14.11.2017 03:30 | Günter Murr

Wohnungsmarkt: Makler: Die Mieten in Frankfurt stagnieren

Frankfurt Seit Jahren steigen die Mieten in Frankfurt überdurchschnittlich. Doch jetzt hat der Immobilienverband Deutschland erstmals eine Stagnation festgestellt. Die Stadt aber sieht keinen Grund zur Entwarnung und will weiterhin mehr Bauland ausweisen.

Baubeginn U-Bahn Linie U5  am 21. September 2017,im Europaviertel in Frankfurt
Nach Erkenntnissen von Experten stagnieren die Mieten in Frankfurt. Eine Ausnahme sind hochwertige Neubauwohnungen, wie sie im Grand Tower im Europaviertel entstehen. Bild: BERNDKAMMERER@GMX.NET (.)

Wer derzeit in Frankfurt eine Mietwohnung in zentraler Lage sucht, findet kaum Angebote für weniger als 12 Euro pro Quadratmeter. Günstiger wird’s nur, wenn man die Suche in Richtung Stadtrand erweitert. Im Durchschnitt kostet eine nach 1949 errichtete Wohnung in mittlerer Lage nach Angaben des Immobilienverbands Deutschland (IVD) derzeit 10 Euro pro Quadratmeter. Das ist nicht mehr als im vergangenen Jahr. „In Metropolen wie Frankfurt, Stuttgart oder Düsseldorf stagnieren die Mieten“, stellt der Verband fest, der unter anderem Makler, Hausverwalter und Bauträger vertritt. Noch im Jahr zuvor hatte der IVD einen Anstieg der Mieten um 2,27 Prozent festgestellt.

Preisstabilität stellt der Verband für 2017 auch bei den besonders begehrten Altbauwohnungen fest. „Betrachtet man das Mietniveau in den zehn größten Städten inflationsbereinigt, so zeigt sich, dass es keine Belege für explodierende Mieten gibt“, sagt IVD-Präsident Jürgen Michael Schick. Nur bei Neubauwohnungen stellen die Immobilienexperten keine Preisstabilität fest. In diesem Segment sind die Mieten in Großstädten wie Frankfurt im Schnitt um 3,7 Prozent gestiegen. Verantwortlich dafür sind nach Angaben des IVD vor allem die besonders hochwertigen Wohnungen, die überdurchschnittlich teurer geworden sind. Dagegen seien die Preise im mittleren Segment nur moderat gestiegen.

„Keine Trendwende“

Jürgen Conzelmann, Vorsitzender des Eigentümerverbands Haus und Grund Frankfurt, teilt die Einschätzung des IVD. „Es ist eine gewisse Sättigung erreicht“, sagte er im Gespräch mit dieser Zeitung. „Wir stellen fest, dass vor allem die Mieten in den guten und besseren Lagen stagnieren.“ Das sei auch aus Sicht der Eigentümer zu begrüßen. „Die Mieten haben eine Größenordnung erreicht, die in Ordnung ist.“ Eine Trendwende hin zu sinkenden Preisen sieht er jedoch nicht. „Dazu wird zu wenig gebaut.“ Es müssten nicht nur bestehende Siedlungen nachverdichtet, sondern auch zusätzliche Bauflächen in Außenbereichen geschaffen werden.

In diesem Punkt ist sich Conzelmann einig mit dem Mieterschutzverein Frankfurt. Dessen Geschäftsführer Rolf Janßen sieht in der Stagnation der Mieten zwar ein „gutes Signal“, aber keinen Grund zur Entwarnung. „Denjenigen, die eine Wohnung suchen, hilft das nicht viel.“ Die Mieten hätten ein so hohes Niveau erreicht, dass sie für viele nicht mehr bezahlbar seien.

