11.11.2017 03:00 | Muriel Larissa Frank

Interview: Gästeführer für Frankfurt: "Ein Geheimtipp sind die Innenhöfe"

Früher verdiente Mikael Horstmann seine Brötchen im Hotelgewerbe. Heute führt der 42-Jährige Touristen und Einheimische durch die Mainmetropole. Volontärin Muriel-Larissa Frank hat mit dem passionierten Gästeführer über seine Liebe zu Frankfurt, nervige Touristen und schwarze Schafe in der Branche gesprochen.

Mikael Horstmann alias „Herr Mika“ führt regelmäßig Touristen wie Einheimische durch Frankfurt.
Mikael Horstmann alias „Herr Mika“ führt regelmäßig Touristen wie Einheimische durch Frankfurt. Bild: Rainer Rüffer

Herr Horstmann, Sie sind gebürtiger Frankfurter, kennen die Stadt wie Ihre eigene Westentasche. Wird es da nicht langweilig, Touristen immer wieder die gleichen Geschichten erzählen zu müssen?

MIKAEL HORSTMANN: Ganz und gar nicht. Weil ich das auch nicht tue. Als Gästeführer bereiten wir regelmäßig neue Themen auf, historische wie architektonische, kulinarische wie literarische. Anders als in den meisten Städten nehmen in Frankfurt am Main viele Einheimische unsere Angebote wahr. Und das teilweise so regelmäßig, wie andere ins Theater oder Museum gehen.

Allerdings benehmen sich die Gäste nicht immer so, wie sie sollten. Was haben Sie bei Ihren Touren schon erlebt?

HORSTMANN: Von Pöbeleien über rassistische oder antisemitische Beleidigungen war schon alles dabei. Kritisch sind vor allem Junggesellenabschiede, bei denen sich die Teilnehmer kräftig betrinken. Da bleibt manchmal nur, die Tour abzubrechen.

Das ist schon vorgekommen?

HORSTMANN: Ja. Manch ein Kollegen weigert sich, Junggesellenabschiede anzunehmen.

Aber Sie machen Ihren Job schon noch gern?

HORSTMANN: Klar. Ich frage mich sogar, warum ich nicht früher Gästeführer geworden bin. Wer Frankfurt so liebt wie ich, dem macht es unheimlich viel Spaß, Menschen die Stadt zu zeigen. Vor allem die unbekannten Seiten.

Welche zum Beispiel?

HORSTMANN: Ein Geheimtipp sind die Innenhöfe, die sich vom Eisernen Steg bis hin zur Konstabler Wache ziehen. Sie sind, und das wissen die Wenigsten, frei zugänglich. Dort finden sich alte Brunnen, Kunst am Bau und sogar Cafés.

Wie wird man Gästeführer? Kann das jeder machen, der seine Stadt liebt?

HORSTMANN: (lacht) Prinzipiell, ja. Wer will, kann heute inserieren und morgen als Gästeführer loslegen. Wer es allerdings professioneller angehen will, lässt sich richtig ausbilden. Dazu gehören dann 50 bis 100 Stunden, in denen dem angehenden Gästeführer Grundwissen über seine Stadt vermittelt werden. Dann merkt sogar ein gebürtiger Frankfurter, dass er nur einen Bruchteil über seine Stadt weiß. Das Gelernte wird sowohl schriftlich als auch mündlich abgefragt. Außerdem muss der Gästeführer seine praktischen Qualitäten unter Beweis stellen.

Das heißt?

HORSTMANN: Es wird geprüft, wie er seine Stimme, seine Mimik und Gestik einsetzt. Wem die Grundausbildung übrigens noch nicht reicht, kann noch eine Drei-Sterne-Ausbildung dranhängen. Sie umfasst insgesamt 600 Stunden Fortbildung.

Und dann ist man ein guter Stadtführer?

HORSTMANN: Nicht notwendigerweise. Es gibt immer mal schwarze Schafe. Das kann auch eine Ausbildung nicht garantieren. Allerdings sorgt sie dafür, dass ein gewisser Grundstandard eingehalten wird.

Was macht einen guten Gästeführer eigentlich aus?

HORSTMANN: Dass er viel weiß, es aber nicht zeigt. Dass er seine Gruppe charmant und natürlich durch die Stadt lotst. Und dass er ihr das Schöne zeigt, das Unschöne aber nicht ausklammert.

Wenn Sie mal nicht als Gästeführer unterwegs sind, wo findet man Sie?

HORSTMANN: Vermutlich im Garten der Justinuskirche in Höchst, einem verwunschenen, stillen, ja herzergreifenden Ort.

 

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