09.11.2017 03:30 |

Ortsbeirat Bergen-Enkheim: Neue Moschee sorgt weiter für Diskussionen

Bergen-Enkheim Der Ortsbeirat 16 hat ins Volkshaus Enkheim geladen, um über den geplanten Bau eines muslimischen Zentrums im Stadtteil zu diskutierten. Die Gegner meiden dabei das Podium.

Vollbesetzt war das Volkshaus Enkheim – das Thema Moschee treibt die Bürger um.
Vollbesetzt war das Volkshaus Enkheim – das Thema Moschee treibt die Bürger um.

Ausgerechnet der Platz in der Mitte des Podiums bleibt leer. Ein Vertreter der Bürgerinitiative (BI) gegen den Bau eines islamischen Zentrums mit Moschee in der Bessemer Straße 7 in Enkheim sollte dort sitzen. „Die BI hat in letzter Sekunde abgesagt“, erklärt Moderatorin und Ortsvorsteherin Renate Müller-Friese (CDU).

Etwa 200 Personen sind ins Enkheimer Volkshaus gekommen, um sich über den geplanten Bau des islamischen Zentrums zu informieren. Die Realisierung liegt noch in weiter Ferne. Zwar hat der Verein „Islamische Informations- und Serviceleistungen“ (IIS) das Grundstück vor einigen Wochen gekauft. Ob darauf aber entsteht, was der Verein bauen möchte (siehe Text unten), ist noch nicht sicher. Ein Bauantrag wurde noch nicht eingereicht, und wenn der Verein nicht genug Stellplätze nachweisen kann oder die Bauaufsicht findet, dass der Lärmschutz nicht gewährleistet ist, kann sie diesen auch ablehnen.

Verkehrschaos befürchtet

Die IIS-Moschee an der Mainzer Landstraße, wo sich auch die Geschäftsstelle des Vereins befindet, ist zu klein geworden. Nach vierjähriger Suche hat man das Grundstück in Enkheim gefunden. Sollte der Vereine seine Pläne realisieren, rechnet er mit 400 bis 450 Mitgliedern, die zum Freitagsgebet und anderen Veranstaltungen kommen. Anwohner befürchten chaotische Verkehrsverhältnisse in und rund um die Bessemer Straße sowie Ruhestörungen bis in den Abend.

Günther Kraus von der Ortsbeiratsfraktion Wir Bergen-Enkheimer (WBE) erinnert an die geplante Erweiterung des Hessen Centers an der Borsigallee und rechnet allein aus diesem Grund schon mit einer angespannten Verkehrssituation im Stadtteil. Ellen Wild von der Fraktion Bürger für Frankfurt (BFF) verweist auf den Bau des Riederwaldtunnels, der den Verkehr im Frankfurter Osten künftig entzerren soll, die Situation auf den Straßen in den nächsten Jahren aber erst einmal verschlimmern wird.

Anwohner betonen, dass sie nicht gegen den Bau einer Moschee seien. „Auch wenn die Batschkapp oder eine Disco in die Bessemer Straße ziehen würde, wäre ich dagegen“, sagt ein Mann. Eine Dame aus dem Publikum aber zeigt ihre Angst: Sie fürchte sich vor einer islamischen Gemeinde, die das Frankfurter Integrationsdezernat als „konservativ, autoritär und polarisierend“ und der hessische Verfassungsschutz als der radikal-islamischen Muslimbruderschaft nahe stehend bezeichnet. Ebenso mache ihr das rechte Spektrum Angst, aus dem manche Gegner des Kulturzentrums kommen.

Sie meint damit auch den Enkheimer Mathias Mund, der die BFF in der Stadtverordnetenversammlung vertritt. Er wirft dem Ortsbeirat 16 vor, dass er das Podium nur mit Fürsprechern des islamischen Kulturzentrums besetzte habe. Wie Ortsvorsteherin Müller-Friese erklärt, habe auch die Bürgerinitiative aus diesem Grund ihren Platz auf dem Podium leergelassen. „Herr Mund hätte aber ebenso mit auf dem Podium sitzen können, wollte aber nicht“, sagt sie.

