02.02.2017 03:30 | Günter Murr

Wolfgang Heubner: Kritik an geplanter Ehrenbürger-Würde: "Petra Roth hat Frankfurt geschadet"

Die frühere Oberbürgermeisterin Petra Roth soll Frankfurter Ehrenbürgerin werden - so will es eine breite Mehrheit im Stadtparlament. Wolfgang Heubner, einer der Sprecher der Bürgerinitiative Sachsenhausen (BIS) gegen Fluglärm, hält davon nichts, wie er im Gespräch mit FNP-Redakteur Günter Murr erläutert.

Wolfgang Heubner ist gegen eine Ehrung Petra Roths.
Wolfgang Heubner ist gegen eine Ehrung Petra Roths. Bild: Salome Roessler

Was haben Sie gegen Frau Roth?

WOLFGANG HEUBNER: Aus meiner Sicht hat Frau Roth nichts Außergewöhnliches für Frankfurt erbracht. Sie ist mit dafür verantwortlich, dass wir heute große Probleme bei der Wohnraumbeschaffung haben. Die Befürwortung des Baus der Nordwestlandebahn hat Frankfurt neben den massiven Lärm- und Schadstoffbelastungen weitere Nachteile gebracht. Wir haben dadurch im Süden der Stadt Siedlungsbeschränkungsgebiete und können weitere Wohngebiete nicht mehr ausweisen.

Aber über den Flughafenausbau hat Frau Roth ja nicht alleine entschieden.


Artikel mit Diashow!Petra Roth: Stationen ihrer Amtszeit

HEUBNER: Aber sie hat 2005 und 2007 ihr Veto gegen Beschlüsse und Einwendungen des Stadtparlaments eingelegt, die sich gegen den Antrag der Fraport auf Planfeststellung bezogen. Somit hat Frankfurt den Anspruch auf Schadensersatzforderungen gegenüber Fraport für passiven Schallschutz an vielen Schulen, Kitas, Pflegeeinrichtungen und einigen Krankenhäusern verwirkt. Heute müssen wir feststellen: Die Landebahn ist gar nicht notwendig, denn wir haben heute mehr als 30 000 Flugbewegungen weniger als 2007 bei drei Start- und Landebahnen. Auch die Pünktlichkeit hat sich durch die Landebahn nicht verbessert.

Was hätte Frau Roth tun sollen? Es gab ja keine politischen Mehrheiten gegen den Flughafenausbau.

HEUBNER: Sie hätte ohne Weiteres gegen die Variante Nordwest stimmen können. Dann wäre es auch im Landtag viel schwieriger gewesen, diese durchzusetzen. Sie aber hat sich für die Nordwestvariante entschieden, die gegen Frankfurter Interessen ist, und wir spüren das massiv. Es kann nicht sein, dass jemand, der gegen das Gemeinwohl der Stadt handelt, dafür auch noch geehrt wird.

Frau Roth hat sich ja nicht nur mit dem Flughafen befasst. Sehen Sie keine anderen Leistungen?

HEUBNER: Die Ehrenbürgerwürde ist für mich ein sehr hohes Gut. Wir müssen trennen zwischen dem Amt, das jemand führt, und den darüber hinausragenden, besonderen Leistungen. Die sehe ich bei Frau Roth nicht. Sie hat die Stadt gut repräsentiert, aber das ist auch die Aufgabe einer Oberbürgermeisterin. Hingegen haben die beiden Ehrenbürger Trude Simonsohn und Friedrich von Metzler Herausragendes für die Stadt geleistet.

Eine Petition im Internet gegen die Ehrenbürgerschaft für Petra Roth wurde bisher von 345 Personen unterschrieben. Warum lassen sich nicht mehr Menschen mobilisieren?

HEUBNER: Es sind noch Listen im Umlauf, da werden noch viele Unterschriften zusammenkommen. Aber die Unterschriftsaktion ist noch voll am Laufen. Eine Massenbewegung wird es nicht, aber wenn man die Bürger aus dem Frankfurter Süden fragt, sagen alle, dass sie sich eine Ehrenbürgerin Petra Roth nicht vorstellen können.

Sie ist drei Mal mit deutlicher Mehrheit gewählt worden. Das zeigt doch, dass sie Rückhalt in der Bevölkerung hatte.

HEUBNER: Das lag aber auch daran, dass sich die Sozialdemokraten selbst zerfleischt haben. Deshalb gab es keine wirkliche Alternative.

Macht es Peter Feldmann besser als Petra Roth?

HEUBNER: Das, was ich bisher weiß und erfahren habe, deutet alles darauf hin. Er kümmert sich intensiv um die Interessen der Bürger, insbesondere auch die des Frankfurter Südens, und sagt, es müsse wieder leiser werden.

