08.11.2017 03:30 | Christian Scheh

Love Scamming: Wie Heiratsschwindler die Frankfurter Kripo im Internet beschäftigen

Frankfurt Die Frankfurter Kriminalpolizei musste sich zuletzt verstärkt mit der Betrugsmasche „Love Scamming“ befassen. Die Täter bandeln im Internet mit ihren Opfern an, gaukeln ihnen die große Liebe vor und bringen sie zur Überweisung hoher Geldsummen. Eine Frankfurterin verlor in diesem Jahr 140 000 Euro. Sie hatte sich in einen frei erfundenen General der US-Armee verliebt.

ARCHIV - Eine Polizeibeamtin trägt am 19.05.2011 in Frankfurt/Main ihre Dienstwaffe am Gürtel.    (zu dpa-Interview «GdP-Chef Grün ist besorgt über die Entwicklung innerhalb der Polizei» vom 26.12.2016) Foto: Arne Dedert/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
Symbolfoto Polizei Bild: Arne Dedert (dpa)

Die bevorzugten Opfer: einsame Menschen, die sich nichts sehnlicher wünschen als eine Partnerschaft. Die Täter: Mitglieder organisierter Banden aus Westafrika und Osteuropa. Die Schäden: hohe Geldsummen und gebrochene Herzen. Die Masche: „Love Scamming“, mit der sich das Betrugskommissariat (K 23) des Frankfurter Polizeipräsidiums zuletzt immer öfter auseinandersetzen musste.

„,Love Scamming‘ ist eine moderne Form des Heiratsschwindels, die vor allem über das Internet läuft“, erläutert Kriminaloberkommissar Marc George. Weil die Menschen heute verstärkt online nach einem Partner suchten, seien zuletzt auch die Frankfurter Fallzahlen gestiegen. Dutzende „Love Scamming“-Delikte werden Jahr für Jahr angezeigt. Die Kripo geht von einer hohen Dunkelziffer aus, weil die Scham der Opfer meistens sehr groß ist.

Die Täter nehmen den Kontakt zu den „einsamen Herzen“ über Internet-Partnerbörsen, aber auch über soziale Netzwerke auf, sagt George. Unter einer falschen Identität machen sie Komplimente, erschleichen sich langsam Vertrauen und spielen schließlich „die große Liebe“ vor. Wenn die Opfer emotional am Angelhaken hängen, stellen die Betrüger ein Treffen in Aussicht, zu dem es niemals kommt.

In dieser Phase bittet die „Traumfrau“ oder der „Traummann“ auch dringend um die Überweisung einer höheren Geldsumme. „Als Grund werden zum Beispiel eine Kaution, Anwalts- oder Operationskosten genannt“, sagt George. Mitunter erbäten die Täter auch mehrere Zahlungen. „Wenn das Geld geflossen ist, brechen sie den Kontakt dann eiskalt ab.“

Die Opfer seien oft „psychisch am Ende“, wenn ihr Traum vom Glück wie eine Seifenblase zerplatze. So ging es auch einer Frau aus Frankfurt, die sich in diesem Jahr über ein Partnerportal in einen frei erfundenen General der US-Armee verliebte. Für das Fake-Profil, mit dem sie die alleinstehende Frau hereinlegten, benutzten die Betrüger Fotos eines kanadischen Schauspielers. Und natürlich sorgten sie auch für einen sehr intensiven und gefühlvollen Schriftwechsel, der sich über mehrere Monate hinzog.

Irre Lügengeschichte

Die Lügengeschichte in dem Fall ging so: Der US-General ist in Afghanistan stationiert und hat für seinen Kampf gegen die Taliban fünf Millionen Dollar von der Regierung erhalten. Weil er im Armeelager eine so große Summe nicht aufbewahren darf, will er das Geld in einem Koffer von einem Agenten zu seiner Liebsten nach Frankfurt bringen lassen. Damit der Zoll in Saudi-Arabien, einer Zwischenstation der Reise, den Koffer nicht scannt, soll die Frankfurterin 40 000 Euro für ein Zertifikat auf ein Konto in Abu Dhabi überweisen. Sie tut das.

