09.11.2017 03:30 | Christian Scheh

Spitzengespräch: Verstärkter Kampf gegen Dealer im Frankfurter Bahnhofsviertel

Frankfurt Der Kampf gegen den Rauschgifthandel im Frankfurter Bahnhofsviertel geht in die nächste Runde. Gestern trafen sich Vertreter von Polizei, Stadt, Bahn und Justiz im Hessischen Innenministerium, um über eine Verbesserung der Situation zu beraten. Oberbürgermeister Peter Feldmann plädierte für ein Alkoholverbot auf einem öffentlichen Platz.

Bei einer Razzia in der Taunusstraße haben Polizisten mehrere mutmaßliche Drogendealer festgesetzt, die sie nun kontrollieren.
Bei einer Razzia in der Taunusstraße haben Polizisten mehrere mutmaßliche Drogendealer festgesetzt, die sie nun kontrollieren. Bild: Bernd Kammerer (.)

Offener Rauschgifthandel, nächtliche Ruhestörung und permanente Vermüllung im Frankfurter Bahnhofsviertel halten die Behörden weiter in Atem. Als die Crack- und Cannabisdealerei rings um den Hauptbahnhof im Jahr 2016 ausuferte, trommelte Frankfurts Sicherheitsdezernent Markus Frank (CDU) hochrangige Vertreter von Polizei, Stadt, Bahn und Justiz zu zwei Spitzengesprächen im Rathaus zusammen. Gestern trafen sich die Behördenleiter und Kommunalpolitiker zum dritten Mal, um über eine Verbesserung der Situation im Bahnhofsgebiet zu beraten.

Dieses Mal fand der Austausch auf Einladung des hessischen Innenministers Peter Beuth in Wiesbaden statt. Seine Unzufriedenheit darüber, dass die Landespolizei die Hauptlast der Maßnahmen im Bahnhofsviertel trägt, hatte der CDU-Politiker im vergangenen Jahr mehrfach zum Ausdruck gebracht. Wie berichtet bildete die Landespolizei im November 2016 die „Besondere Aufbauorganisation Bahnhofsgebiet“ (BAO) und schickte 100 zusätzliche Beamte ins Quartier zwischen Hauptbahnhof und Taunusanlage. Die zeitlich begrenzte BAO soll am 1. Dezember in eine „Regionale Einsatz- und Ermittlungseinheit“ (REE) mit 124 Polizisten überführt werden.

Mit scharfer Kritik an den Sicherheitspartnern der Landespolizei, wie er sie im September bei der Vorstellung der REE geäußert hatte, hielt sich Staatsminister Beuth gestern zurück. Er betonte aber, dass die Landespolizei im zurückliegenden Jahr 250 000 Einsatzstunden im Bahnhofsgebiet geleistet habe. „Der Erfolg hängt auch davon ab, dass alle Beteiligten dort mitmachen.“ Einen Teilnehmer des Spitzengesprächs zitierte Beuth mit dem Wunsch, „dass alle noch eine Schippe drauflegen“ und ihr Engagement im Bahnhofsviertel verstärken.

Alkoholverbot im Kaisersack

Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) überraschte mit einem Plädoyer für ein Alkoholverbot im Kaisersack, das vielen als Tor zur Stadt gilt und regelmäßig von Trinkern bevölkert ist. Er berichtete von verstärkten Reinigungsintervallen im Bahnhofsgebiet – vor den Drogenkonsumräumen reinige die Stadt inzwischen sechs Mal täglich – und kündigte ein Beleuchtungskonzept zur Beseitigung dunkler Ecken und „Angsträumen“ an. Außerdem zusätzliches Personal für die städtische Ausländerbehörde, die für Ausweisung straffällig gewordener Ausländer zuständig ist.

Joachim Moritz, Präsident der Bundespolizei-Direktion Koblenz, zu der auch der Frankfurter Hauptbahnhof gehört, kündigte eine Aufstockung des Personals um 50 Beamte an. Dem Vernehmen nach soll knapp die Hälfte der Beamten der Inspektion Frankfurt zugeordnet werden. Im vergangenen Jahr habe die Dienststelle mit derzeit 250 Bundespolizisten genau 72 Sondereinsätze gegen die Drogenszene initiiert. Die Zahl der Straftaten am Hauptbahnhof werde 2017 im Vergleich zum Vorjahr voraussichtlich von 20 000 auf 17 000 sinken.

Hessens Generalstaatsanwalt Helmut Fünfsinn kündigte an, dass die Frankfurter Staatsanwaltschaft einen zusätzlichen Dezernenten für die Betäubungsmittelabteilung einsetzen wird. Auch beim Amtsgericht der Stadt werde das Personal weiter aufgestockt, um das höhere Fallaufkommen abarbeiten zu können, das mit den intensivierten Polizeikontrollen im Bahnhofsviertel einhergeht.

Neue Videokameras

Klaus Vornhusen, hessischer Konzernbevollmächtigter der Deutschen Bahn, bestätigte, was diese Zeitung schon im September exklusiv berichtet hatte: Die 80 alten, analogen Überwachungskameras des Hauptbahnhofs werden durch 200 neue, digitale ersetzt, und die Technik zur Auswertung der Aufnahmen wird ebenfalls erneuert.

