Stadtgeflüster

Applaus für die Vernunft

Da herrschte noch eitel Sonnenschein: Roland Kaehlbrandt (l.) und seine Frau Gabriele posieren mit Jan Gerchow und dessen Frau Charlotte Trümpler auf der„Nautilus“.
BERNDKAMMERER@GMX.NET (Presse- und Wirtschaftsdienst)/FNP

Das gab es noch nie. Das „Europa Open Air“ des hr-Sinfonieorchesters und der Europäischen Zentralbank musste gestern nach dem dritten Stück „Le sacre du printemps“ von Igor Strawinski unterbrochen werden. Ein Warnhinweis erschien auf den großen LED-Schirmen: „Aufgrund der Wetterlage müssen wir die Veranstaltung zu Ihrer Sicherheit beenden.“

Das war’s mit der Musik. Die Musiker brachten ihre Instrumente in Sicherheit. Und auch Dirigent Andres Orozco-Estrada ging.

Nicht nur die gut 12 000 Zuhörer vor der Bühne auf der Weseler Werft, wo das ganze zum vierten Mal stattgefunden hatte, mussten das Gelände unverzüglich verlassen. Auch die mehr als 200 Vips auf dem Schiff „Nautilus“ der Primus-Flotte, das rechts vor der Bühne vor Anker lag, mussten gehen.

Wer wollte, hätte zwar auf der „Nautilus“ bleiben können. Nur musste das Schiff ablegen, und keiner konnte sagen, wie lange es dauern würde, bis es wegen des Unwetters wieder anlegen konnte. Geblieben ist niemand.

„So ist das Leben“, sagte Manfred Krupp , Intendant des Hessischen Rundfunks zum Abbruch des Konzertes. „Aber es gab eine klare Ansage: Wenn die Sicherheit sich meldet und bekanntgibt, dass es mehr als nur Regen gibt, dass also die Zuschauer in Gefahr sind, dass dann das Konzert unterbrochen werden muss“, erklärte der Intendant. „Sie haben uns, wie ausgemacht, eine halbe Stunde vor dem Unwetter Bescheid gesagt“, so Manfred Krupp weiter. Ihm sei ein Stein vom Herzen gefallen. Zum einen deshalb, weil die ganze Aktion sehr ruhig und besonnen ablief. Zum anderen aber auch deshalb, „weil die Leute nicht gebuht, sondern sogar applaudiert haben“.

Geklatscht hatte das Publikum auch zuvor oft und ausgiebig. Etwa am frühen Abend beim Konzert der hr-Bigband, die von der Sängerin Viktorija Gecyte begleitet wurde. Und die war schon ein wenig aufgeregt. Nicht etwa, weil sie das Unwetter vorhergesehen hätte, sondern weil dies ihr erster Auftritt in Frankfurt, ihr erstes Konzert in Deutschland und ihr erstes Gastspiel mit der hr-Bigband war. „Aber es ist wundervoll mit solchen Musikern auf der Bühne zu stehen“, sagte die litauische Sängerin nach dem Konzert.

Überzeugt von ihr waren auch die Musiker, allen voran Orchestermanager Olaf Stötzler . Viktorija Gecyte war ihm empfohlen worden – und er hatte sich für sie entschieden, „weil wir die folkloristische Farbe haben wollten, die sie mitbringt“. Für beide Seiten sei es ein „tolles Erlebnis“ gewesen und „eine Wiederholung ist nicht ausgeschlossen“, so Olaf Stötzler.