Stadtteil-Serie (Teil 11)

Riedberg: Grün – und ruhig

Von Ben Kilb
Der Riedberg wird oft als monoton wirkendes Neubau-Ghetto bezeichnet. Wasserhäuschen, Apfelweinkneipen und andere Frankfurter Besonderheiten sucht man hier vergebens. Dafür hat man im Stadtteil jedoch meist seine Ruhe und kann dort in zwei Parks und auf üppigen Grünflächen entspannen, die längst nicht so überlaufen sind wie jene in der Frankfurter Innenstadt.
Ben Kilb/FNP
Künstlich, Häuser von der Stange, Familien-Ghetto – dem Riedberg im Frankfurter Nordwesten schlagen seit jeher Vorbehalte entgegen. Einigen wird er gerecht. Doch ein „Unort“ ist der Stadtteil, der in den vergangenen eineinhalb Jahrzehnten aus dem Boden gestampft wurde, deshalb noch lange nicht.

Ende 2001 rückten die ersten Bagger an, um auf Ackerland Frankfurts jüngsten Stadtteil zu bauen. Einige Landwirte hatten dafür ihre Felder verkauft, manche mussten per Gerichtsbeschluss enteignet werden. Inzwischen ist der Stadtteil rund 266 Hektar groß. Etwa 11 000 Menschen leben aktuell dort. Bis zur geplanten Fertigstellung sollen 16 000 Menschen den Ort ihr Zuhause nennen können.

Mit Vorbehalten können die meisten auf dem Riedberg gut leben. Wer Lokalkolorit wie Apfelweinkneipen und Gründerzeithäuser gerne mag, wird sich auf dem Riedberg nicht wohlfühlen. Dafür bietet er andere Vorzüge: Üppige Grünanlagen wie der Bonifatius- oder der Kätcheslachpark durchziehen das Quartier. Die ohnehin geringe Lärmbelastung wird in ein paar Jahren weiter sinken, wenn die letzten Baumaschinen abziehen. Kinder können dann noch sorgloser auf den Straßen spielen als sie es ohnehin schon tun.
Zudem ist die Infrastruktur drei Jahre vor der avisierten Vollendung fast komplett. Auf und am Riedbergplatz gibt es Cafés, Banken, Arztpraxen, einen Supermarkt und weitere Einkaufsmöglichkeiten. Ein weiterer Supermarkt wird gerade gebaut. Im bereits gewachsenen Süden steht ein Discounter. Auch zwei Kirchengemeinden, ein Gymnasium, die IGS Kalbach-Riedberg und zwei Grundschulen finden sich auf dem Riedberg.

Über die Stadtgrenzen hinaus ist der Stadtteil vor allem aufgrund des Campus Riedberg bekannt, der einige naturwissenschaftliche Institute der Frankfurter Goethe-Universität beherbergt.

Ganz ohne Geschichte ist der Ort übrigens nicht: Das Quartier Mitte und der Westflügel werden bald von der Römischen Straße getrennt, einem Grünstreifen, der derzeit entsteht. Er ist dem Verlauf der antiken Saalburgstraße nachempfunden, die von der einstigen römischen Siedlung Nida bei Heddernheim bis zur Saalburg bei Bad Homburg verlief.

Unser Reporter Ben Kilb hat sich auf dem Riedberg umgeschaut.

Üppige Grünflächen

Der Riedberg wird oft als monoton wirkendes Neubau-Ghetto bezeichnet. Wasserhäuschen, Apfelweinkneipen und andere Frankfurter Besonderheiten sucht man hier vergebens. Dafür hat man im Stadtteil jedoch meist seine Ruhe und kann dort in zwei Parks und auf üppigen Grünflächen entspannen, die längst nicht so überlaufen sind wie jene in der Frankfurter Innenstadt.

Im Kätcheslachpark


Fabian, Jonas und Kerstin Schramm lassen auf dem Weiher im Kätcheslachpark ein Modellboot schwimmen. Kerstin und ihr Mann hatten sich einst geschworen, in kein Neubaugebiet zu ziehen. Im Jahr 2009 landete die Familie dann auf dem Riedberg – und schätzt den Ort. „Man hat hier seine Ruhe und fast alles, was man braucht. Bloß für Kinder im Alter zwischen zehn und 14 Jahren fehlt es an Freizeitangeboten. Eine einfache, öffentlich zugängliche Tischtennisplatte aus Beton würde schon Abhilfe schaffen“, findet Kerstin.

Der Westflügel ist das letzte Quartier


Der sogenannte Westflügel ist das siebte und letzte Quartier auf dem Riedberg. Hier entstehen rund 1500 Wohnungen und Häuser für etwa 3400 Menschen. Man hat aus Fehlern gelernt, es entsteht eine ausgewogene Mischung aus Miet- und Eigentumswohnungen, Reihen-, Doppel- und Einfamilienhäusern. Zudem werden die Straßenräume in natürlichen und schwingenden Formen angelegt.

Nationalspieler vermisst Cricketplatz


Manpreet Singh (links) lebt gerne im Stadtteil, „weil man ihn eigentlich nicht verlassen muss, hier meist seine Ruhe hat und sich nachts auf die Straße trauen kann“. Nur einen Cricketplatz vermisst er, denn die Cricketabteilung des SC Riedberg muss bislang auf dem Rasenplatz in der Altenhöfer Allee spielen. Keine guten Bedingungen für einen Verein, in dem zwei Cricketnationalspieler spielen. . .

Die Quartiersmitte


Der Riedbergplatz bildet die Ortsmitte. Hier gibt es einen Supermarkt, die meisten Geschäfte, Cafés und Banken. Die Stadt investierte rund 950 000 Euro in die Gestaltung. Demnächst beginnt der Bau des Nelly-Sachs-Platzes. Er wird eine Baumlandschaft, Aufenthaltsmöglichkeiten und einen Spielplatz bieten. Ein Mosaikstein mehr. . .

Brunnen lange defekt


Der 2009 erbaute Bodenbrunnen auf dem Riedbergplatz kostete rund 146 000 Euro – doch die Fontänen sprudelten nur wenige Wochen. Die Reparaturen kosteten allein 30 000 Euro. Immerhin sorgen die Wasserspiele inzwischen für ein schöneres Ambiente und eine besseres Mikroklima gerade bei großer Hitze.

Mensa des Gymnasiums ist zu klein


m gibt es bereits seit 2009 / 10, aber das neue Gebäude wurde erst 2013 eröffnet. Der Bau kostete rund 50 Millionen Euro. Rund 1500 Kinder besuchen die Einrichtung, an der es immer mal wieder Klagen über Platzprobleme in der Mensa gibt.

Der Bonifatiusbrunnen


Der Bonifatiusbrunnen: An der alten Wallfahrtsstätte ruhten im Jahr 754 nach Christus während der Überführung von Mainz nach Fulda die Gebeine des heiligen Bonifatius, Apostel der Deutschen. Der Legende nach soll in jener Nacht die heutige Bonifatiusquelle entstanden sein. . .

Der Universitäts-Campus


Weil sich hier der Campus Riedberg befindet, ist der Stadtteil über die Grenzen der Mainmetropole hinaus bekannt. Der Campus beherbergt die naturwissenschaftlichen Fachbereiche der Frankfurter Goethe-Universität wie Biochemie, Chemie, Pharmazie sowie Physik, große Teile des Fachbereichs Geowissenschaften / Geographie und seit 2011 die Biowissenschaften. Etwa 4000 Studenten sind auf dem Campus Riedberg angesiedelt.
Ben Kilb