17.07.2017 03:30 | Dieter Sattler

Rund um Frankfurt ist „viel Platz“ für Tausende Wohnungen: Wohnungsmangel: Kommunen im Rhein-Main-Gebiet sollen mehr bauen

Frankfurt Das Rhein-Main-Gebiet ist ein Wirtschaftsmotor und zieht viele Menschen an. Doch für sie fehlen Wohnungen. Der Regionalverband FrankfurtRheinMain mahnt die Kommunen im Frankfurter Umland, mehr Wohnungsbau zu ermöglichen als bislang. In der Debatte über Frankfurts geplanten Stadtteil setzte der Verband auf Ausgleich.

Im Rhein-Main-Gebiet werden in den kommenden Jahrzehnten mehr als 517 000 Wohnungen fehlen.
Im Rhein-Main-Gebiet werden in den kommenden Jahrzehnten hundertausende Wohnungen fehlen. Bild: Boris Roessler (dpa)

Experten sind sich einig: Frankfurt kann den zunehmenden Druck auf den Wohnungsmarkt im Ballungsraum nicht allein meistern. „Viele Kommunen im Umland müssen ihre Bautätigkeit erhöhen“, sagt Ludger Stüve (SPD), Direktor des Regionalverbandes FrankfurtRheinMain. Während noch vor Jahren von den etwa 9000 Wohnungen, die jährlich in der Region errichtet werden, rund ein Drittel auf Frankfurt entfiel, sei es jetzt etwa die Hälfte. Das heißt, die Bautätigkeit im Umland ist massiv zurückgegangen.

Was sind die Gründe? Stüve meint, dass viele Bürgermeister sich wegen eines Zuzugs sorgten. Sie freuten sich zwar einerseits über Neubürger, andererseits fürchteten sie die zusätzlichen Kosten für die Infrastruktur (Schulen, Kitas, Straßen), die damit verbunden seien.

Um die Nachfrage in der Region zu befriedigen und etwas Preisdruck wegzunehmen, sieht Stüve einen Bedarf von 14 000 neuen Wohnungen im Jahr. Aufgrund der Wohnungsknappheit fehle vor allem bezahlbarer Wohnraum, heißt es aus dem Hessischen Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Laut Stüve könnten Landesmittel dazu beitragen, den Kommunen die Sorge zu nehmen und ihre bremsende Haltung aufzugeben.

„Großer Hürdenlauf“

Auf ein weiteres Hemmnis der Bautätigkeit haben Region und Land allerdings keinen Einfluss. „Die Planungsprozesse sind komplizierter und langwieriger geworden als früher“, sagt Stüve. Bürgereinsprüche, Umweltprüfungen und weitere Genehmigungsverfahren zögen den Bauprozess in die Länge. Hier könne Berlin durch gesetzliche Erleichterungen helfen. Die Einflussmöglichkeiten des Regionalverbandes dagegen seien begrenzt. „Es gibt die Hoheit der Kommunen“, sagt Stüve. Er findet: „Generell ist in der Region noch viel Platz.“ Von den 2400 Hektar, die 2011 im regionalen Flächennutzungsplan als potenzielles Bauland zwischen Münzenberg und Groß-Gerau, zwischen Hanau und Hofheim ausgemacht wurden, seien erst elf Prozent entwickelt worden. Blieben also immer noch gut 2100 Hektar zu bebauen. Das sind etwa acht Prozent der Gesamtfläche Frankfurts.

Aktuell stoßen die Frankfurter Pläne, einen neuen Stadtteil im Nordwesten zu bauen, auf Widerstand der angrenzenden Städte Steinbach und Oberursel. Das Projekt werde ein „großer Hürdenlauf“, sagte der Erste Beigeordnete des Regionalverbands, Thomas Horn (CDU). Der für rund 30 000 Menschen gedachte Stadtteil mit einer Wohnfläche von rund 200 Hektar könne nur im Einvernehmen mit den angrenzenden Taunus-Gemeinden gebaut werden, mahnt er. Horn war früher Bürgermeister von Kelkheim.

