07.11.2017 03:30 | Gernot Gottwals

Mühlbergschule: Schüler lernen in zwei Sprachen

Vor 20 Jahren gründete sich der Verein „Freunde einer deutsch-italienischen Schule in Frankfurt am Main“ und gründete die erste bilinguale Klasse in der Mühlbergschule.

Gloria Hofmann, Tally Lorenz, Maira Magnano, Ricardo Niola und Torge Kammer (vorne, von links) nehmen am bilingualen Unterricht an der Mühlbergschule teil. Der Unterricht ist auf Deutsch und Italienisch. Ihre Lehrerinnen sind Giovanna Campanella (hinten, links) und Rossana Schirra.
Gloria Hofmann, Tally Lorenz, Maira Magnano, Ricardo Niola und Torge Kammer (vorne, von links) nehmen am bilingualen Unterricht an der Mühlbergschule teil. Der Unterricht ist auf Deutsch und Italienisch. Ihre Lehrerinnen sind Giovanna Campanella (hinten, links) und Rossana Schirra. Bild: Holger Menzel

Als Laura (19) in die Holzhausenschule eingeschult wurde, konnte sie als Sechsjährige noch nicht selbst über ihre Zukunft entscheiden. „Era mia mamma“, sagt sie. „Meine Mutter wollte, dass ich diese Erfahrung mache.“ Nach Abwägung der damaligen Möglichkeiten fiel die Wahl auf den deutsch-italienischen Zweig der Mühlbergschule, obwohl Lauras Familie keinen italienischen Hintergrund hat.

Gut 20 Jahre später spricht sie Italienisch genauso fließend wie ihr gleichaltriger Klassenkamerad Lorenzo, Sohn einer gebürtigen Sizilianerin und eines Deutschen. Vergangenes Jahr absolvierten die beiden das deutsche Abitur und die italienische Maturità an der Freiherr-vom-Stein-Schule, am Wochenende feierten sie mit dem Verein „Freunde einer deutsch-italienischen Schule in Frankfurt am Main“ (Bilis) den 20. Geburtstag der deutsch-italienischen Zweisprachigkeit in Frankfurts Schulen.

Rund 500 Schüler besuchen derzeit die bilingualen Zweige an Mühlberg-, Holzhausen- und Willemerschule (Grundschulen), Freiherr-vom-Stein-Schule (Gymnasium) und Deutschherrenschule (Realschule). Auch Konrad von Bethmann ließ sich überzeugen, wählte diesen Weg für seine drei Kinder und bekleidete im Bilis 15 Jahre lang das Amt des Schatzmeisters. Dafür wurde er ebenso wie Bilis-Mitbegründerin Rosa Maria Liguori Pace beim Festakt mit dem Verdienstorden der Italienischen Republik geehrt.

Ein Erfolgsmodell

Inzwischen ist der bilinguale deutsch-italienische Zweig ein Erfolgsmodell. „Als ich in den Tandemunterricht eingestiegen bin, konnte ich kein Italienisch, doch jetzt lerne ich zusammen mit den Kindern“, sagt Maria Schwarz von der Willemerschule. Dadurch baut sie auch bei den deutschsprachigen Kindern, die Italienisch erst noch lernen müssen, Hemmschwellen ab. „Denn zeitweise ist es ohne muttersprachliche Vorkenntnisse schon anstrengend, die neuen italienischen Vokabeln zu lernen“, räumt Helena ein.

„Zudem gibt es in Deutschland nur vier Grundschuljahre, bei uns sind es fünf“, sagt Schwarz’ italienische Kollegin Alessandra Goruppi. Wobei in den ersten Jahren die „maestra“, wie die Grundschullehrerin dort heißt, noch wie eine „mamma“ wahrgenommen werde. Bilinguale Schulen entstanden in Kooperation von hessischem Kultusministerium und dem italienischen Bildungsministerium.

„Wir setzten auf ein Konzept mit je 50 Prozent deutsch- und 50 Prozent italienischsprachigen Kindern“, erklärt Ingrid Haller, damals begleitende Professorin für pädagogische Soziologie an der Universität Kassel. Weil viele der bilingualen Grundschulkinder der Mühlbergschule gerne ein Gymnasium besuchen wollten, richtete 2001 auch die Freiherr-vom-Stein-Schule einen deutsch-italienischen Zweig ein. 2002 und 2013 folgten die Holzhausen- und die Willemerschule, 2017 kam die Deutschherrenschule dazu.

Weniger Stellen

Doch 2013 verringerte das italienische Bildungsministerium die Zahl der ausländischen Lehrkräfte von 1000 auf 700. Der Verein Bilis kämpfte dafür, möglichst alle Stellen in Frankfurt zu erhalten, hier sank die Zahl von zehn auf acht. Jetzt will das Bildungsministerium wieder 50 Stellen mehr im Ausland einrichten. „In Zukunft wollen wir unser Programm auf allen politischen Ebenen stabilisieren und durch den Schulaustausch mit Italien und etwa Theaterbesuchen ausbauen“, sagt Bilis-Vorsitzender Alexander Koldau.

„Es war wichtig, dass wir bis zum Abi durchgehalten haben und dadurch unsere Weltoffenheit gefördert haben“, bestätigt Lorenzo die Erfahrungen von Helena. Doch es gibt Ausnahmen. „Einer meiner Söhne hat den bilingualen Zweig nicht fortgeführt, andere Fächer lagen ihm mehr als Sprachen“, sagt von Bethmann.

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