14.09.2017 03:30 | Christian Scheh

Neue Schwerpunkteinheit zählt gut 120 Beamte: Mehr Polizei fürs Bahnhofsviertel

Frankfurt Im Kampf gegen die Drogen- und Straßenkriminalität im Bahnhofsviertel verstärkt die Landespolizei abermals ihr Engagement: Im Oktober soll eine neue Schwerpunkteinheit mit gut 120 Polizisten ihre Arbeit aufnehmen. Hessens Innenminister Peter Beuth (CDU) sprach von der „hessenweit größten operativen Dienststelle“ – und forderte die Partner der Landespolizei auf, ihre Anstrengungen ebenfalls zu verstärken.

Seit November 2016 machte die Landespolizei im Bahnhofsviertel – hier ein Foto aus der Taunusstraße – 53 000 Personenkontrollen. Foto: dpa
Seit November 2016 machte die Landespolizei im Bahnhofsviertel – hier ein Foto aus der Taunusstraße – 53 000 Personenkontrollen. Foto: dpa Bild: Boris Roessler (dpa)

Wie geht es im Frankfurter Bahnhofsviertel nach der Auflösung der Besonderen Aufbauorganisation (BAO) weiter? Das war die bange Frage, die sich in den vergangenen Wochen viele Anwohner und Geschäftsleute im Stadtteil stellten. Die Landespolizei hatte die BAO mit 100 zusätzlichen Beamten im November 2016 im Kampf gegen die immer aggressivere Drogendealerszene am Hauptbahnhof gegründet. Dass die zeitlich befristete BAO nach ihrer Auflösung durch eine neue, dauerhafte Dienststelle ersetzt werden soll, hatte der hessische Innenminister Peter Beuth (CDU) zwar im Juni im Montagsinterview mit dieser Zeitung angekündigt. Viele Menschen aus dem Bahnhofsviertel befürchteten aber, dass sich die Polizeipräsenz angesichts der knappen personellen Ressourcen verringern wird.

Gestern schaffte Staatsminister Beuth diese Befürchtung ein für allemal aus der Welt: Bei einem Termin im Frankfurter Polizeipräsidium verkündete er, dass die hessische Landespolizei ihr Engagement im Bahnhofsviertel keineswegs reduzieren, sondern noch deutlich verstärken wird. Konkret stellte Beuth zusammen mit dem Landespolizeipräsidenten Udo Münch und dem Frankfurter Polizeipräsidenten Gerhard Bereswill das Konzept für eine neue „Schwerpunkteinheit Bahnhofsgebiet“ vor.

In der „hessenweit größten operativen Dienststelle“ sollen vom 1. Oktober an genau 124 Polizisten arbeiten. Für gezielte Maßnahmen wie zum Beispiel Großkontrollen sollen die Beamten „mehrmals wöchentlich“ von 30 zusätzlichen Bereitschaftspolizisten unterstützt werden. Außerdem sollen als Kontaktbeamte für Anwohner und Geschäftsleute zwei „Schutzmänner vor Ort“ hinzukommen.

Beuth sagte, dass das 4. Revier mit seinen 115 Polizisten „vollumfänglich“ erhalten bleibe. Fünf zusätzliche Stellen ermöglichten es, „rund um die Uhr“ einen weiteren Streifenwagen auf die Straße zu bringen. Insgesamt würden die Polizeikräfte im Bahnhofsviertel mehr als verdoppelt. „Das ist eine schlechte Nachricht für Dealer und Kriminelle“, sagte Beuth. Rechtsfreie Räume und „No-go-Areas“ werde die Landespolizei nicht dulden.

