Am Eschersheimer Bahnhof fühlt man sich  eher wie im Wilden Westen als in einem Frankfurter Stadtteil. Die Station ist seit 15 Jahren stark sanierungsbedürftig.

Mit dem nun begonnenen viergleisigen Ausbau der Main-Weser-Bahn vom Westbahnhof bis Bad Vibel und später Friedberg sollen fünf Bahnstationen entlang der Strecke saniert werden, darunter auch Eschersheim. Das Ende der Bauarbeiten ist für 2022 geplant. Die Hoffnung stirbt zuletzt . . .

An der  Nidda

Als wärs ein Stillleben, eingefangen anno dazumal: Das Eschersheimer Niddaufer, betrachtet von der Heddernheimer Seite aus. Der Blick fällt auf Teile des alten Ortskerns mit dem Turm der Emmauskirche. Westlich davon verbindet die Maybachbrücke die benachbarten Stadtteile.

Idyll im Ortskern

Im alten Ortskern hat sich wenig verändert, doch von den einst zahlreichen Landwirten sind nur wenige geblieben. Sie hatten den Stadtteil bis ins 20. Jahrhundert geprägt, die Industrialisierung war bis dahin weitestgehend an Eschersheim vorbeigezogen. Dafür blieben die Grundstückspreise niedrig, weshalb viele Arbeiter in den Stadtteil zogen. Heute leben knapp 15 000 Menschen hier.

Die Basilika von St. Josef

Mit der katholischen St. Josef-Kirche steht eines der prunkvollsten Frankfurter Gotteshäuser in Eschersheim. Der Spatenstich war im Dezember 1910, kurz nach der Eingemeindung des Stadtteils zu Frankfurt. Den Bau im neoromanischen Stil – als dreiapsidiale Basilika mit Querschiff und kleinen Fronttürmen – entwarf der Architekt Hermann Mahr.

Erster Pfarrer in der Kirche St. Josef war Rhaban Fröhlich, nach dem längst eine Straße im Stadtteil benannt ist. St. Josef ist die Pfarrkirche der seelsorgerisch von Schönstatt-Patres betreuten katholischen Pfarrei St. Josef-Eschersheim.

Der Wasserturm

Rund 300 000 Liter kann der Wasserturm Am Lindenbaum fassen; er entstand 1901 gemeinsam mit dem ersten Eschersheimer Wasserwerk in barockisierender Form. Er ist nicht öffentlich zugänglich, doch darf sich dort die Katholische Deutsche Studentenverbindung Moeno-Franconia treffen.

Der Turm mit dem kegelförmigen Schaft zählt zu den 20 höchsten Gebäuden Frankfurts. Im Zweiten Weltkrieg blieb er von den Luftangriffen der Alliierten weitestgehend verschont.

Erziehung in der Ziehenschule

Die Ziehenschule in der Josephskirchstraße wurde 1913 als Realschule gegründet und 1926 nach dem Pädagogen Julius Ziehen (1864–1925) benannt. Mit rund  1200 Schülern ist es eines der größten Gymnasien der Stadt und vor allem für ihr sprachliches und musikalisches Angebot bekannt. Doch werden dort auch seit einigen Jahren naturwissenschaftliche Fächer besonders gefördert.

Die uralte Linde

Nach der Ende des 17. Jahrhunderts gepflanzten Winterlinde an der Eschersheimer Landstraße ist die Haltestelle „Am Lindenbaum“ benannt. Das rund 25 Meter hohe Naturdenkmal war einst als Landmarke gepflanzt worden.

Durch den zunehmenden Straßenbau wurde die Linde in den 1960er Jahren beschädigt, erhielt daraufhin eine Drainage und wird seit 1984 künstliche bewässert und belüftet. Um sie nicht zu gefährden, fährt die U-Bahn einen leichten Bogen.

 

Eine  Jause im „Drosselbart“

Inge Metzen (82), Günther Ebel (87) und Elfriede Rudler (80, von links) kehren nachmittags gern im Traditionslokal „Drosselbart“ an der Eschersheimer Landstraße ein. Sie mögen das viele Grün im Stadtteil, vermissen jedoch eine bessere Infrastruktur. „Es müsste hier viel mehr Einkaufsmöglichkeiten geben, weil die langen Wege vor allem für ältere Bürger sehr anstrengend sind“, sagen sie.

 

Benni Kilb