18.03.2017 03:30 | Enrico Sauda

Namensgeber: José Carreras kämpft

Frankfurt Der Star-Tenor weiht am Uni-Klinikum eine Ambulanz ein, die seinen Namen trägt.

Der Direktor der Medizinischen Klinik II am Uni-Klinikum, Hubert Serve (r.), bedankt sich bei Tenor José Carreras (l). Bilder >
Der Direktor der Medizinischen Klinik II am Uni-Klinikum, Hubert Serve (r.), bedankt sich bei Tenor José Carreras (l). Bild: Bernd Kammerer (.)

Morgen gibt er ein Konzert in der Alten Oper. Gestern Mittag aber widmete sich Star-Tenor José Carreras einer anderen Aufgabe: Der 70-Jährige weihte am Universitätsklinikum die nach ihm benannte Ambulanz für molekulare Therapien ein. „Ich bin zwar Sänger und habe einen Auftritt, doch der wichtigere Termin ist dieser“, sagte Carreras.

Hintergrund: Die deutsche „José Carreras Leukämie“-Stiftung engagiert sich bereits seit vielen Jahren für die Krebsforschung an der Uni der Mainmetropole. Das zeigt sich auch an der Spendensumme: Fast sechs Millionen Euro hat die gemeinnütziger Organisation des Sängers der Uni zur Verfügung gestellt. So viel Hilfe muss „belohnt“ werden, und so erhielt die neugestaltete Spezialambulanz den Namen „José Carreras Ambulanz für molekulare Therapien“. „Nach eigener, schwerer Krankheit löste er eine Bewegung aus, die ihresgleichen sucht“, sagte Hubert Serve, Direktor der Medizinischen Klinik II am Uni-Klinikum. „Das macht ihn zum Botschafter dieser Krankheit, der wir sonst vielleicht nicht so viel Aufmerksamkeit gewidmet hätten“, sagte Professor Thomas Klingebiel , Prodekan und Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin. Das gestrige Aufeinandertreffen war übrigens nicht das erste von Carreras und Graf. Die beiden begegneten sich vor gut drei Jahrzehnten bereits einmal. „Das war vor einem Aufzug im Jahr 1988 in Wien“, erinnert sich Graf. „Und zwar kurz nach seiner Transplantation und kurz vor seinem ersten Konzert nach dem Eingriff.“ Leider kam es nicht zur gemeinsamen Fahrt im Aufzug, weil Carreras nach oben wollte, Graf aber nach unten. „Die Ambulanz ist ein besonderer Ort für mich und die Stiftung“, so der Tenor, der vor gut 30 Jahren an Leukämie erkrankt war. Sein Ziel: Dass in Zukunft Leukämie heilbar sein wird.

Doch er besiegte die Krankheit. „Meine Heilung gab mir den Grund, dieser und anderer Bluterkrankungen, den Kampf anzusagen. Dies hat Vorrang in meinem Leben“, berichtet er. „Meine Arbeit gab mir die Gelegenheit, die Krankheit bekannt zu machen“, so Carreras, der 1995 die deutsche Stiftung gegründet hat, auch weil er die Zuneigung, die ihm hier zuteil wurde, durch die Stiftungsarbeit zurückgeben wollte, wie er sagte. „Nach mehr 20 Jahren der Zusammenarbeit muss ich sagen, dass diese Verpflichtung in Frankfurt eine der besten ist, die ich je eingegangen bin“, so Carreras, der „auch die nächsten 25 Jahre mit der Johann-Wolfgang-von-Goethe-Universität“ zusammenarbeiten möchte. Carreras zeigte sich an diesem Mittag sehr zugänglich, gab Autogramme, beantwortete Fragen – gab sich, seinem Naturell entsprechend, bescheiden. „Er ist immer sehr bescheiden, was seinen eigenen Beitrag zur Leukämie-Forschung betrifft. Aber diese Bescheidenheit ist vollkommen unberechtigt“, so Professor Graf.

Der Startenor, der übrigens für diesen Termin eigens eine Visagistin dabei hatte, traf gestern nicht nur die Koryphäen der Ärzteschaft, sondern auch Jürgen Burgstett , der erste Patient in Hessen, bei dem 1990 eine Knochenmarkstransplantation erfolgreich verlief, der also geheilt wurde. Der war damals selbst Profimusiker im Orchester, spielte Trompete, und wurde nach seiner Heilung Arzt. Zeit, zum Konzert in die Alte Oper zu gehen, hat Burgstett allerdings nicht: „Ich bin nicht von hier und muss wieder nach Hause.“ Das liegt in Ostfriesland, wo er als Landarzt tätig ist. „Bei mir war es wie bei José Carreras. Nur, dass er eine Stiftung gründete und ich Menschen heilen will.“

(es)

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