Stadtteile im Porträt (Teil 6)

Frankfurter Berg - ein Quartier der Gegensätze

Deutschland, Frankfurt, 15. Juli 2017: Klaus Krieg (59) wohnt in einem der Hochhäuser auf dem Frankfurter Berg. Er denkt nicht daran, den Stadtteil zu verlassen, verweist aber auch auf die Probleme am Frankfurter Berg: "Wir brauchen hier wieder eine Kneipe, die die Gemeinschaft im Stadtteil fördert. Auch muss etwas gegen die Drogendealer im Viertel getan werden, auch wenn es in letzter Zeit etwas besser geworden ist."
Ben Kilb/FNP
Die Wohnhochhäuser sind das Erste, was einem Besucher am Frankfurter Berg ins Auge springt. In früheren Jahren galt dieses Ecke als sozialer Brennpunkt. Doch diese Zeiten sind schon lange vorbei. Obwohl immer mal wieder Drogendealer im Berkersheimer Weg oder der Julius-Brecht-Straße für Unruhe sorgen. Die Ladenpassage am Fuß der Wohnhochhäuser ist für die Menschen aus den umliegenden Häusern der Treffpunkt. Viele kleinere Läden halten sich jedoch nicht lange. so dass es immer wieder zu Mieterwechseln kommt. Die Apotheke und das kleine Zeitschriftengeschäft mit Postagentur sind hier die Konstanten.



Der Stadtteil hat sich in den vergangenen Jahren stark gewandelt: Nach dem Abzug der US-Armee und der Schließung der Edwards- und Drake-Kasernen auf dem Frankfurter Berg entstanden dort Neubaugebiete, die vor allem viele junge Familien in den Stadtteil haben ziehen lassen. Weil auch Wohnungen im Hochhausviertel in Eigentumswohnungen umgewandelt wurden, durchmischte sich die Bevölkerung zum Wohle aller. Der erst im Jahr 1996 gegründete Frankfurter Berg ist dennoch durch eine Dreiteilung aus Hochhausviertel, Neubaugebiet und Häusern der ehemaligen Arbeiterkolonie im Westen des Stadtteils gekennzeichnet. Und jenseits der S-Bahn ist mit dem Hilgenfeld ein weiteres Baugebiet entstanden, das in den kommenden Jahren für einen weiteren Wachstum der Bevölkerung sorgen wird.

Den Kitt des Frankfurter Bergs bildet seine Turn- und Sportgemeinschaft. Sie führt Menschen aller Schichten zusammen. Weil die TSG der einzige größere Verein im Stadtteil ist, hat er dort noch eine wichtigere Bedeutung als Sportvereine in anderen Teilen Frankfurts.

Für die mehr als 8000 Menschen im Stadtteil sind die Niddaauen das Naherholungsgebiet. Mit einer Fläche von knapp 2,2 Quadratkilometern ist der „Berg“, wie er liebevoll von seinen Bewohnern genannt wird, einer der kleinsten Frankfurter Ortsteile.


Wenig Charme


Zwischen den Wohnhochhäusern auf dem Frankfurter Berg findet sich eine kleine Passage mit Einkaufsmöglichkeiten. Im Stadtteil wünscht man sich schon lange, dass sich die Stadtplanung jenem Bereich annimmt und dem Viertel eine Mitte verschafft, die etwas mehr Charme versprüht. Allerdings ist es für die Einzelhändler auch schwierig, hier zu überleben.

Der Sportverein


Siegfried Linden ist erst seit ein paar Monaten der neue Vorsitzende der TSG Frankfurter Berg. „In einem Stadtteil wie dem Frankfurter Berg, wo sich Menschen und vor allem Kindern nicht viel bietet, ist ein Verein wie die TSG noch wichtiger als andernorts. Er hält den Stadtteil in gewisser Weise zusammen“, sagt er. Der Verein wurde 1957 gegründet und bietet neben Fußball noch Handball und Turnen an. Linden wünscht sich, dass die Stadt neben dem Kunstrasenplatz einen Bolzplatz baut, damit sein Verein noch mehr Kindern und Jugendlichen eine Freizeitmöglichkeit bietet und sie von der Straße fernhält. Ein Problem ist zudem die fehlende Sporthalle. Lediglich die Albert-Schweitzer-Schule bietet in ihrer kleinen Turnhalle ein wenig Platz für sportliche Aktivitäten unter dem Dach.


Kontraste


Städtebauliche Kontraste auf dem Frankfurter Berg: Dort, wo sich einst die amerikanischen Edwards-Kasernen befanden, stehen heute einerseits moderne Einfamilienhäuser. Ein Teil der Kasernen aber, wie jene Häuser in der Flucht, wurden zu Wohnblocks umfunktioniert und bieten günstigen Wohnraum.

Die Baustelle


Weil er viele Schlaglöcher aufweist, erhält der Berkersheimer Weg zwischen Homburger Landstraße und Fliederweg bis zum Ende der Sommerferien eine neue Fahrbahndecke. Der Busverkehr steht daher mancherorts im Stadtteil still. Jener Erdhaufen wartet seit ein paar Wochen auf seine Beseitigung. Ab 14. August, rechtzeitig zum Schulbeginn, sollen die Busse wieder fahren.

Ein Hingucker


Einen neuen architektonischen Lichtblick gibt es mit dem Gemeindehaus der evangelischen Bethaniengemeinde im Wickenweg. Erst Mitte Juni wurde das Gebäude eingeweiht. Die katholischen Christen haben ihr Domizil an der Homburger Landstraße. Der Kirchort Allerheiligste Dreifaltigkeit gehört zur Pfarrei Sankt Franziskus mit Hauptsitz in Eschersheim.

Im Hochhaus daheim


Klaus Krieg (59) wohnt in einem der Hochhäuser auf dem Frankfurter Berg. Er denkt nicht daran, den Stadtteil zu verlassen, verweist aber auch auf die Probleme am Frankfurter Berg: „Wir brauchen hier wieder eine Kneipe, die die Gemeinschaft im Stadtteil fördert. Auch muss etwas gegen die Drogendealer im Viertel getan werden, auch wenn es in letzter Zeit etwas besser geworden ist.“

Das Kunstwerk


Neben dem Netto-Supermarkt im Berkersheimer Weg wurde für die Bürger im Stadtteil eine Sitzecke geschaffen. Das Kunstwerk, das aussieht wie ein gigantisches Stück Knete, wird auf dem Frankfurter Berg jedoch nicht stark frequentiert. Viele sehen darin nicht mehr als einen Dreckfänger.

Das Neubaugebiet


Das Hilgenfeld ist das Neubaugebiet am Rande des Stadtteils. Rund 800 Menschen wohnen derzeit hier. Vor zehn Jahren wurde die Besiedelung begonnen. In den kommenden Jahren sollen hier weitere 850 Wohneinheiten für etwa 2200 Bewohner entstehen. Geplant ist, mit der Bebauung 2019 zu beginnen. Bauherr ist die städtische Wohnungsgesellschaft ABG Holding.