Gummibärchen arthroskopieren

Uniklinik Friedrichsheim ludt zum Tag des offenen OPs

Von LAURA OEHL
Maria geht’s gut. Den Arm hat ihr Dr. Daniela Weinmann nur eingegipst, damit Maria mal spürt, dass das gar nicht weh tut. Zuvor hat die Achtjährige Orthopädin spielen dürfen und Kuscheltier Cookie einen Kopfverband verpasst.
Holger Menzel (Holger Menzel)/FNP

Grinsend sitzt die achtjährige Maria am Behandlungstisch, während ihr Arm mit Gips verbunden wird. Bevor Maria an der Reihe war, wurde bereits Kuscheltier Cookie verarztet, das jetzt mit verbundenem Kopf neben ihr sitzt. Marias Arm ist nicht gebrochen, und auch Cookie geht es gut. Im Rahmen des „Tages des offenen OPs“ in der Orthopädischen Klinik Friedrichsheim an der Uniklinik in Niederrad konnten sich neugierige Kinder am Samstag einmal ganz ohne Schmerzen einen Gipsverband verpassen lassen oder an ihren Kuscheltieren selbst zum Arzt werden.

„Gerade Kinder haben oft Angst vor Ärzten oder dem Krankenhaus. Wir wollen sie spielerisch an das Thema heranführen und ihnen die Angst nehmen. Dann sind sie auch viel entspannter, wenn wirklich mal etwas passiert ist“, erklärt Klinikleiterin Andrea Meurer.

Die Orthopädische Klinik verfügt über ein großes Kinderzentrum. Aus diesem Grund ist auch das Programmangebot für Kinder an diesem Tag groß: Neben der Teddyklinik und der Gips-Station steht ein Arthroskop für die Kinder bereit. Mit einer kleinen Kamera können sie in einem Schuhkarton nach Gummibärchen suchen und versuchen, sie mit einer Zange herauszuholen. „Die Gummibärchen-Arthroskopie ist auch eine meiner Lieblingsstationen“, sagt Andrea Meurer. „Es ist einfach süß, wie die Kinder Gummibärchen angeln.“

Die Angst nehmen

Ein Stockwerk höher wird es auch für die erwachsenen Besucher interessant. In drei Operationssälen führen die Chirurgen der Orthopädie Live-Demo-Operationen vor – an Kunstknochen, versteht sich. Knie, Hüfte, Bandscheibe: Alle Eingriffe werden Schritt für Schritt durchgeführt und erklärt. Wer Glück und eine ruhige Hand hat, darf auch assistieren. „Auf diese Weise können wir auch den Erwachsenen das Krankenhaus ohne Angst näher bringen“, erklärt Meurer. Einigen Menschen müsste man erst deutlich machen, dass Medizin tatsächlich helfen könne. Außerdem bekämen die Besucher hier einen einmaligen Blick in den OP-Saal. „Meistens sehen sie den ja nur als Patienten unter Angst oder Schmerzen. Da nimmt man alles ganz anders wahr“, so die Klinikleiterin.

In großen Trauben stehen die Besucher um die Operationstische herum und sehen zu, wie die Ärzte sich durch die Kunstknochen bohren oder künstliche Gelenke einsetzen. Der ein oder andere erkennt sich selbst auf dem OP-Tisch wieder, weil er dieselbe Operation bereits hinter sich hat. So auch Michael Zengerle. Der Frankfurter wurde schon in den Achtzigern in der Klinik am Knie operiert. Jetzt kommt er an den Ort des Geschehens zurück. „Es ist wirklich atemberaubend und hochinteressant“, sagt der 64-Jährige. „Wir haben uns auch schon beim Röntgen und im CT umgesehen.“

Rückkehr zum „Tatort“

Viele ehemalige Patienten sind an diesem Tag gekommen, um sich die Klinik und vor allem die OP-Säle noch einmal anzuschauen. Unter den rund 600 Gästen tummeln sich aber auch viele Familien mit wissbegierigen Kindern. Und auch der ein oder andere Mitarbeiter nutzt den Tag, um seiner Familie seinen Arbeitsplatz präsentieren zu können.

Klinikleiterin Andrea Meurer führt derweil durch die kleine Ausstellung des Orthopädiemuseums. Hier gibt es die abenteuerlichsten Operationstechniken und Prothesen der vergangenen Jahrhunderte zu sehen. „Bitte gehen Sie auch nach oben in die OP-Säle und gucken Sie sich an, wie die Orthopädie heute funktioniert“, sagt Meurer am Ende der Führung zu denjenigen, die noch nicht alles erkundet haben. Die Besucher erleben einen Zeitsprung von mehreren Hundert Jahren. Wie die Forschung sich weiterentwickelt hat, will die Klinik ihren Besuchern an diesem Tag zeigen. „Den Leuten das Fach Orthopädie näher bringen“, so sagt es Meurer. In der Öffentlichkeit komme dieser Bereich der Medizin oft zu kurz. „Orthopädie ist nun mal nicht sexy“, sagt Meurer. Denn hier heile man keine lebensbedrohlichen Krankheiten.

„Gesellschaftspolitisch ist unser Fachgebiet aber sehr wichtig. Denn wir geben den Menschen oft ein wichtiges Stück Lebensqualität zurück.“ Vor allem bei älteren Patienten erlebe sie das oft. „Es ist doch schön, wenn diese Menschen durch eine neue Hüfte noch einige Jahre in ihrer Wohnung leben bleiben können und ein Stück ihrer Selbstständigkeit zurückbekommen“, so Meurer. „Wir wollen zeigen, dass Orthopädie etwas Gutes ist.“

LAURA OEHL