13.10.2017 03:30 |

Verläge sind Wirtschaftsfaktor: Frankfurt, die Buchstadt

Frankfurt Frankfurt ist nicht nur Bankenstadt, sondern auch Buchstadt – und das nicht nur der Buchmesse wegen. 60 Verlage gibt es am Main.

Frankfurter Buchmesse / Book Fair Frankfurt. Messestand Droemer Verlag. *** Frankfurt Book Fair Book Fair Frankfurt Stand Droemer Verlag
Frankfurter Buchmesse / Book Fair Frankfurt. Messestand Droemer Verlag. *** Frankfurt Book Fair Book Fair Frankfurt Stand Droemer Verlag Bild: (imago stock&people)

Die Manuskripte von Schriftstellern müssen natürlich erst ins Buch, bevor dieses über den Handel bei den Lesern landet. Verlage dazu gibt es in Frankfurt einige: 60 sind es. Hinter Berlin, München, Hamburg und Köln rangiert Frankfurt damit in der Rangfolge der Verlagsstädte in Deutschland auf Platz fünf.

Einer der größten Publikumsverlage Deutschlands, der S. Fischer Verlag, mit einem Umsatz von 81 Millionen Euro pro Jahr, hat seine Heimat am Main. Auch die kleine, aber feine Frankfurter Verlagsanstalt, gelenkt vom Verleger Joachim Unseld, hat ihren Sitz hier.

Bei der Titelproduktion bewegt sich Frankfurt im Ranking der Verlagsstädte in Deutschland seit Jahren stabil auf Platz sechs. Im vergangenen Jahr wurden in Frankfurt 1983 Erstauflagen produziert. In Berlin verlegten die dort aktiven 151 Verlage 9370 Bücher.

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Weniger poetisch und phantasievoll, dafür mit stabilerem Geschäft zeigen sich die Fachverlage und allen voran der Deutsche Fachverlag (dfv), der der siebtgrößte in Deutschland ist und mit 990 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von 142 Millionen Euro generiert. Insgesamt erwirtschaften die Verlage in Deutschland einen Umsatz von 5,16 Milliarden Euro, wobei 50 Prozent davon auf das Konto der Fachverlage gehen. Die Publikumsverlage tragen zu dem Umsatz mit 33 Prozent bei.

Publikumsverlage finanzieren sich vorwiegend über den Verkauf von Büchern. Bei Fachverlagen zeigt sich ein vielfältigeres Bild. Der dfv ist mit seinen 100 Fachpublikationen für elf Wirtschaftsbereiche im Segment der Fachzeitschriften ein Musterbeispiel. Die Fachzeitschriften bilden ein starkes Standbein. Die Textilwirtschaft und die Lebensmittelzeitung oder die Zeitschrift „Horizont“ (Marketing) gehören zu den wichtigsten Publikationen ihrer Branche. Fachbücher, die die Bedürfnisse der Fachkunden abdecken, gehören ebenso ins Portfolio des Frankfurter Verlages wie die Veranstaltung von Kongressen. Bei den digitalen Medien erreichte der dfv im abgelaufenen Geschäftsjahr die höchsten Zuwächse mit einem Plus von 7,3 Prozent. Eine Beobachtung, die der Börsenverein des Deutschen Buchhandels in einer Studie zur Verlagswelt in Deutschland bestätigt: Der Anteil der digitalen Medien an den Gesamtumsätzen beträgt bei deutschen Fachverlagen durchschnittlich 21 Prozent und hat Zuwachsraten von acht Prozent.

Die Buchmesse nutzen natürlich auch die Frankfurter Verlage, um Neues und Spannendes zu präsentieren. Im vergangenen Jahr kamen knapp 300 000 Besucher in die Stadt, ein Drittel davon privat, der Rest beruflich.

1000 Veranstaltungen

Die Buchmesse bleibt nicht auf das Messegelände beschränkt. Die Mitarbeiter der 7154 Aussteller müssen in Hotels unterkommen. Und die Journalisten, Einkäufer, Marktbeobachter, Händler, Autoren und private Literaturliebhaber wollen essen und nach dem Messebesuch in der Stadt unterhalten werden. Unzählige Veranstaltungen auf dem Messegelände tagsüber und abends in der Stadt feiern die Literatur. Allein am Wochenende gibt es mehr als 1000 Veranstaltungen auf dem Messegelände und in der Stadt. Und am Samstag gibt es im Bahnhofsviertel die Buchmesse-Nacht.

„Wir beobachten seit Jahren, dass Literatur zum Event wird“, sagt Katja Böhne, Sprecherin der Frankfurter Buchmesse. „Literaturfestivals schießen wie Pilze aus dem Boden, etwa das Internationale Literaturfestival Berlin oder die lit.Cologne.“ Es herrsche ein riesiges Interesse an Treffen mit Autoren, an Lesungen, an Signierstunden.

Mitarbeiterzahl sinkt

Anders verhält es sich bei der Zahl der Buchhandlungen. Diese ist laut Börsenverein des Deutschen Buchhandels rückläufig. Frankfurt hat in den vergangenen zehn Jahren mehr als zehn Prozent der Buchhandlungen eingebüßt (siehe Grafik). Gab es 2006 noch 92, waren es im vergangenen Jahr nur noch 80. Gleichzeitig hat die Stadt aber kräftig an Einwohnern zugelegt. Und so müssen sich nicht mehr 7000, sondern mehr als 9000 Einwohner eine der 80 Buchhandlung in der Stadt teilen. Zum Vergleich: Berlin hat laut der Statistik des Börsenvereins 235 Buchhandlungen, also eine Buchhandlung für knapp 15 000 Leser.

Die Zahl der Mitarbeiter im Buchhandel hat sich in Frankfurt zuletzt stark reduziert: 2007 arbeiteten noch 450 Menschen in Buchhandlungen. 2016 waren es noch 370.

Der Umsatz – deutschlandweit – ist in den vergangenen fünf Jahren jedoch einigermaßen stabil geblieben und pendelt zwischen 9,5 und 9,3 Milliarden Euro Gesamtumsatz. Für Frankfurt gibt es keine Umsatzzahlen.

Vor allem im Internet werden Bücher mittlerweile bestellt. „Der Online-Handel hat sich zu einem wichtigen Absatzkanal für den Buchhandel entwickelt“, erklärt Thomas Koch, Sprecher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. Knapp ein Fünftel des Branchenumsatzes werde online gemacht. Etwa zwei Drittel der Buchhandlungen verkaufen ihre Bücher bereits auch online“, sagt Koch. Der Buchhandel ist gegenüber anderen Einzelhandelsbranchen also ein Vorreiter. Er betreibt erfolgreiches Cross-Channeling, also die Kombination des Onlinehandels mit den Vorteilen des Handels vor Ort – persönliche Beratung, Einkaufserlebnis – man kann sich einen durchaus in der einen oder anderen Buchhandlung Kaffee holen und gemütlich in einer Leseecke schmökern.

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