Janßen geht nicht davon aus, dass die vom IVD festgestellte Stagnation auf die in Frankfurt seit 2015 gültige Mietpreisbremse zurückzuführen ist. Diese spiele in der Praxis so gut wie keine Rolle. „Wir hatten nur einen einzigen Fall in unserer Beratung.“ Die meisten Mieter trauten sich nicht, nach der vorherigen Miete zur fragen, weil sie wüssten, dass sie dann schlechte Chancen haben, die Wohnung zu bekommen.

Brexit verschärft Situation

In den kommenden Jahren könne sich die Situation wieder verschärfen, fürchten Rolf Janßen. „Nach dem Brexit kommen Mieter, die sich höhere Preise leisten können.“ Es würden nach wie vor zu wenige Wohnungen gebaut.

Auch beim städtischen Planungsdezernat sieht man derzeit keine Anzeichen für eine Entspannung des Wohnungsmarkts oder eine Stagnation der Mieten. „Wir haben andere Erkenntnisse“, erklärt Mark Gellert, Sprecher von Planungsdezernent Mike Josef (SPD), auf Nachfrage. „Die Nachfrage nach Wohnungen ist weiterhin hoch und das Angebot knapp.“ Deshalb sei es nötig, mehr Wohnbauland auszuweisen.

Hingegen sieht die für den Wohnungsbau zuständige hessische Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) die Daten des IVD als Beleg dafür, dass die „Förderprogramme des Landes anfangen zu wirken“. Die erfreuliche Entwicklung dürfe aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es noch viel zu tun gibt. Das Land werde die Kommunen „noch stärker dabei unterstützen, Flächen für die benötigten neuen Wohnungen zu finden und zu erschließen“.

Exaktere Erkenntnisse über die Entwicklung der Mieten wird der neue Mietspiegel liefern, für den derzeit die Datenerhebung läuft. Dabei werden die Mieten berücksichtigt, die in den vergangenen vier Jahren verändert wurden. Nach den Plänen des städtischen Wohnungsamtes soll das neue Zahlenwerk im Juli nächsten Jahres veröffentlicht werden.

Kommentare

  • Überhitzung könnte Bauboom gefährden
    geschrieben von Seckberry (371 Beiträge) am

    Schwerpunktmäßig profitiert die Stadt Frankfurt von der Nullzinspolitik der EZB, durch die Verbraucher und Unternehmer billiger an Geld kommen.

    Das stärkt enorm die Investitionsbereitschaft und da die Zinsen laut EZB-Chef Draghi noch lange niedrig bleiben, drängt das günstige Geld auch in den Wohnungsbau und zettelt dort möglicherweise eine sogenannte Überauslastung an.

    Sehr günstige Hypothekenkredite fachen aus dieser Sicht die Immobiliennachfrage an und mitnichten der Mangel an Wohnraum, denn vom Josef'schen Bauboom profitiert die Wirtschaft insgesamt und lässt die Preise für Wohnimmobilien in Frankfurt zum Teil extrem steigen.

    Gewiss wird die Gefahr einer Immobilienblase selbst von amtlichen Gutsachterausschüssen noch geflissentlich "übersehen".

    Schließlich sollen bis dahin noch Investorenträume wie Pilze in "heißen Feuchtgebieten" aus dem teils mit Altlasten kontaminierten Frankfurter Baugrund schießen können, mit dem beschönigenden Vorwand, Wohnungsmangel beheben zu wollen.

  • Nachfrage nach "bezahlbarer Wohnraum" eindämmbar ?
    geschrieben von Seckberry (371 Beiträge) am

    Schade, dass bis zur Veröffentlichung des neuen Mietspiegels im Juli 2018 abgewartet werden muss, um die Entwicklung der Mieten erfahren und damit die Frage beantworten zu können, ob denn überhaupt neuer Wohnraum in Frankfurt gebaut werden muss.

    Kann die Nachfrage mit überhohen Mietpreisen in "babylonischen" Wohn-"Türmen" gedeckelt werden, müsste mit dem auf diese Weise generierten Nachfragerückgang auch der Frankfurter Grünland-Besitzstand unangetastet bleiben können.