Dialog empfohlen

Dabei springt von allen Podiumsteilnehmern nur Dr. Brigitta Sassin, Pastoralreferentin des Bistums Limburg, für den Verein in die Bresche. Sie kenne die IIS seit vielen Jahren und berichtet von einer „vertrauensvollen Zusammenarbeit“. Professor Dr. Joachim Valentin vom Rat der Religionen dagegen empfiehlt nur einen Dialog mit dem Verein. Für den sitzt IIS-Sprecher Mohammed Johari, auf dem Podium. Mit der Bemerkung, dass die Anwohner aufgrund des Bebauungsplans mit dem möglichen Bau einer Moschee hätten rechnen müssen, macht er sich im Saal keine Freunde. Er betont aber auch, dass seine Gemeinde ein „guter Nachbar“ sein werde.

Kommentare

  • Wenn HansFFMHannebambel nicht zu Hause ist, kann in
    geschrieben von ellenwild (332 Beiträge) am

    Bergen-Enkheim ruhig der Bär los sein?
    Wissen Sie nicht, daß die Bessemerstraße zum ganz überwiegenden Teil eine schon heute hoch frequentierte Wohnstraße ist, wo auch tagsüber ältere Menschen, Kranke und Kinder wohnen? Wissen Sie nicht, daß an der Ecke Bessemerstraße/ Borsigallee ein neuer, großer Kindergarten ist und der Spielplatz dieser Kita hinter einem Drahtzaun entlang der Bessemerstraße verläuft? Da wir ja von einer Augenzeugin geschildert bekamen, wie es an der IIS-Moschee in der Mainzer Landstraße jeden Freitag zugeht, sind ihre Einwendungen populistischer Quark. Im übrigen hat Rassismus nichts mit Religionen zu tun. Denn die meisten Religionsgemeinschaften sind heute multiethnisch und leben friedlich mit anderen Religionen zusammen. Ob der Islam in seiner korantreuen Form mit unserem Grundgesetz vereinbar ist, ist eine ganz andere Frage. Die steht hier aber überhaupt nicht zur Diskussion. Schwingen Sie Ihre Nazikeule woanders.

  • Und schon wieder die Nazikeule.
    geschrieben von bandog (529 Beiträge) am

    Es reicht offenbar immer noch nicht, was man seit zwei Jahren an Gewalt Aggression und Kriminalität und potentiellem Terrorismus in unser Land gelassen hat.
    Es muss noch viel dicker kommen, bis sich etwas ändert. Da reicht wie im letzten Jahr die Schlagzeile über die radikalisierte Tochter eines Imam nicht aus.

  • Artikel bildet die Stimmung vor Ort verzerrt ab
    geschrieben von Andreas_Herrmann (1 Beiträge) am

    Es gab auch Zuhörerstimmen, speziell eine stach hervor, die dem Bau nicht grundsätzlich ablehnend gegenüber stünden und sich gar auf den interkulturellen Austausch freuten. Auch war es mitnichten „nur“ Frau Dr. Sassin auf dem Podium, die von der guten Zusammenarbeit mit der Gemeinde berichtete. Vielmehr brachen die VertreterInnen beider Kirchen eine Lanze für den Verein. Das alles ist eine Erwähnung wert, wenn es darum geht zu erfahren, wer da eigentlich nach Bergen Enkheim kommen möchte. Und auch Herr Johari, der durchweg ruhig und sachlich argumentierte, wird bedauerlicherweise reduziert auf eine aus dem Kontext gerissene Aussage, die grölend vom massiv rechten Block im Saal ausgebuht wurde. Und eben diese ausgeprägte Dichotomie im Saal wird unterschlagen, wenn da ein Zuhörer sich zu Wort meldet und seine Frage mit dem ungeheuerlichen Satz einleitet: “Vor 70 Jahren war nicht alles schlecht“; begleitet von zustimmendem Gebrummel. Das ist schon harter Tobak, das ist übler Rassismus

  • Statt einer Moschee sollte man eine Gedenkstätte für die
    geschrieben von jan2 (12 Beiträge) am

    Opfer der Willkommenskultur bauen

  • HansFFMHannebambel hätte vielleicht das Podiumsgespräch
    geschrieben von ellenwild (332 Beiträge) am

    am 7. November im Volkshaus Enkheim besuchen sollen. Da beschrieb eine Frau, die gegenüber der ISS Moschee in der Mainzer Landstraße arbeitet die Besuchermassen und das Verkehrschaos, das die Muslime jeden Freitag verursachen, von besonderen islamischen Festen gar nicht zu reden.
    Ich frage mich, was sie bewegt, den Anliegern in
    Enkheim so etwas zumuten zu wollen?
    Oder sind Sie nur der Troll vom Dienst?



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