13.10.2017 03:30 | Judith Dietermann

Stadtteilpolitiker Rachid Rawas: Lidl-Wiedereröffnung: Politiker setzt sich für guten Zweck an die Kasse

Ginnheim Seit gestern hat der Lidl in der Platensiedlung wieder geöffnet. Vier Wochen lang wurde der Discounter aufgehübscht – innen und außen. Zur Wiedereröffnung setzte sich der stellvertretende Ortsvorsteher Rachid Rawas an die Kasse – 500 Euro strich er so für die Begegnungsstätte Anne Frank ein.

Drei Monate lang wurde der Discounter in der Platensiedlung umgebaut.
Drei Monate lang wurde der Discounter in der Platensiedlung umgebaut. Bild: Rainer Rüffer

Binnen weniger Minuten hat Rachid Rawas den Dreh raus: Mit der rechten Hand greift er nach der auf dem Band langsam anrollenden Ware, zieht den Strichcode auf der Verpackung über den Scanner, nimmt das Produkt in die linke Hand und lässt es in den Einkaufswagen der Kundin plumpsen. So als hätte er nie etwas anderes gemacht. Dabei gehört die Arbeit als Kassierer sonst nicht zu den Aufgaben des stellvertretenden Ortsvorstehers.

Trotzdem hat er auf dem blauen Stuhl an der Kasse des Lidl-Discounters Platz genommen. Allerdings nur für eine halbe Stunde, zudem darf er das eingenommene Geld für einen guten Zweck spenden. Zur Wiedereröffnung des Marktes hat sich Rawas dazu überreden lassen. „Ich gehe ja selber hier einkaufen, ich weiß wie wichtig der Markt für die in der Platensiedlung lebenden Menschen ist“, sagt der Stadtteilpolitiker.

Umsatz ankurbeln

Zwischen die an Rawas Kasse wartenden Kunden, hat sich Meron Mendel, Leiter der Bildungsstätte Anne Frank, geschmuggelt. Nicht ganz uneigennützig soll das von Rawas kassierte Geld doch an die Einrichtung fließen. Auf Wunsch des Stadtteilpolitikers. Mineralwasser, Müsli- und Schokoladenriegel legt Mendel aufs Band. „Natürlich will ich den Umsatz ein bisschen ankurbeln, ich möchte aber meinen Kollegen auf der Buchmesse noch etwas Gutes tun. Dort muss ich gleich noch hin“, sagt Mendel und tütet seine Einkäufe ein.

Drei Monate lang war der Discounter in der Platenstraße eine Baustelle, zunächst wurde angebaut, dann umgebaut. Vier Wochen war er geschlossen, die Kunden mussten auf andere Märkte ausweichen. „Der nächste Supermarkt ist im Norden der Siedlung. Das ist ein weiter Fußweg. Wir brauchen den Discounter. Vor allem, wenn die Platensiedlung nachverdichtet wird“, betont Rachid Rawas.

Der überzeugt jetzt mit 1 199 Quadratmetern Verkaufsfläche, breiteren Gängen, höheren Decken und frisch gebrühtem Kaffee direkt am Eingang. Zudem wurde das Farbkonzept verändert – statt Blau ist jetzt Grau die Farbe der Discounter. 17 Mitarbeiter sind in der Filiale in Ginnheim beschäftigt, geplant sind sieben weitere Stellen. Ohnehin soll der Standort Frankfurt künftig erweitert werden, zu den aktuell 20 Filialen sollen weitere hinzukommen, erklärt Ann-Christin Weinert, Immobilienmanagerin bei Lidl. Aber zunächst würden die bereits bestehenden attraktiver gestaltet – wie die in Ginnheim und auf dem Riedberg. Auch letzterer wurde gestern wieder eröffnet.

Weg vom Billig-Image

„Filialkonzept 2017“ kurz „FK 17“ nennt der Lidl-Konzern den Umbau, der zunächst viel größer geplant war. Drei Milliarden Euro sollten in die rund 3 200 Filialen in Deutschland gesteckt werden und mit Kundentoiletten und Wickel-ecke, mehr Licht und Glas das Billigladen-Image vergessen machen. Doch im März kam dann die Nachricht: Der Konzern ruderte zurück, das Umbau-Konzept wurde abgespeckt, nicht mehr alle Filialen standen auf der Liste. „Flexibles Filialkonzept“ nennt Lidl das.

„Wie auch immer, ich bin einfach froh, dass der Discounter endlich wieder offen ist“, sagt Rachid Rawas und bittet zur Kasse. 109 Euro hat er eingenommen, Lidl rundet auf 500 Euro auf. „Das können wir gerne öfters machen“, hat Rawas der neue Job durchaus Spaß gemacht.

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