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Kommentare

  • "Handlangerpreis" der Flugverkehrswirtschaft wäre angemessen
    geschrieben von Ralf_Baumann (6 Beiträge) am 07.02.2017 15:31

    Wer die lärmgeplagten Menschen, ohne deren Lebensumstände zu kennen, mit der Bemerkung "jeder habe das demokratische Recht zum Wegziehen." abkanzelt, hat diese Auszeichnung absolut nicht verdient. "Handlangerpreis" der Flugverkehrswirtschaft wäre angemessen.

  • Kritik an geplanter Ehrenbürger-Würde: "Petra Roth hat Frank
    geschrieben von sieglinde_lackner (125 Beiträge) am 03.02.2017 16:12

    Sehr geehrte Damen und Herren,
    Petra Roth hat der Stadt geschadet?! - Das kann doch wohl nicht wahr sein! Obgleich sie gebürtige Bremerin ist, setzte sie sich mehr als genug für Frankfurt ein! Lebte voll und ganz mit der Stadt - so als ob sie eine echte Frankfurterin ist! Ich unterstütze voll und ganz, dass sie Ehrenbürgerin dieser Kommune wird! Frankfurt ist um ein vieles bunter, lebendiger geworden unter der Regentschaft von Petra Roth! Ehrenbürgerin zu werden soll eine Krönung ihrer enormen Leistungen sein! Bitte diesem Vorhaben zustimmen! Notabene: wir alle haben Fehler auf dieser Welt; nicht nur sie! Warum also neidisch auf diese erhabene Dame?!
    Sieglinde Lackner Bad Soden Taunus
    3.2.17

  • Petra Roth Ehrenbürgerin der Stadt Frankfurt
    geschrieben von Lothar1955 (27 Beiträge) am 02.02.2017 19:19

    Wenn ich diese Flughafenausbaugegner höre dann könnte es mir schlecht werden . Wenn ich diesen PVPV der gegen alles ist höre dann könnte ich kotzen und wenn ich unseren OB Feldmann höre dann sollte man einmal nachdenken das man für das Wohl der Stadt Frankfurt und nicht gegen diese regieren sollte. Da war eine Petra Roth eine andere. Die hat in den Jahren ihrer Regierung zum Wohle der Stadt gearbeitet. Da könnte sich unser OB eine Scheibe sich abschneiden. Nun klar es gibt Menschen die gegen alles sind und meinen ein Thema macht es aus um einen Menschen zu beurteilen. Deshalb sag Ja zu FRA und zur Petra Roth.

  • Wo ist die Unterschriftenliste für Frau Roth ?
    geschrieben von M.E. (1 Beiträge) am 02.02.2017 15:09

    Ich muss mal eines klarstellen. Ich wohne im Süden von Frankfurt und zwar in Oberrad - und das schon mein ganzes Leben und bin kein Flughafengegner (lt. Aussage von Herrn Heubner müsste ich das ja sein). Frau Roth nur über den Flughafen zu definieren finde ich doch sehr einseitig. Man sollte nicht vergessen, was sich in Frankfurt während der Amtszeit von Frau Roth alles positiv entwickelt hat. Und den meisten Bürgern hat es seinerzeit gefallen, sonst wäre sie nicht mit solchen Mehrheiten wiedergewählt worden.
    Schade, dass sich immer nur Personen zu Wort melden und auch gehört werden, die gegen etwas oder jemanden sind. Ich bin für Frau Roth als Ehrenbürger, vielleicht hört man da ja auch mal hin.

  • Peter Feldmann“…Das, was ich bisher weiß und erfahren habe,
    geschrieben von Moomendemal (22 Beiträge) am 02.02.2017 14:37

    deutet alles darauf hin. Er kümmert sich intensiv um die Interessen der Bürger…“

    Hl. Mutter, wer glaubt denn noch an sowas?
    Der Job eines Oberbürgermeisters in Frankfurt ist es NICHT, sich um die Belange der Bürger zu kümmern sondern zu schauen, dass die Pründe richtig verteilt werden und das die jeweiligen Klientel nicht zu kurz kommen.

    Wohnen, Schulen, der ÖPNV, Vermüllung, die Themen in Frankfurt reichen für zehn Leben eines OB’s und genau deswegen werden die Themen nicht angepackt. Das reist der OB lieber mit dem Wirtschaftsminister des Landes Hessen nach London und kümmert sich um ungelegte Eier und darum, dass die Londoner Investmentbanker adäquaten Wohnraum vorfinden, wenn es soweit ist. Der Rest: bleibt auf der Strecke.

    Ps. Ich und viele andere, wir wohnen an der innerstädtischen, sechsspurigen Miquelallee. Sonntagsnachmittags auf dem Balkon bei Kaffee und Kuchen, unsere Träume sind längst andere.



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