Über Reviergrenzen hinaus

Deren Präsident Udo Münch führte aus, dass die neue „Schwerpunkteinheit“ wie ein Polizeirevier über eine Leitungsstelle im höheren Dienst und außerdem über fünf Dienst- und drei Ermittlungsgruppen verfügen wird. Die Zuständigkeit der Polizisten werde nicht an der Grenze des 4. Reviers enden; auch benachbarte Gebiete wie die Taunusanlage würden einbezogen, falls es wegen der Polizeimaßnahmen zu „Verdrängungseffekten“ in der Drogenszene komme. Ein eigenes Gebäude wird die neue operative Dienststelle nicht haben. Die Polizisten werden vor allem von der Direktion Mitte und dem 4. Revier, aber auch vom Polizeipräsidium aus arbeiten. Möglich geworden sei die neue Einheit durch Personalverlagerungen im Frankfurter Polizeipräsidium und eine Abordnung von 15 Bereitschaftspolizisten.

Frankfurts Polizeipräsident Bereswill verwies auf die Erfolge der BAO Bahnhofsgebiet, an deren Arbeit die neue Einsatz- und Ermittlungseinheit anknüpfen soll. So schilderte er den Fall einer nordafrikanischen Tätergruppe, deren Crackküche in Flörsheim lokalisiert wurde. Zwei Personen seien verhaftet worden.

Innenminister Beuth ging sehr hart mit den Sicherheitspartnern der Landespolizei im Bahnhofsviertel ins Gericht: Ob sich die Situation im Stadtteil verbessern lasse, hänge nicht allein von der Landespolizei ab, auch die Stadtpolizei, die Bundespolizei und die Deutsche Bahn seien gefragt. Die Landespolizei leiste jedoch „96 Prozent der Einsatzstunden“, betonte Beuth. Den Frankfurter Sicherheitdezernenten Markus Frank (CDU) lobte er zwar, „insgesamt könnte die Stadt aber mehr leisten“.

Mehrere Missstände

Beuth wies zum Beispiel auf die Situation vor den Drogenhilfseinrichtungen hin, wo sich zum Ärger der Anwohner häufig große Gruppen von Drogendealern und -konsumenten aufhalten, außerdem verwies er auf „massive Verunreinigungen im Straßenbild“. Innenministerium und Landespolizei hätten geliefert und lieferten weiter, betonte der Innenminister – jetzt sei Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) am Zug. Beuth berichtete, er habe die Partner der Landespolizei nach Wiesbaden eingeladen, um mit ihnen über Maßnahmen im Bahnhofsviertel zu beraten. Ob die Einladung angenommen werde, sei abzuwarten.

Kommentare



zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden

Ein neues Posting hinzufügen


Sie dürfen noch Zeichen schreiben.
Füllen Sie bitte die notwendigen Felder für die Registrierung aus.
Geben Sie bitte folgende Daten ein, um sich zu registrieren und Ihren Kommentar zu speichern.
Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet, und nicht ohne Ihre Zustimmung an Dritte weitergegeben werden!

gewünschter Benutzername: *
gewünschtes Passwort: *
Wiederholung Passwort: *
E-Mail: *
Kundennummer falls vorhanden:


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage: Wie lautet der letzte Buchstabe im Alphabet?: 

Weitere Artikel aus Frankfurt

Ein defektes Teil soll verantwortlich sein für das Brummen des „Spargels“ (Fernmeldeturms). Die vom Lärm betroffene Bürgerin Doris Soric, Techniker Dominik Oeltzer und Ortsvorsteher Kaufmann (von links) beraten an einem Modell des Turms, was gegen das Geräusch unternommen werden kann.
Bockenheim
|
Schallpegelmessung

Warum der Ginnheimer Spargel brummt

Dass Pepper als Dozent auftritt, ist eine Ausnahme. Er ist einer von acht Robotern, an denen die UAS forscht. Immer geht es um die Frage, ob diese Maschinen sinnvoll in der Pflege eingesetzt werden könnten.
Frankfurt
|
University of Applied Sciences

Roboter hält zum ersten Mal Vorlesung in Frankfurt

Weitere Artikel aus Frankfurt

In der Wohnsitzlosenunterkunft an der Voltastraße soll der 36-Jährige seine schwangere Ehefrau getötet haben.
Frankfurt
|
Wohnsitzlosenunterkunft in Bockenheim

Tatverdacht erhärtet: Ehemann soll Frau erstickt haben

Rubrikenübersicht