19.06.2017 03:30 | Melanie Taylor

Baustelle wird gelassen genommen: U-Bahn-Bau in der Europaallee: Kaum Beschwerden

Bagger, Riesen-Sauger, Presslufthämmer – dem östlichen Teil der Europaallee wird seit kurzem mit schwerem Gerät und viel Manpower zugesetzt. Der nächste Bauabschnitt für die Verlängerung der Stadtbahn U 5 ins Europaviertel hat begonnen.

Franziska Roth ist für das Anliegermanagement der Baustelle zum U-Bahn-Bau in der Europaallee zuständig. Sie hat einen guten Draht zu den Einzelhändlern und Gastronomen. Und sie hofft, dass das so bleibt.
Franziska Roth ist für das Anliegermanagement der Baustelle zum U-Bahn-Bau in der Europaallee zuständig. Sie hat einen guten Draht zu den Einzelhändlern und Gastronomen. Und sie hofft, dass das so bleibt.

Lärm, Staub und Umleitungen: Für Bewohner des Europaviertels und Angestellte der Geschäfte und Restaurants ist die Belastung allmählich spürbar. Die Arbeiten für den Bau der Stadtbahn U 5 ins Neubaugebiet unter der Europaallee haben begonnen. Die Beeinträchtigungen und Belastungen werden aber sicher noch mehr. Methin Ari reicht es aber jetzt schon. „Die Baustelle ist nervig. Man kann sich hier nicht mehr ausruhen“, sagt er.

Ari wohnt zwar nicht direkt an der Europaallee, doch kommt er gerne hierher, um seinen Hund auszuführen. Die Entwicklung des Viertels beobachte er seit 20 Jahren. Dass jetzt die Gehwege wieder aufgerissen und die Grünstreifen entfernt würden, sei Geldverschwendung, meint er. Die U-Bahn-Linie hätte seiner Meinung nach vorher gebaut werden müssen. Ari ist sicher, dass die Gastronomen an der Straße zu leiden haben. Er könne sich jedenfalls nicht vorstellen, hier noch abends ein Eis zu essen. Der Staub werde vermutlich überall in der Luft hängen.

Vorahnung gehabt

Noch können die Gastronomen draußen Tische aufstellen, doch müssen sich viele bald auf die Bewirtung ihrer Gäste im Innern ihres Restaurants, Cafés oder Eisdiele beschränken. Offizielle Beschwerden gibt es bisher nicht viele. Die meisten Anlieger ahnten wohl, was auf sie zukommt und haben sich vorab schon in der Bürgersprechstunde informiert.

Für den Tunnelbau verantwortlich ist die Stadtbahn Europaviertel Projektbaugesellschaft (SBEV), die die Planung innehat und auch die ausführenden Unternehmen beauftragt. Laut Franziska Roth, bei der SBEV für das Anliegermanagement zuständig, habe es bislang kaum Beschwerden gegeben. Sie muss es wissen, schließlich hat sie einen engen Kontakt zu den Gewerbetreibenden und Einzelhändlern im Viertel. Zudem ist Roth Ansprechpartnerin für die Anwohner. Die Zusammenarbeit mit den Anliegern läuft aus ihrer Sicht gut. Um den Wirten möglichst lange die Möglichkeit zu lassen, ihre Gäste draußen zu verköstigen, stimme sie sich wöchentlich mit ihnen ab, sagt sie.

Die gute Zusammenarbeit bestätigt Karsten Boy von der Block House Gruppe, die auch ein Steak-House an der Allee betreibt. Er findet, dass für die Bewirtung in den Sommergärten eine gute Lösung gefunden worden sei. Ähnlich sieht es das Management des Hotels „Capri by Fraser“. Laut Marketingleiterin Sin-Han Thiede freue man sich, Teil des neuen Europaviertels zu sein und glaube, dass sich eine bessere Infrastruktur auch langfristig positiv aufs Geschäft auswirken werde. Bei Ortsvorsteher Oliver Strank (SPD) sind bisher nur zwei, drei Beschwerden per Mail eingegangen, sagt er. Anlass sei der Baulärm gewesen. Tun kann man seiner Einschätzung nach nicht viel. Kontakt mit der Baubehörde habe er deshalb schon gehabt.

Lärmauflagen gelten

Tatsächlich hat das Regierungspräsidium im vergangenen Jahr den Planfeststellungsbeschluss erteilt. Darin sind auch Lärmauflagen gemacht worden. So müsse die Tunnelbohrmaschine eingehaust werden, erläutert Roth. Die riesige Bohrmaschine soll sich 24 Stunden, sieben Tage die Woche in Richtung Güterplatz durchgraben. Gebaut werden dürfe sechs Tage die Woche zwischen sieben und 20 Uhr, sagt Roth. Hinzu kämen vereinzelt Nachtarbeiten. 2022 sollen dann die ersten Züge ins Viertel rollen.

 

Kommentare

  • Immer das gleiche
    geschrieben von stoneman (1 Beiträge) am 20.06.2017 00:51

    Die Infrastrukturmaßnahmen kommen immer zu spät. Der Anschluss an die A661 vom Mertonviertel/Riedberg hat ewig gedauert. Nachdem der Riedberg sehr weit entwickelt war, kam die U8/U9.
    Nachdem das Europaviertel fast fertig ist, beginnen jetzt erst die Arbeiten an der U5.
    Natürlich ist es für die Auslastung der Bahnen besser wenn diese erst gebaut werden, wenn neue Quartiere/Stadtteile fertig sind. Hier müsste aber die Stadt in Vorleistung treten und mit der Erschließung direkt mit der ÖPNV-Infrastruktur beginnen. Was ich so von Freunden aus anderen Großstädten höre, ist es dort auch nicht besser.
    Ich bin gespannt, was passiert, wenn der neue Stadtteil links und rechts der A5 realisiert wird. Kommt die Verlängerung der U-Bahn bis Steinbach erst nach der Entwicklung oder schon während der Erschließung? Hier hätte Frankfurt mal die Möglichkeit die Sache richtig zu machen. Ich fürchte aber, dass es wie immer läuft und zuerst die Straßen mehrbelastet werden, bevor eine Stadtbahn kommt.

  • Wozu auch sich beschweren?
    geschrieben von oscffm (1 Beiträge) am 19.06.2017 11:40

    Die Überschrift des Artikels verkennt die Situation der Anwohner. Die Baustelle ist eine Zumutung für jeden Anlieger und zerstört die Lebensqualität, die man bisher hier hatte. Dass es nur wenige Beschwerden gibt, bedeutet aber nicht, dass die Situation so positiv und akzeptiert sei oder man die Baustelle gelassen hinnehmen würde. Es ist vielmehr Resignation! Denn eine Beschwerde gegen die Baustelle hätte ähnlichen Sinn und Erfolg wie eine Beschwerde gegen den 24.12. als alljährlichen Termin für Weihnachten... Der Ortsvorsteher sagt es ja selbst: "Tun kann man seiner Einschätzung nach nicht viel."



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