Abkühlung

Tierärzte raten, was Hunde bei diesen Temperaturen gut tut

Von Alexander Schneider
Hunde mit dunklem Fell leiden laut Experten unter der Hitze mehr als helle Vierbeiner. Alle hingegen lieben das Spielen mit Wasser bei dieser Hitze.
Arne Dedert (dpa)/FNP

„Bei diesem Wetter schickt man keinen Hund vor die Tür“, heißt es bekanntlich. Gemeint ist damit zwar eher „Schmuddelwetter“, das Sprichwort gilt aber auch in der aktuellen Periode der Hundstage.

Wochenlang „Ü30“-Wetter ist eine arge Strapaze, alle leiden darunter, stöhnen und – sicher lästig, aber gesund – schwitzen um die Wette. Wenn sie denn schwitzen können. Da geht es den Menschen wie den Leuten, aber den Hunden nicht wie den Menschen.

Der Mensch kann schwitzen, bis zu einem Liter pro Tag, Hunde dagegen nur eingeschränkt. Deshalb sollte man sie derzeit zwar nicht vor die Tür schicken, wenn sie freiwillig raus wollen, sollte man sie aber lassen.

Hunde wissen oft besser was gut für sie ist, als ihre Menschen. Und wenn sich ein Hund in die pralle Sonne legt, dann will er sich in die pralle Sonne legen. Das sagt selbst Tierarzt Dr. Peter Scholl: „Wenn es dem Hund zu warm wird, geht er von ganz alleine in den Schatten.“ Jedoch sollten sie jederzeit schattige Plätzchen in Haus und Garten aufsuchen können.

Immer frisches Wasser

Hunde sollten zwar immer frisches Wasser haben. In diesen hochsommerlichen Tagen ist es aber umso wichtiger, dass sie, wann immer ihnen danach ist, trinken können. Beinahe jede Art von Abkühlung ist erlaubt.

Wenn Hunde wasserliebend sind, sollte man sie, wo es geht und erlaubt ist in Bächen und Tümpeln „plantschen“ lassen. Leiden sie erkennbar unter der Hitze, ist es auch der Abkühlung dienlich, ihnen mit feuchten Handtüchern Linderung zu verschaffen und die Beine damit einzupacken. Auch kann man feuchte Tücher an einen schattigen Platz auslegen, damit der Hund sich bei Bedarf drauflegen kann.

Davon, ihnen nasse T-Shirts anzuziehen, raten Tierärzte indes ab, weil die Hunde sie, wenn es ihnen durch die Verdunstungskälte zu kühl wird, nicht ausziehen können.

Gefahr der Gastritis

Im Netz liest man viel davon, dass ein „Bällchen Vanilleeis“ nicht schaden kann. Peter Scholl rät davon jedoch ab: „Das schmeckt dem Hund sicher, birgt aber die Gefahr, dass er sich eine Gastritis holt.“ Auch rät Scholl dazu, die Futterration um etwa ein Drittel zu reduzieren, da Hunde im Ruhemodus weniger Energie verbrauchen.

Das Ruhebedürfnis des Hundes sollte grundsätzlich respektiert werden, momentan umso mehr. Auf keinen Fall sollten Hunde bei Temperaturen um oder über 30 Grad zu körperlichen Aktivitäten animiert werden. Spaziergänge, dazu rät der Grävenwiesbacher Tierarzt Gerit Matthesen, sollten in die kühleren Tageszeiten morgens und am Abend verlegt werden und auch dann nicht zu Gewaltmärschen ausarten. Sinnvoll ist es, bei Spaziergängen Trinkwasser für den Hund mitzuführen. Heißer Asphalt sollte gemieden werden.

Ansonsten ist bei Ü30-Wetter „Ruhe die erste Hundehalterpflicht“. Und Aufmerksamkeit. Dunkle Hunde leiden mehr als helle. „Dunkles Fell speichert mehr Wärme als helles, daran lässt sich aber nunmal nichts ändern“, sagt Scholl. Helle Hunde mit lichterem Fell sind dagegen eher gefährdet, sich einen Sonnenbrand einzufangen, an den kahleren Stellen des Bauchs, aber auch innen an den Schenkeln. Zu viel Sonne abbekommen kann aber auch die Nase. Dr. Scholl rät dazu, die gefährdeten Stellen mit einem Sonnenschutz für Babys einzucremen, notfalls auch häufiger, denn die Creme könnte abgeleckt werden, was zwar nichts schadet, dann aber nicht mehr gegen die Sonne hilft.

Auf keine Fall einsperren

Absolut einig sind sich die von uns befragten Tierärzte wenn es um die „Todesfalle Auto“ geht. Selbst bei teilweise herabgelassenem Fenster sollten Hunde auf gar keinen Fall im Auto eingesperrt bleiben, auch nicht für kurze Zeit. Autos heizen sich unheimlich schnell auf, was bei Hunden leicht zum Kreislaufkollaps führt, wenn nicht sogar zum Tode.

Starkes Hecheln, Schaum vor dem Maul, eine angeschwollene Zunge und torkelnder Gang sind untrügliche Anzeichen für einen drohenden Kreislaufkollaps. Halter sollten in diesem Fall nicht zögern, unverzüglich einen Tierarzt aufzusuchen und dem Hund auf dem Transport Kühlung durch nasse, aber auch nicht zu kalte Tücher verschaffen.

Alexander Schneider