10.11.2017 03:30 | Daniel Gräber

Gaststätte „Zum Hirsch“: Ortsbeirat will Traditionslokal erhalten

Oberrad Nach dem Verkauf des über 300 Jahre alten Gasthauses „Zum Hirsch“ setzt sich nun auch der Ortsbeirat 5 (Niederrad, Oberrad, Sachsenhausen) für dessen Erhalt ein. Eine Idee der FDP-Fraktion stieß parteiübergreifend auf Zustimmung: Die Stadt soll mit dem künftigen Eigentümer einen Kompromiss aushandeln.

Auf diesem Grundstück will ein Immobilieninvestor Wohnungen bauen. Das historische Gasthaus „Zum Hirsch“ soll dabei aber erhalten bleiben, so die Forderung aus Oberrad.
Auf diesem Grundstück will ein Immobilieninvestor Wohnungen bauen. Das historische Gasthaus „Zum Hirsch“ soll dabei aber erhalten bleiben, so die Forderung aus Oberrad. Bild: Michael Faust

Der neue Eigentümer des Fachwerkhauses an der Offenbacher Landstraße hat bereits signalisiert, für eine Kompromisslösung offen zu sein. Er wolle auf dem Eckgrundstück ein neues Wohngebäude bauen, sagte Leonardo Tenorio der FNP, könne sich aber vorstellen „den schönen Teil“ des über 300 Jahre alten Gasthauses „Zum Hirsch“ zu erhalten. Nun kommt aus dem Ortsbeirat 5 ein Vorschlag, wie die Zukunft des traditionsreichen Lokals in Oberrad dauerhaft gesichert werden könnte.

Investor entgegenkommen

Die FDP brachte die Idee in die jüngste Sitzung des Stadtteilgremiums ein – und überzeugte damit alle anderen Fraktionen. Der Vorschlag: Die Stadt soll mit Tenorio einen öffentlich-rechtlichen Vertrag abschließen. Dieser Vertrag, so der Vorschlag des Ortsbeirats an den Magistrat, soll „den jeweiligen Eigentümer zum Erhalt des Bestandsgebäudes samt Nutzung im Erdgeschoss als Gaststätte“ verpflichten.

Im Gegenzug soll die Stadt dem Investor entgegenkommen, indem sie dessen geplantes Bauprojekt größer werden lässt. Laut FDP-Fraktion setzt der geltende Bebauungsplan einem Neubau auf dem „Hirsch“-Grundstück derzeit enge Grenzen. Davon könne Tenorio befreit werden, wenn er dem Vertrag zum Erhalt der Gaststätte zustimmt, so die Idee. „Insbesondere hinsichtlich der Geschossflächenzahl, um so eine Erweiterung der Bestandsbebauung in zwei- bis dreigeschossiger Bauweise zu ermöglichen“, heißt es in dem vergangene Woche beschlossenen Antrag des Ortsbeirats.

Um für den Fall gewappnet zu sein, dass trotz dieses Kompromissvorschlags keine „einvernehmliche Lösung“ möglich ist, fordert der Ortsbeirat jetzt schon aktiv zu werden: Der Kastanienbaum im Hof der Gaststätte müsse unter Naturschutz und das Fachwerkgebäude selbst unter Denkmalschutz gestellt werden.

Genau dafür haben sich bereits der Bürgerverein sowie Heimat- und Geschichtsverein Oberrad eingesetzt. Das Landesamt für Denkmalpflege ist noch dabei, die Denkmalwürdigkeit des „Hirschen“ zu prüfen. Abgelehnt hat die Behörde den bereits vor Monaten unternommenen Vorstoß der beiden Stadtteilvereine noch nicht. Es wäre also möglich, dass sie damit Erfolg haben.

Identitätsstiftender Ort

Die historische Gaststätte „Zum Hirsch“ sei ein identitätsstiftender Ort für den Stadtteil Oberrad, begründet der Ortsbeirat sein Engagement. „Über die bloße Gestalt des 300jährigen Gebäudes hinaus ist auch die Nutzung als Gaststätte wichtig, um der Stadtgesellschaft und dem Vereinswesen weiterhin als traditioneller Treffpunkt zu dienen“, heißt es in dem Antragstext. Insoweit sei es wünschenswert, das Bestandsgebäude samt Nutzung zu erhalten. Zu diesem Ensemble gehöre auch das rückwärtige Gartenlokal, welches von einem Kastanienbaum geprägt ist.

Ende des Jahres muss die derzeitige Wirtin das Lokal verlassen. Sie wird den Betrieb schon Ende November einstellen. Allerdings hat ihr nicht der neue Käufer der traditionsreichen Immobilie gekündigt, wie mancher in Oberrad vermutet. Sondern sie hat sich mit dem bisherigen Eigentümer auf ein Ende des Pachtvertrags geeinigt.

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