Stadtgeflüster

Erst Altstadt, dann Tratsch

Von fai
Heidi Mahler und Michael Koch sind begeistert von der neuen Altstadt. Das Ehepaar ist von heute an in dem Schwank „Tratsch im Treppenhaus“ im Fritz-Rémond-Theater zu sehen.
BERNDKAMMERER@GMX.NET (Presse- und Wirtschaftsdienst)/FNP

Das herzliche Lachen hat Schauspielerin Heidi Mahler von ihrer Mutter geerbt, der Hamburger Volkstheater-Legende Heidi Kabel. In deren Paraderolle als klatschsüchtige Reinemachefrau im Schwank „Tratsch im Treppenhaus“ schlüpft nun die 74-Jährige zum Saisonstart des Fritz-Rémond-Theaters. Heidi Mahlers dritter Ehemann Michael Koch führt Regie und tritt in einer Nebenrolle auf. Am heutigen Donnerstag ist Premiere.

Kurz nachdem das Ehepaar in der Nähe der Kleinmarkthalle für sechs Wochen Quartier bezogen hat, erkundet es schon die neue Altstadt. „Wir kennen Frankfurt von früheren Auftritten. Toll, was hier entstanden ist“, schwärmen die beiden. Begeistert bewundern sie die Fassaden und erkundigen sich nach der Historie der Häuser. Am Stoltze-Denkmal kommt die Sprache auf das Denkmal, das man Heidi Kabel vor dem neuen Hamburger Ohnsorg-Theater setzte – eine Bronzefigur mit Hauskittel, da die Mimin oft Hausfrauen darstellte. „Das Denkmal gönne ich ihr sehr, sie war so fleißig“, sagt die Tochter und staunt: „Wie sie das alles geschafft hat, die vielen Rollen zu lernen und zu Hause drei Kinder groß zu ziehen.“

Ebenso innig sei das Verhältnis von Mutter und Tochter auf der Bühne gewesen: „Meine Mutter war mir eher Vorbild als Lehrmeisterin. Sie wartete ab, bis ich sie um Hilfe bat.“ Eine kostbare Erinnerung kommt Heidi Mahler in den Sinn: „Wir spielten den ,Faust’ auf Plattdeutsch. Nach der Probe trug meine Mutter mir im Auto das Gretchen-Gedicht vor. Mir kamen die Tränen, so wunderbar sprach sie“, erinnert sich Heidi Mahler. Ihr kommen beim Erzählen wieder die Tränen, der Ehemann beschwichtigt und erklärt, das Emotionale habe sie vom Vater. Die Tochter nickt: „Wie mein schon 1970 verstorbener Vater Hans Mahler bin ich nah am Wasser gebaut, bin leicht gerührt. Meine Mutter, die streng erzogen worden war und als Kind nur hinter der Gardine weinen durfte, verhielt sich zeitlebens weitaus gefasster.“

Nun also der Klassiker „Tratsch im Treppenhaus“, ein Stück, das durch die Fernsehübertragungen aus dem alten Ohnsorg-Theater Generationen bekannt ist. Das Zeitkolorit wurde in der Neuauflage bewahrt, so Michael Koch: „Es spielt nach wie vor in den frühen 1960er Jahren. Wenn man das Stück aktualisierte, verlöre es seinen Charme. Die Zeiten in einem Mietshaus waren damals andere, Untermieter etwa gehörten zum Alltag.“ Ihre Hauptrolle legt Heidi Mahler nach dem mütterlichen Vorbild an, inklusive norddeutschem Zungenschlag. An früheren Spielorten kam das großartig an. Dass Volkstheater so gut wie nicht mehr im Fernsehen übertragen werde, bedauert das sympathische Ehepaar sehr, auch die Dialektpflege bliebe damit auf der Strecke.

Sind die beiden nicht auf Tournee, ziehen sie sich in ihr Fachwerkhaus auf dem Land bei Aachen zurück. Früher hielten sie dort Schafe und Pferde. „Spielen muss ich nicht mehr, aber ich habe einfach immer noch große Lust darauf“, betont Heidi Mahler, deren Mutter mit 84 Jahren zuletzt auf der Bühne stand. Klatsch als Tribut von Prominenz ist der berühmten Tochter nicht fremd. Das müsse man versuchen auszublenden, sagt sie. Auch dann, wenn man beispielsweise beim Besuch des Londoner Towers plötzlich laut angesprochen werde: „Sind Sie nicht die Tochter von Heidi Kabel?

(fai)

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