In Saudi-Arabien – so ging die Lügengeschichte weiter – wird der Agent plötzlich festgenommen. Damit das Geld trotzdem nach Frankfurt kommt, soll die Liebste jetzt eine Zahlung in Höhe von 100 000 Euro anweisen. Der US-General beteuert, dass sie später das Doppelte der insgesamt bereitgestellten 140 000 Euro erhalten wird. Die Frau überweist abermals. Das Ende vom Lied singt Kriminaloberkommissar George: „Der Agent tauchte natürlich niemals auf. Und der US-General brach den Kontakt ab.“

Wer nun glaubt, dass nur naive Menschen mit niedrigem Bildungsgrad auf derartige Lügengeschichten hereinfallen, täuscht sich gewaltig: „Viele Opfer sind Akademiker, wir hatten auch schon mit Doktoren und sogar mit einer Klinikleiterin zu tun“, berichtet George. Das Sprichwort „Liebe macht blind“ scheint sich im Fall des „Love Scammings“ einmal mehr zu bewahrheiten.

Dazu passt auch, dass manche Opfer selbst dann nicht an einen Betrug glauben, wenn sie von der Polizei über die Masche aufgeklärt wurden. George berichtet von einem Frankfurter im Alter zwischen 80 und 90 Jahren, der seit etwa zwei Jahren mit einer jungen Frau aus Ghana in Kontakt steht. Nach Schätzung seiner Tochter, die irgendwann misstrauisch wurde und die Polizei verständigte, hat der promovierte Akademiker schon 100 000 Euro überwiesen. Er selbst spricht von 22 000 Euro. Von einem Betrug will der Senior partout nichts wissen: Er werde weder mit der Polizei kooperieren noch den Kontakt zu der Ghanaerin einstellen, stellte er gegenüber den Beamten unmissverständlich klar.

Ausländische Banden

Das „Love Scamming“ werde vor allem von organisierten Banden aus Nigeria und Ghana betrieben, sagt George. Deren Zielgruppe seien vor allem Frauen. Tätergruppen aus Osteuropa zielten eher auf Männer ab und setzten auf die Anziehungskraft hübscher osteuropäischer Mädchen. Weil die Täter vom Ausland aus agierten, seien zur Strafverfolgung Rechtshilfeersuchen nötig, die im Fall der beiden westafrikanischen Länder allerdings so gut wie keine Aussicht auf Erfolg hätten. Europäische Ermittler versuchen seit Jahren vergebens, der „Nigeria-Connection“ beizukommen, die im globalen Internetbetrug eine große Nummer ist.

Die Aufklärungsquote beim „Love Scamming“ ist verschwindend gering. Fälle, in denen Täter gefasst werden, sind nicht nur in Frankfurt, sondern überall die Ausnahme. Umso wichtiger ist aus Sicht der Polizei die Prävention, die Aufklärung über die Masche. „Er hat immer genau das gesagt, was ich hören wollte“, sagte ein weibliches Opfer jüngst der Polizei. Dass Amor seine Liebespfeile ins Gift des Betrugs getaucht hatte, erkannte die Frau erst, als es schon fast zu spät war.

Beratungsstellen

An die Polizeiliche Beratungsstelle, Zeil 33, können sich alle Menschen wenden, die sich über das „Love Scamming“ oder „Romance Scamming“ informieren möchten. Der Polizeiladen ist telefonisch unter der Nummer (0 69) 75 55 55 55 erreichbar. Die Beratungszeiten sind Montag, Mittwoch und Freitag, 8 bis 12 Uhr, und Donnerstag, 16 bis 19 Uhr. Infos zum „Love Scamming“ gibt’s auch unter www.polizei-beratung.de.

( chc)

Kommentare



zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden

Ein neues Posting hinzufügen


Sie dürfen noch Zeichen schreiben.
Füllen Sie bitte die notwendigen Felder für die Registrierung aus.
Geben Sie bitte folgende Daten ein, um sich zu registrieren und Ihren Kommentar zu speichern.
Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet, und nicht ohne Ihre Zustimmung an Dritte weitergegeben werden!

gewünschter Benutzername: *
gewünschtes Passwort: *
Wiederholung Passwort: *
E-Mail: *
Kundennummer falls vorhanden:


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage: Wer rastet, der …?: 

Weitere Artikel aus Frankfurt

Weitere Artikel aus Frankfurt

Frankfurt
|
FNP, FR und FAZ gönnen sich

Die hässlichen Höhepunkte des Hate-Slams 2017

Rubrikenübersicht