Wichtige Grünflächen

Generell gilt: Selbst wenn mehr Kommunen bauwillig und die Verfahren beschleunigt werden, wird es dauern, bis neue Wohnungen wirklich verfügbar sind. Deshalb heißt das Zauberwort für viele: Nachverdichten. Kann das die größte Not erstmal beheben?

Verbandsdirektor Stüve sieht hier für Frankfurt Grenzen. Vor allem wegen der Veränderung des Klimas. Man müsse auf Luftschneisen und Grünflächen achten, „die Aufenthaltsqualität“ dürfe sich generell nicht verschlechtern, sagt er.

Rolf Janßen, Geschäftsführer des DMB Mieterschutzvereins, wirbt um Verständnis für „Altmieter“, welche die Nachverdichtung manchmal skeptisch sehen. Die Bauarbeiten seien zwar nur vorübergehend, aber wenn Speicher- oder Kellerräume wegfielen, Gemeinschaftsräume von noch mehr Menschen genutzt werden, könne es Spannungen geben.

Das sieht Jürgen H. Conzelmann, Vorstand der Eigentümerschutzgemeinschaft Haus und Grund anders. Aus seiner Sicht könne man noch viel mehr nachverdichten, als bereits geschieht. Er verweist auf eine Studie, nach der in Paris 20 000 Einwohner auf einem Quadratkilometer Stadtfläche leben. In Frankfurt seien es nur 3000.

Viele Frankfurter klagen aber schon heute, man merke am starken Verkehr und an der großen Bautätigkeit, dass die Stadt in den vergangenen zehn Jahren um fast 100 000 Menschen gewachsen sei.

Kommentare

  • http://www.bmub.bund.de/themen/nachhaltigkeit-internationale
    geschrieben von PVPV (274 Beiträge) am 20.07.2017 09:49

    "Im Klimaschutzplan vom November 2016, der die Leitplanken für ein grundsätzliches Umsteuern in Wirtschaft und Gesellschaft auf dem Weg zu einem treibhausgasneutralen Deutschland beschreibt, strebt die Bundesregierung bis 2050 sogar das Flächenverbrauchsziel Netto-Null (Flächenkreislaufwirtschaft) an, womit sie eine Zielsetzung der Europäischen Kommission aufgegriffen hat."

    Im Jahre 2050 endlich wäre es klar, das Cunitz und Josef usw. endlich ihre Finger von den wichtigen Grünflächen lassen müssten.

    Wer nicht so lange warten will macht mit beim Bürgerbegehren www.gruenflaeche-erhalten.de

  • In Frankfurt ist "viel Platz" für Wohnungen
    geschrieben von Seckberry (480 Beiträge) am 17.07.2017 12:33

    Das sieht, sehr gut nachvollziehbar, zumindest Jürgen H. Conzelmann, Vorstand der Eigentümerschutzgemeinschaft.

    Nicht nur aus seiner Sicht kann man in der Tat noch viel mehr nachverdichten, als bereits geschieht. Er verweist auf eine Studie, nach der in Paris 20 000 Einwohner auf einem Quadratkilometer Stadtfläche leben. In Frankfurt seien es nur 3000.

    Die "Besitzstandwahrer" tummeln sich demnach nicht nur, wie vom Regionalverband postuliert, zuhauf im Umland, das liebend gerne seinen "Grünbesitz" wahren will, sondern allemal auch in der Stadt der Reichen und Superreichen, die aber aufgrund ihrer gesellschaftlichen Stellung deutlich mehr Einfluss auf die planerische und ausführende Bautätigkeit in der Metropolregion haben.

    Der Regionalverband FrankfurtRheinMain, der die Kommunen im Frankfurter Umland unmissverständlich auffordert, mehr Wohnungsbau als bisher zu ermöglichen, setzt mitnichten auf Ausgleich, sondern auf deutlich verstärkten Druck und wird damit gewiss erfolgreich sein.



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