    Dann wäre auch folgende Volksinitiative überflüssig:

    "Ich fordere Bürgerschaft und Stadtverordnetenversammlung auf, darauf hinzuwirken, den Anteil des Grüns in Frankfurt zu erhalten, wobei das Grün der gesamten gemeinsamen Fläche von Grünanlagen, Kleingärten, Friedhöfen, Parkanlagen, Naturnahen Landschaften, Wäldern, landwirtschaftlichen Kulturlandschaften sowie Gewässerlandschaften und Auenentwicklungsbereichen entspricht und der Anteil sich auf die Gesamtfläche Frankfurts zum Stichtag 01.06.2018 bezieht."

  • Nun @seckberry
    geschrieben von PVPV (352 Beiträge) am

    Ist die Immobilienblase geplatzt, holt die Immobilienmafia diesen Joker aus der Tasche.

    http://m.fnp.de/lokales/frankfurt/Zahl-der-Fluechtlinge-in-Frankfurt-steigt-weiter;art675,2824585

    Es muss weiter gehen mit dem Bauboom.

    Also doch Bürgerentscheide und Bürgerbegehren um etwas Stadtgrün zu erhalten?

    Eventuell bekommt man mit einem Brexitbanker noch
    0,2 Flüchtlinge dazu (Verteilungsschlüssel)

    Das Land verödet weiter.

    Dann ist die Welt wieder in Ordnung für die Investoren. The show must go on.

  • Politisches Korrektiv Volksbegehren ?
    geschrieben von Seckberry (371 Beiträge) am

    Aus Mitgefühl mit wohnungslosen Einheimischen, anerkannten Flüchtlingen und/oder EU-Binnenzuwander*innen wird der soziale Wohnungsbau in unserer neoliberal geordneten Gesellschaft nicht elementar reanimiert werden, der Immobilien-Blowjob nicht reguliert und das Frankfurter Grün nicht tendenziell gerettet oder gar zurückgeholt werden.

    Vielleicht ergibt sich mit der Reform der seit 70 Jahren unveränderten Hessischen Verfassung mit den vorgesehenen, deutlich erleichterten Volksbegehren in der Wahlperiode ab 2018 ein Ansatz, entschiedener Druck auf die jeweiligen politischen Ebenen ausüben, sprich dort deutlich mehr Verantwortung in der ökologisch nachhaltigen, sozialen Wohnungsbaupolitik einfordern zu können.

    Gemäß ausverhandelter Reform-Eckpunke können bei Inkrafttretung der neuen Verfassung fünf Prozent der Wahlberechtigten per Unterschrift ein Volksbegehren initiieren und bei der entsprechenden Abstimmung mit mindestens 25 Prozent Wahlbeteiligung auf den Umsetzungsweg bringen.

  • "Geräumter Markt" ?
    geschrieben von Seckberry (371 Beiträge) am

    In einer freien Marktwirtschaft regele die Nachfrage den Gleichgewichtspreis, so wird hierzulande gerne kolportiert.

    Der Marktpreis stelle sich nur ein, wenn Angebot und Nachfrage übereinstimmten.

    Wenn der Preis z.B einer Wohnung zu hoch sei, sinke automatisch die Nachfrage.

    Ausnahme seien beispielsweise Luxuswohnungen, die in Frankfurt en masse auf den Markt geworfen werden.

    Haus und Grund-Vorsitzender Conzelmann konstatiert eine Sättigung des Wohnungsmarktes, womit wohl ein Angebot- und Nachfrage-Gleichgewicht gemeint ist.

    Planungsdezernent Josef (SPD) sieht dagegen "die Nachfrage nach Wohnungen weiterhin hoch und das Angebot knapp."

    Die extrem widersprüchlichen Aussagen machen unsereins Laien-Artisten in der Zirkuskuppel ratlos.
    Wird nun zu viel bezahlbarer Wohnraum gebaut, der die für Privat-Investoren günstigen Hochpreise kaputt macht?

    Oder sind die Höchstpreise als Instrument geeignet, die Nachfrage derart sinken zu lassen, dass g



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