Auch zur Schließung einzelner Auf- und Abgänge der B-Ebene äußerte sich Vornhusen. Weil Rauschgifthändler die zahlreichen Treppen gern als Fluchtweg und Versteck nutzen, hatten die Polizeibehörden eine Prüfung angeregt. Vornhusen berichtete, dass aus Brandschutzgründen nur zwei Aufgänge für eine Schließung in Frage kämen. Die Planfeststellungsunterlagen zu der Maßnahme seien jetzt eingereicht, führte er aus.

Frankfurts Polizeipräsident Gerhard Bereswill betonte, dass die Allgemeinkriminalität im Bahnhofsgebiet durch die Arbeit der BAO mitunter deutlich gesunken sei: beim Taschendiebstahl um etwa 40 Prozent, beim Diebstahl aus Geschäften und Hotels sogar um 50 Prozent. Die Zahl der Drogendealer, die in den vergangenen Monaten im Bahnhofsgebiet identifiziert worden seien, liege bei 300, die Fluktuation sei allerdings sehr hoch.

Bereswill bekräftigte den Nutzen von Videoüberwachung im öffentlichen Raum. Mit der mobilen Anlage an der Kreuzung Düsseldorfer Straße/Niddastraße seien schon mehrere Delikte dokumentiert worden. Neue, feste Überwachungstechnik soll an der Ecke Taunus-/Niddastraße installiert werden. Kommentar Seite 2

Kommentare

  • Ich habe eine Idee:
    geschrieben von Tony207 (26 Beiträge) am

    Wir bauen irgendwo eine Stadt, transportieren alle nicht Anpassungswillige dahin und bauen eine Mauer darum...

    Im Ernst. Immer wieder lesen wir, dass gefasste Kriminelle nach Datenabgleich wieder frei gelassen werden. Da lachen die sich doch einen ab.
    Das hat aber wenig mit den aktuellen Flüchtlingen zutun, das Problem gab es ja auch schon in den 80ern und 90ern.

  • Wer hätte das Gedacht
    geschrieben von Uhu (15 Beiträge) am

    Zitat Kriminaldirektor T.Seidel:"Mit der Flüchtlingswelle vom Herbst 2015 haben wir einen signifikanten Anstieg an Dealern und Konsumenten
    und damit einhergehenden Straftaten in unserem Gebiet beobachtet."
    Die ganzen Bahnhofsklatscher und Samariter waren-sind nicht in der Lage zu begreifen,dass sie nicht nur Flüchtlinge sondern auch eine riesige Anzahl nordafrikanischer Dealer,Mörder,Kriminelle,
    Islamisten usw.euphorisch empfangen haben.
    Zitat Frau Göring-Eckart(Grüne):"Unser Land wird sich drastisch verändern-und ich freue mich darauf!"

  • Keine Bewegung bei der Stadt
    geschrieben von Koala (4 Beiträge) am

    Wenn man betracht, was die Hessische Landespolizei und mit etwas Abstand dahinter die Bundespolizei bislang in dieses Problemviertel an Ressourcen investiert haben und investieren wollen, dann kommt der Vorschlag von Herrn OB Feldmann eigentlich einer völligen Verweigerungshaltung gleich.

    Die Tatsache, dass dem Klientel im “Kaisersack“ nur ein Alkoholproblem andichtet wird, zeugt schon von mangelnder Kenntnis. Das Bahnhofsviertel ist eine Crack- und Heroinhochburg - da wird ein Alkoholverbot gar nichts verändern. Ein Alkoholproblem herrscht auf der Zeil - vor allem am Wochenende. Ein solches Verbot wird aber nichts bringen, weil das Ordnungsamt personell ausgeblutet wurde. Als Sparmaßnahme möchte die Stadt ihre Ordnungskräfte nicht mehr verbeamten - wer will sich diesen Job da noch antun?

    Solange sich kein Politiker an die kommunale Drogenpolitik wagt, wird sich nichts wesentlich ändern. Und die liberale Frankfurter Richterschaft haut allen Bemühungen sowieso den Sargnagel rein.

  • Druckhäuser und permanente Freisprüche von Dealern
    geschrieben von peterriegel (132 Beiträge) am

    >>Offener Rauschgifthandel, nächtliche Ruhestörung und permanente Vermüllung im Frankfurter Bahnhofsviertel halten die Behörden weiter in Atem.<<

    Solange es Druckhäuser für Abhängige gibt, die viel Geld kosten, anstatt die Abhängigen alle einzusammeln, in geschlossenen Einrichtungen zu entziehen, sie mit Arbeit, Arbeit, Arbeit beschäftigen, also zu resozialisieren, wird sich an dem Problem nichts ändern.

    Das gleiche gilt für Dealer: Jeden Tag Razzien und Festnahmen, extrem harte Strafen aussprechen mit anschließender Ausweisung aus Deutschland kann den Sumpf im Bahnhofsviertel trocken legen.

    Was hier seit vielen Jahren in Laissez-faire-Haltung geschieht, hat ja wohl nicht zu einem Erfolg geführt. Also muss die Sache mal hart angegangen werden.

    PS. Mich widert es so an, wenn ich ins/durchs Bahnhofsviertel muss. Ähnlich ist es am Bahn-Gelände. Der Gestank von Urin, sonstige Ausscheidungen und Alkohol ist nur zum ko...n-



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