11.11.2017 03:30 | Günter Murr

Wahl im Februar 2018: SPD wählt Feldmann fast einstimmig zum OB-Kandidaten

Frankfurt Mit deutlicher Mehrheit ist Peter Feldmann zum SPD-Kandidaten für die Oberbürgermeisterwahl im kommenden Februar gewählt worden. Bei einem Parteitag erhielt er am Freitagabend rund 98 Prozent der abgegebenen Stimmen. Erstmals attackierte er seine CDU-Konkurrentin Bernadette Weyland direkt.

Direkt nach der Nominierung unterschrieb Peter Feldmann noch auf der Bühne die Unterlagen, die jetzt beim Wahlamt eingereicht werden.
Direkt nach der Nominierung unterschrieb Peter Feldmann noch auf der Bühne die Unterlagen, die jetzt beim Wahlamt eingereicht werden. Bild: Rainer Rüffer

Der Rahmen in Bürgerhaus Bornheim ist eher schlicht: Keine Lichteffekte, keine Musik, auf der Bühne stehen einfache rote Tische. Für die Nominierung von Peter Feldmann als Oberbürgermeisterkandidat hat die SPD auf eine große Show verzichtet, setzt auf die Kraft des Wortes. Inszeniert ist nur der Einzug des Amtsinhabers: Weit nach Beginn des Parteitags tritt der durch die Tür, begibt sich begleitet von stehenden Ovationen nach vorne. Es wird deutlich: Die Partei steht hinter dem 59-Jährigen, der im kommenden Februar zum zweiten Mal auf den Chefposten im Römer gewählt werden will.

Zur Unterstützung ist auch die ältere Parteiprominenz gekommen, vom früheren Kulturdezernenten Hilmar Hoffmann bis zu Ex-Bürgermeister Achim Vandreike. Lobende Worte für Feldmann kommen von den Oberbürgermeistern aus Aschaffenburg und Wiesbaden. Später werben mehrere der SPD nahestehende Vertreter der Frankfurter Stadtgesellschaft ausgiebigst für den Kandidaten. „Der schwätzt nicht, der handelt“, sagt etwa der langjährige Sozialpolitiker Rudi Baumgärtner. Die Herzen der Genossen aber erobert eine Wahlhelferin, die Feldmann später auf die Bühne holt: Seine 16 Monate alte Tochter Züleyah.
 

Parteichef Mike Josef hebt die Hartnäckigkeit hervor, mit der Feldmann seine Themen verfolge. Und er betont: „Peter ist kein Berufspolitiker, das meine ich positiv.“ Er habe den Kontakt zu den Menschen nie verloren. Josef kritisiert die CDU-Kandidatin Bernadette Weyland, die mit ihren Attacken auf den amtierenden Oberbürgermeister die Würde des Amtes ins Lächerliche ziehe. Er plädiert für eine harte sachliche Auseinandersetzung, die aber nie ins Persönliche gehen dürfe.

Werben für neuen Stadtteil

Auch Feldmann selbst geht in seiner mehr als einstündigen Bewerbungsrede erstmals auf seine Herausforderin ein. Er greift Weyland wegen ihrer Haltung zu einem neuen Stadtteil bei Steinbach an, den die CDU-Politikerin deutlich kleiner planen will als Feldmann. Der Sozialdemokrat warnt: Weyland wolle Spielplätze, Freiflächen und Parks zubetonieren und die Häuser in den Siedlungen aufstocken. Sie wolle „unser ganzes Frankfurt zu einer großen Baustelle machen“, damit neben Eschborn und Steinbach keine Frankfurter Polizisten oder Krankenschwestern wohnen. „Mit mir werden wir unsere Frankfurter Siedlungen nicht mit Beton zuschütten“, verspricht Feldmann. Die Widerstände gegen einen neuen Stadtteil mit bezahlbaren Wohnungen würden weniger, ist er überzeugt.

