11.11.2017 03:00 | Matthias Gerhart

Prozess: Häftling bedroht Richterin: 400 Euro Strafe

Frankfurt Wegen gefährlicher Körperverletzung wurde ein 36 Jahre alter Mann zu neuneinhalb Jahren Haft verurteilt. Gestern kamen noch satte 80 Tagessätze zu je fünf Euro dazu – der inhaftierte Mann hatte nach Überzeugung des Amtsgerichts aus dem Knast heraus Todesdrohungen gegen die Vorsitzende der Schwurgerichtskammer ausgestoßen.

Wegen seiner schweren Schizophrenie muss ein Mörder hinter Schloss und Riegel (Symbolbild).
Symbolbild

Zunächst hatte sich ein 36 Jahre alter Mann Anfang 2015 wegen eines versuchten Tötungsdelikts vor der Schwurgerichtskammer zu verantworten. Heraus kam am Ende zwar „nur“ gefährliche Körperverletzung, die den Richtern aber immerhin eine Haftstrafe von neuneinhalb Jahren wert war. Es ging unter anderem um einen Macheteneinsatz im Nordwestzentrum.

Über die harte Strafe war der Verurteilte offenbar derart erbost, dass er in der Haftanstalt diverse Zeitungsartikel über anderweitige Verurteilungen sammelte, die er mit handschriftlichen Anmerkungen versah, in einen Umschlag steckte und an das Landgericht schickte. Die Vorsitzende Richterin der Kammer war über die plötzlich auftauchende Post wenig angetan. „Ich töte dich“, war an den Zeitungsrändern zu lesen, auch: „S., du bist die nächste“.

Spurensuche

Auch wenn von dem Häftling selbst keine Gefahr ausging, nahm man bei Justizvollzug und Gericht die Sache sehr ernst und startete umfangreiche Ermittlungen. Die Zelle wurde auf den Kopf gestellt und mehrere Sachverständige eingeschaltet, die die Fingerspuren an dem Papier sowie die Handschrift des anonymen Schreibers unter die Lupe nahmen. Es lief schnell auf den Angeklagten hinaus – in seiner Zelle befanden sich weitere Zeitungsausschnitte und ein Taschenkalender enthielt die Namen diverser Richter, darunter auch den der Kammervorsitzenden.

Der mutmaßliche Schreiber aber blieb dabei, dass ein anderer wohl für die grantige Post verantwortlich gewesen sei. Einer, der von der Richterin ebenfalls zu einer harten Haftstrafe verurteilt worden sei und mit ihr deshalb noch ein Hühnchen zu rupfen gehabt habe. Der Amtsrichter musste in der Beweisaufnahme also alle Zeugen plus Gutachter aufbieten – auch die betroffene Richterin musste im Zeugenstand auszusagen. Auch wenn sie mit Schwerkriminellen vertraut ist, merkte man ihr doch eine gewisse Betroffenheit an. Mit dem Tod will sich niemand in dieser Form konfrontieren lassen. Die wichtigsten Ausführungen machten jedoch die Gutachter. Eine Spurenexpertin konnte die Täterschaft weiterer möglicher Urheber ausdrücklich ausschließen und fand gleichzeitig mehrere Abdrücke an den entsprechenden Papieren, die auf den Angeklagten hinwiesen.

Zusätzliche Strafe

Am Ende lief es auf seine Verurteilung hinaus. Die Staatsanwältin konnte sich mit ihrer Forderung nach acht Monaten zusätzlicher Haft zwar nicht durchsetzen, doch auch der Richter sah ausreichend Beweise für die Verurteilung zu einer Geldstrafe, die der Angeklagte auch in Form von achtzig zusätzlichen Hafttagen verbüßen kann.

Kommentare

  • hoff. gibt es keinen bandog-bonus
    geschrieben von igeligel (189 Beiträge) am

    das wäre dann doch der weltuntergang

  • Derartige Erfahrungen müssten die Juristen nicht machen
    geschrieben von bandog (529 Beiträge) am

    .....wenn sie beizeiten eine entsprechend harte Linie gegen solche Gewalttäter gefahren hätten.
    Doch die Kuscheljustiz der letzten 3 Dekaden hat letztlich mittelbar auch den Tod der Richterin Heisig zur Folge gehabt.
    Und zwar durch Täter, die um einiges intelligenter sind und noch skrupelloser als im vorliegenden Fall.

    Kein Verbrecher sollte sich sicher sein, mit Überheblichkeit, Skrupellosigkeit, Migrantenbonus und purer Brutalität hier auch nur einen Schritt weiter zu kommen in diesem Land. Es darf bei einem Kapitalverbrechen nicht mehr relevant sein, ob er als Baby zu heiß gebadet wurde oder sich besoffen hat. Derartig verschobene Maßstäbe führen zu einer Verzerrung der öffentlichen Rechtswahrnehmung. Gerade bei Kriminellen.



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