21.04.2017 03:30 |

Die Wartehäuschen-Zerstörer: Seit Wochen werden an Bushaltestellen Glasscheiben zertrümmert

Frankfurt Fast jede Nacht wird mittlerweile zugeschlagen, werden die Glasscheiben von Wartehäuschen zerstört – zuletzt im Westend und auf dem Riedberg. Die VGF hat allein vom 9. Februar bis 14. April 52 Schäden an 37 Wartehallen gezählt. Bei der Polizei wurden jetzt schon mehr Taten angezeigt als im ganzen Vorjahr.

An der Haltestelle „Friedhof Sossenheim“ ist von der Glaswand des Wartehäuschens nichts übrig. Die Scherben liegen dafür am Boden. Bilder >
An der Haltestelle „Friedhof Sossenheim“ ist von der Glaswand des Wartehäuschens nichts übrig. Die Scherben liegen dafür am Boden.

So heftig war es wohl noch nie. Wie grünlicher Schnee liegen zersplitterte Glasscherben rund um Wartehäuschen von Bus- und Bahnhaltestellen auf dem Boden. Der Wind pfeift durch das ungeschützte Gestänge. Ob in Niederursel, in Eschersheim, Ginnheim, Hausen, Heddernheim, der Römerstadt, Praunheim, Nied, Sossenheim, im Westend oder in der Innenstadt – dreiste Täter toben sich am Wetterschutz für die Passagiere aus.

Bernd Conrads, Sprecher der Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF), fasst zusammen: „Im Zeitraum vom 9. Februar bis zum 14. April wurden 37 Wartehallen beschädigt, davon einige in kurzen Abständen sogar bis zu vier Mal.“ So kommt er auf eine Gesamtzahl von 52 Beschädigungen. Zuletzt geschah es in der Nacht zum Mittwoch an den Stationen „Wiesenau“ im Westend und „Am Bonifatiusbrunnen“ auf dem Riedberg. Wie hoch der gesamte Sachschaden ist, könne bisher nicht genau beziffert werden. „Er liegt pro Wartehalle bei einem rund vierstelligen Betrag, der nach oben abweichen kann“, sagt Conrads.

„Der Sachschaden beläuft sich ganz hoch im fünfstelligen Bereich, wenn nicht sogar im sechsstelligen“, sagt auch Polizeisprecherin Isabell Neumann. Bei den Beamten seien bis gestern in diesem Jahr 50 Taten angezeigt worden. Dabei gehe es aber um die Stationen, nicht um die Zahl der zerstörten Häuschen – davon stehen an den meisten Haltestellen zwei. „Diese Menge ist unüblich. 2016 wurden im ganzen Jahr 39 dieser Taten in Frankfurt angezeigt“, sagt Neumann.

Komplett zertrümmert

Auch auf Facebook wird das Geschehen beobachtet. Bilder zeigen auch die Scherbenhaufen vom Riedberg. Die Wartehallen wurden in beiden Fahrtrichtungen komplett zertrümmert. Es wird online diskutiert, geschimpft und kommentiert: „Vandalen. Zu viel Kraft, zu wenig Hirn. Asozial.“ Die Polizei sei sehr schnell gegen drei Uhr Nachts dagewesen, die Täter aber schon entwischt. „So sah es vor einigen Wochen beim ,Martin-Luther-King-Park‘ auch aus. Oh, Mann“, schreibt eine Nutzerin.

Die Polizei hatte bereits vor fünf Wochen um Mithilfe von Zeugen gebeten, als unbekannte Täter in der Nacht vom 14. auf den 15. März gleich an vier Bushaltestellenhäuschen der Stationen „Am Alten Schloß“ in der Römerstadt und „Praunheimer Brücke“ in Praunheim sämtliche Seitenscheiben eingeschlagen hatten. Am meisten sei im März 2017 dreist kaputt gemacht worden, erklärt Neumann. 15 Mal, auch wiederholt an Haltestellen, die bereits repariert worden waren. „Auch wenn es nachts passiert. Das muss riesigen Lärm machen. Jeder, der etwas mitbekommt, sollte sich bei der Polizei melden.“

Polizei tappt im Dunkeln

Allerdings tappen die Beamten noch im Dunkeln. „Bisher gibt es keine Hinweise auf die Täter“, sagt die Polizeisprecherin, „aber wir sind dran.“ Niemand wisse, ob der oder die Täter zu Fuß, mit dem Auto, allein oder zu mehreren unterwegs seien. „Die Suche nach Tätern ist wie die nach einer Nadel im Heuhaufen“, sagt auch Bernd Conrads. „Wir sind kein Überwachungsstaat voller Kameras, der sich auf die Lauer legt.“ Er vermutet Langeweile oder Frustbewältigung bei den Tätern. „Da passiert etwas. Es macht Lärm, gibt ihnen einen gewissen Kick und das Ergebnis ist ein Scherbenhaufen.“

„Die Scheiben an den Haltestellen sind aus Sicherheitsglas, da braucht man brachiale Gewalt oder blinde Zerstörungswut, um sie kaputt zu kriegen. Das ist Vandalismus, bei dem man blind und voller Kraft drauflos prügeln muss“, sagt auch eine Sprecherin der lokalen Nahverkehrsgesellschaft Traffiq. Diese hat einen Dienstleistungsvertrag zur Wartung, Pflege und Instandhaltung der insgesamt 1300 Wartehäuschen in Frankfurt.

Derweil bleiben die Bürger aufmerksam: Eine anonyme Anruferin teilte dieser Zeitung sogar mit, dass an der Haltestelle „Am Alten Schloß“ aus einem fahrenden Auto geschossen worden sei und man sogar Patronenhülsen gefunden habe. Diesen Hinweis kann die Polizei allerdings nicht bestätigen.

Sie hofft aber auf Hinweise. Die nehmen der Kriminaldauerdienst unter Telefon (0 69) 75 55 31 11 oder jede Polizeidienststelle entgegen.

Kommentare

  • Wer an einigen Abenden...
    geschrieben von PaulvonAmlehn (81 Beiträge) am 22.04.2017 07:10

    ... durch die Stadt geht, wird bemerken, wie sehr sich die Klientel - auch in den innenstadtnahen Stadtteilen, nicht nur in der unmittelbaren Innenstadt - von dem unterscheidet, das tagsüber dort herumläuft.
    Allernorts sind morgens Bier- und anderenAlkoholflaschen etc. Zu finden, die bereit Auskunft geben über die nächtlichen "Besucher". Anzunehmen, daß da einige auch zu diesen Vandalen gehören.
    Wie wäre es denn, wenn in Frankfurt auch nachts Streifen gelaufen würden von der Polizei, und ich meine nicht in Streifenwagen schnell durch die Gegend fahren, sondern ganz klassisch Streife laufen, das wirkt in mehrerlei Hinsicht abschreckend auf solche Rowdies.

  • Frankfurter Geographie
    geschrieben von Gertrud49 (2 Beiträge) am 21.04.2017 14:13

    Zwar gibt es im Westend eine Staße namens "Wiesenau" - die aber wohl gemeinte U-Bahn-Station ist eine Haltstelle vor bzw. nach "Niederursel".

  • Wir sind keine Überwachungsstaat....
    geschrieben von bandog (762 Beiträge) am 21.04.2017 06:40

    ..mit Kameras überall auf der Lauer.
    Dann müssen wir halt damit klar kommen+ das frei nach CRoth aushalten.
    Ich bin dafür, dass wir vom Begriff Vandalismus wegkommen.
    Der Ostgermanenstamm hatte bessere Gründe+Motive für seine Zerstörungswut.



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