Und er kündigt an, was er in seiner zweiten Amtszeit in der Wohnungspolitik erreichen will: Der bisher für fünf Jahre beschlossene Mieterhöhungsstopp bei der städtischen ABG Holding soll auf zehn Jahre ausgeweitet werden, bei Neubauten öffentlicher Unternehmen soll der Anteil von geförderten Wohnungen auf 50 Prozent erhöht werden. Er wiederholt Forderungen wie die weitere Senkung der Fahrpreise und die Ausweitung des Nachtflugverbots am Flughafen. Feldmann, der auch Mitglied des Fraport-Aufsichtsrats ist, lehnt zudem den geplanten Flugsteig für Billigflieger ab.

Kostenlose Kita-Betreuung

Den Höchstern verspricht er, die Straßenbahn endlich bis zum Bahnhof zu verlängern, er bekennt sich zur Einhausung der A 661 zwischen Bornheim und Seckbach. Die Gebühren für Krabbelstube, Kita und Hort will er komplett abschaffen. Kinder sollen kostenlosen Eintritt in allen Kultureinrichtungen bekommen.

Schließlich wird gewählt. Einen parteiinternen Konkurrenten hat Feldmann nicht, niemand nutzt die vorsorglich bereitgestellte Wahlkabine. Spannend ist nur die Frage, wie viele Stimmen er bekommt. Am Ende votiert nur ein Delegierter gegen Feldmann, 229 sind für ihn. Es gibt zudem drei ungültige Stimmen und drei Enthaltungen. Mike Josef errechnet eine Zustimmung von 98 Prozent.

„Gut, dass es keine 100 Prozent sind“, sagt er – auch in Anspielung auf die Nominierung des Kanzlerkandidaten Martin Schulz. Er hat Kaffee und Hustenbonbons für den Kandidaten dabei – damit dieser den bevorstehenden Wahlkampf auch durchsteht.

Kommentare

  • SPD wählt Feldmann fast einstimmig zum OB-Kandidaten
    geschrieben von sieglinde_lackner (100 Beiträge) am

    Sehr geehrte Damen und Herren,
    bei aller Meinungsfreiheit: Warum wird unser jetziger OB Feldmann so arg beschimpft! Er hat durchaus auch sehr positive Seiten! Man bedenke: er geht auf alle Bürger zu; hat ein offenes Ohr für diese! Ist alles andere als überheblich! Dass nicht alle anstehenden Probleme so perfekt im Sauseschritt gelöst werden können - das gelingt keinem! Undank ist der Welten Lohn! Es gibt Politiker, die sehr negativ auf eine Bevölkerung wirken! Herr Feldmann dagegen sehr freundlich! Dass er von der SPD mit 98% als OB-Kandidat gewählt wurde - macht Mut! Ich freue mich sehr darüber! Frage: wer ist ohne Fehler auf dieser Welt?! Jemanden beschimpfen - eine leichte Sache! Jedoch es besser machen - eine schwere!
    Sieglinde Lackner Bad Soden Taunus
    14.11.17

  • bitte recht freundlich
    geschrieben von Trauriger_Bürger (2 Beiträge) am

    Ist ja ein toller Job, OB. von Frankfurt am Main zu sein. Eigentlich muß man ja nur grenzdebiel in jedes sich bietende Objektiv grinsen- das war `s.
    Und wenn man dann noch jede Menge Phrasen drischt, kann man sich der Begeisterung seiner unterbelichteten und zahlreichen Gefolgschaft sicher sein.
    Die ehemals stolze freie Reichsstadt verkommt unterdessen zu einem Rattenloch. Als denne- auf ein neues.

  • Vielverheißender OB-Goldketten-Träger
    geschrieben von Seckberry (375 Beiträge) am

    Mit "Kaffee und Hustenbonbons" kann anscheinend in Frankfurt sogar ein verschlafener und heiserer Kämpfer um das Amt des Oberbürgermeisters für die SPD frei flottierend in die halbwegs warme Phase jumpen und den Fight mit den drei kampfstarken Frauen Weyland, Eskandari-Grünberg und Wissler relativ blessurenfrei überstehen.

