12.08.2017 03:00 | Benni Kilb

152 Jahre Vereinsgeschichte: Frankfurt historisch: Wie die Ruderer die Stadt prägen

Sachsenhausen Im Frankfurter Ruderverein spiegelt sich auch die Frankfurter Stadtgeschichte wider. 152 Jahre ist er nun alt und hat einige Höhen und Tiefen durchlebt. Vereinsmitglied Ulrich Meißner nimmt dies zum Anlass, um am Mittwoch über heitere und traurige Anekdoten aus der Vereinsgeschichte zu berichten.

Auf dem ältesten überlieferten Vereinsfoto aus dem Jahr 1869 sind siebzehn FRV-Aktive, meist Kaufleute, zu sehen.
Auf dem ältesten überlieferten Vereinsfoto aus dem Jahr 1869 sind siebzehn FRV-Aktive, meist Kaufleute, zu sehen.

Der Frankfurter Ruderverein (FRV) war seiner Zeit, fünf Jahre nach seiner Gründung, weit voraus – und zwar in mehrfacher Hinsicht: Frauen ruderten im Jahr 1870 bei der ersten Frankfurter Regatta über den Main. Doch nicht irgendwelche Frauen. „Offenbacher Mädchen in roten Blusen und schwarzen Röcken“, schrieb Zeitzeuge und FRV-Mitglied Hugo Bardorff damals. Die Frankfurter buhten die Offenbacherinnen nicht etwa aus, sondern applaudierten ihnen von der Schönen Aussicht aus zu. Vielleicht war Mitleid im Spiel, denn die Damen aus der Nachbarstadt Frankfurts erreichten das Ziel als letzte.

Die rudernden Offenbacher Mädchen zu Zeiten, in denen sich Bewohner beider Städte noch weit weniger grün waren als heutzutage, sind nicht das einzige markante Kapitel in der Geschichte des Vereins, über das Ulrich Meißner am kommenden Mittwoch, 16. August, im Bootshaus auf der Maininsel an der Alte Brücke ab 18.30 Uhr referieren wird.

Es den Männern gezeigt

Der FRV, Frankfurts erster Ruderverein, wurde im Jahr 1865 von 19 jungen Männern gegründet und war seinerzeit der erste Ruderverein südlich von Hamburg. Meißner nimmt die etwas als anderthalb Jahrhunderte Rudersport in Frankfurt zum Anlass, um Anekdoten aus jenen Jahrzehnten zu erzählen – nicht nur heitere Geschichten wie die der Offenbacher Ruderinnen.

Im Februar 2016 lud der Frankfurter Ruderverein zur Neueröffnung seines Bootshauses auf der Maininsel. Foto: Rainer Rueffer-- FRANKFURT AM MA
Im Februar 2016 lud der Frankfurter Ruderverein zur Neueröffnung seines Bootshauses auf der Maininsel.
Nur fünf Jahre nach der ersten Frankfurter Regatta zeigt FRV-Mitglied Fräulein Stein es den Männern und holt auf dem Bad Nauheimer Teich den Pokal im Einer. Ab dem Jahr 1900 sind auf dem Main rudernde Frauen kein ungewöhnliches Bild mehr. Der Wunsch der Damen nach eigene Umkleiden erfüllt sich aber erst im Jahr 1934.

Dann jedoch beginnt die Offenheit beim FRV zu bröckeln. Zählte die Mitgliederliste zwischen den Jahren 1865 und 1879 noch Ruderer französischer, britischer, amerikanischer und jüdischer Herkunft zum Verein, zersetzen ab Anfang der 30er-Jahre die Nationalsozialisten die Vereinsstrukturen.

Ende 1932 wird Parteimitglied Fritz Mertens FRV-Vorsitzender. Der jüdische Bankier Heinrich Lismann, Mertens Vorgänger von 1906 bis 1909 und seither Ehrenvorsitzender, muss bereits im März 1933 als Vorsitzender des Frankfurter Regattavereins zurücktreten, nicht ahnend, dass er sein Leben ein paar Jahre später nur durch Emigration retten kann.

Bei der Neueröffnung schaute sich Staatsminister Peter Beuth (l.) um. Foto: Rainer Rueffer-- FRANKFURT AM MA
Bei der Neueröffnung schaute sich Staatsminister Peter Beuth (l.) um.
Die heute weltberühmte Frankfurterin Anne Frank ist damals noch zu jung zum Rudern. Sie möchte sich dem Sport widmen, auch weil ihr Großvater FRV-Mitglied ist. Annes Schwester Margot gewinnt im September 1940 in Amsterdam eine Medaille im Vierer. Zu dieser Zeit ist die Familie Frank allerdings bereits nach Holland geflüchtet. Im Jahr 1945 sterben Anne und Schwester Margot im Konzentrationslager Bergen-Belsen.

In der Chronik des Frankfurter Rudervereins spiegelt sich stets auch die Frankfurter Stadtgeschichte wider, berühmte Frankfurter wie Friedrich Stolze, Ingenieur, Stadtverordneter und Enkel des Mundartdichters, sind Mitglieder. Das Rekord-Hochwasser von 1882 zerstört Boote und Bootshaus und senkt die Mitgliederzahl stärker als die beiden Weltkriege.

Große Erfolge

Abriss und Neubau der Alten Brücke zwischen 1913 und 1926 verdrängen den Verein von der Maininsel. Dennoch zählt er in den 1920er-Jahren tausend Mitglieder. Walter Flinsch feierte damals als mehrfacher deutscher Meister im Einer und Zweier die größten sportlichen Erfolge.

Die starke Verschmutzung des Mains in den 70er- und 80er-Jahren lässt die Mitgliederzahl noch einmal unter hundert schrumpfen. Inzwischen aber ist der Main wieder viel sauberer – und der FRV zählt mehr als 300 Mitglieder. Aufgrund des im Jahr 2016 sanierten Bootshauses dürfte ihre Zahl stetig weiter wachsen und der Verein noch weitere Kapitel Stadtgeschichte schreiben.

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