14.09.2017 03:30 | Matthias Gerhart

Prozessurteil in Frankfurt: Senioren um Geld und Schmuck gebracht

Frankfurt Mindestens dreimal haben zwei 60 und 24 Jahre alte Frauen sowie ein 32 Jahre alter Mann mit dem „Zetteltrick“ zugeschlagen. Teile der Beute sind bis heute verschwunden, was zwei von ihnen um die Bewährung brachte.

Ein Fall vorm Oberlandesgericht Nürnberg zeigt: Nachlassgegenstände sind nicht Bestandteil eines europäischen Nachlasszeugnisses.
Ein Fall vorm Oberlandesgericht Nürnberg zeigt: Nachlassgegenstände sind nicht Bestandteil eines europäischen Nachlasszeugnisses. Bild: David Ebener/dpa/Symbolbild

Wieder einmal war es die „unglaublich schäbige Masche“ (Staatsanwalt Martin Links), die zwei Frauen und einen Mann gestern auf die Anklagebank des Amtsgericht gebracht hatte. Sie suchten sich 2015 ältere und deshalb nicht mehr sehr wehrhafte Leute, die sie arbeitsteilig in der eigenen Wohnung bestahlen. Gestern aber gab es die Quittung. Zwei der Angeklagten müssen ins Gefängnis.

14 Monate sind es für die 60 Jahre alte Angeklagte, die bereits seit mehr als 30 Jahren in der gesamten Republik gerichtsbekannt ist. Wenn sie nicht gerade Sozialhilfe angemeldet hatte, lebte sie offenbar vom Klauen. Ältere Leute zählten zu den bevorzugten Opfern.

Notizzettel verlangt

Beispiel Herr H. aus dem Ostend: Während der mitangeklagte Mann draußen im Auto wartete, gingen die beiden Frauen zur Wohnungstüre und verlangten einen Notizzettel, um einer abwesenden Nachbarin etwas aufschreiben zu können. Als eine der Frauen dann noch um einen Briefumschlag und ein Glas Wasser bat, war die andere bereits an dem 77-Jährigen vorbei. Am Ende fehlte die Geldkassette mit Ausweisen und 2200 Euro Bargeld und die Diebe flüchteten.

Es gab aber auch die Ausnahme: In Neu-Isenburg kam einer 81-Jährigen die Sache mit dem Notizzettel spanisch vor. Als die Frauen in die Wohnung drängten, wurde sie laut und entriss einer von ihnen die Handtasche. Man flüchtete ohne Beute und ohne Handtasche.

Nach dem Vorfall bei Herrn H. wurde die Truppe sogar kurzzeitig festgenommen. Auf der Hanauer Landstraße wurde ihr Auto angehalten. Im Fond war eine der Frauen gerade damit beschäftigt, die entwendete Geldkassette aufzuhebeln. Weil sie jedoch wieder auf freien Fuß gesetzt werden mussten, kam es im November zum dritten Vorfall, diesmal bei den Eheleuten S. in Wiesbaden. Wenigstens erhielt Herr H. zuvor noch seine zerbeulte Geldkassette samt Inhalt zurück.

Unbekannte Komplizin

Das Ehepaar S. zeigte sich hilfsbereit, auch wenn Frau S. später erkennen musste, dass sie eine dritte, unbekannt gebliebene Frau in ihrer Wohnung gar nicht bemerkt hatte. Bei dem Tohuwabohu im Wohnzimmer wurde es erst am nächsten Tag offenbar, dass größere Teile des Familienschmucks im Wert von rund 28 000 Euro fehlten. Frau S., deren Mann mittlerweile gestorben ist, machte noch zwei Jahre später einen niedergeschmetterten Eindruck: „Mein Mann wollte nach dem Diebstahl nicht mehr.“ Der Schmuck blieb verschwunden.

Alle drei Angeklagten erhielten Strafen, die theoretisch noch zur Bewährung hätten ausgesetzt werden können. Vor dem Hintergrund der besonders dreisten Taten und fehlender Strafmilderungsgründe (Geständnis, Entschuldigung, Schadenswiedergutmachung) aber müssen zumindest die 60-Jährige für 14 Monate und der Fahrer (32) für 16 Monate hinter Gitter. Lediglich die mit 24 Jahren jüngste der Angeklagten kam mit acht Monaten zur Bewährung davon.

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