    Der Aphorismus "Ochsen gehören beidseits der A 5 zwischen Steinbach und Praunheim auf den Acker vor den Pflug und nicht ins Rathaus" soll wohl mit dem Sprichwort relativiert werden "man muss mit dem Ochsen pflügen, den man nun mal hat".

    OB "Peter sei kein Berufspolitiker", bewertet ihn sein Genosse Mike "positiv", er sei kein Schulzomat bzw. kein Feldmannomat, obschon der "hartnäckige" Selbstdarsteller - sobald irgendwo auf einer Kamera das "Rotlicht" leuchtet - vor automatisiert wirkenden Politiker-Floskeln keinen Halt macht, wie der Redeblume "jeder verdiene eine zweite Chance", die goldene Amtskette im Glanz des Frankfurter Adlers tragen zu dürfen.

  • Ein Mann der Unwahrheit
    geschrieben von PVPV (355 Beiträge) am

    "Der Sozialdemokrat warnt: Weyland wolle Spielplätze, Freiflächen und Parks zubetonieren und die Häuser in den Siedlungen aufstocken. Sie wolle „unser ganzes Frankfurt zu einer großen Baustelle machen“, damit neben Eschborn und Steinbach keine Frankfurter Polizisten oder Krankenschwestern wohnen. „Mit mir werden wir unsere Frankfurter Siedlungen nicht mit Beton zuschütten“, verspricht Feldmann."

    Er sagt genau das Gegenteil, was er macht. Nicht ein einziges Projekt hat genannt, er wo einen grünen Hinterhof rettet, will. Vermutlich kennt er die Projekte einfach nicht.

    Das ist schon krass von der Realität entfernt.

    Er muss schon etwas tun. Innen und außen alles zubetonieren, so macht es Mike Josef. Peter Feldmann hat noch nie etwas dagegen gesagt.

    Noch nie hat er auch nur einen einzigen Baum verteidigt.

    Krass, Krass, krass der Mann.

  • "Urbane" Steinbach-Praunheim-A 5-Trabantenstadt ?
    geschrieben von Seckberry (375 Beiträge) am

    Mit Feldmanns kraftwortig-heißer Luft getrocknete Lehmziegel werden nicht Hauptbestandteil der Bauten der geplanten Schlafstadt für 30 000 Bewohner, vor allem für Polizisten und Krankenschwestern sein, die teils auch in der Nacht arbeiten müssen.

    Die 20-25 Prozent Erschließungsfläche "unserer Frankfurter Siedlungen" wie Straßen, Stellplätze, Wege etc. muss in der Tat auch ein SPD-OB neu mit Asphalt oder Betonpflaster "zuschütten", die in den Wohngebieten jedoch bereits vorhanden sind, die durch Aufstockung oder Einfügen von Baukörpern verdichtet werden sollen.

    Der OB-Kandatin Weyland eine "Zubetonierung" von Spielplätzen, Freiflächen und Parks zu unterstellen, ist daher unrichtig und ins Persönliche gehend.

    Die 16 Monate alte Tochter Feldmanns seifenopernmäßig zu instrumentalisieren ist mitnichten als "harte sachliche Auseinandersetzung" anerkennbar.

    Bei öffentlichen Neubauten den Anteil von geförderten Wohnungen auf 50 Prozent zu erhöhen,ist eine klassische Schaufensterforderung.



Ein neues Posting hinzufügen


Sie dürfen noch Zeichen schreiben.
Füllen Sie bitte die notwendigen Felder für die Registrierung aus.
Geben Sie bitte folgende Daten ein, um sich zu registrieren und Ihren Kommentar zu speichern.
Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet, und nicht ohne Ihre Zustimmung an Dritte weitergegeben werden!

gewünschter Benutzername: *
gewünschtes Passwort: *
Wiederholung Passwort: *
E-Mail: *
Kundennummer falls vorhanden:


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage: Aus wie vielen Bundesländern besteht Deutschland?: 

Weitere Artikel aus Frankfurt

Weitere Artikel aus Frankfurt

Frankfurt
|
FNP, FR und FAZ gönnen sich

Die hässlichen Höhepunkte des Hate-Slams 2017

Rubrikenübersicht