10.11.2017 03:30 | Tatjana Seibt

Urselbach-Gymnasium schließt: „Geldgeber der Schule fürchten sich“

Oberursel Das Urselbach-Gymnasium schließt, so viel ist nun sicher. Alle Rettungsversuche sind gescheitert. Die Hintergründe dafür, sieht Geschäftsführer Talat Askin in der Türkei. Einer der Schulgründer sitze dort fest, berichtet er.

In diesem Gebäude im Gewerbegebiet Drei Hasen ist das Urselbach-Gymnasium seit 2013 untergebracht.
In diesem Gebäude im Gewerbegebiet Drei Hasen ist das Urselbach-Gymnasium seit 2013 untergebracht.

Das Aus für das Urselbach-Gymnasium in Oberursel ist besiegelt. Seit Montagabend steht fest, dass es trotz der Willensbekundung von Eltern wohl keine Möglichkeit mehr gibt, den Betrieb der Privatschule über das Ende des ersten Halbjahres hinaus am Laufen zu halten. Bereits vor über einer Woche teilte Geschäftsführer Talat Askin den Eltern zunächst per Mail, dann schriftlich mit, dass die Schule auf Grund finanzieller Schwierigkeiten schließen muss. Dies soll zum Ende des ersten Schulhalbjahres, also Ende Januar der Fall sein. Bis dahin läuft der Schulbetrieb aber regulär weiter.

 

„Wir brauchen jeden Monat etwa 50 000 Euro“ sagte Askin im Gespräch mit dieser Zeitung. Das sei in der Vergangenheit kein Problem gewesen, da die Schule über wenigsten fünf private Hauptsponsoren verfügte. Doch genau da liegt das Problem. Denn die Sponsoren, die im Wesentlichen zu den Gründern der Schule gehören, haben eine enge Beziehung zur Gülen-Bewegung, wie Askin nun erstmals auch offiziell bestätigte.

Zwar habe das auf das pädagogische Konzept keinen Einfluss gehabt, „das mussten wir auch vom Staatlichen Schulamt absegnen lassen“. Aber die Geldgeber „fürchten sich und spüren den langen Arm des türkischen Präsidenten Erdogan“, sagte Askin. Deshalb hätten sie ihre finanzielle Unterstützung versagt, wohl auch nicht zuletzt, weil einem der Schulgründer in der Türkei der Pass abgenommen worden sei. „Nun sitzt er dort fest“, sagte Askin.

Diese und weitere Nachrichten haben die Geldgeber, vor allem aber auch einige Eltern in Unruhe versetzt, nicht erst seit dem Putsch-Versuch in der Türkei, für den Recep Tayyip Erdogan die Gülen-Bewegung verantwortlich machte. „Wir hatten einen Fall, in dem die Eltern eine schriftliche Bestätigung wollten, dass wir keine Gülen-Schule sind, was wir auch bestätigt haben“, schildert Askin.

Basis der Finanzierung

Außer dem Schulgeld, staatlichem Zuschuss und Spenden basiert das Finanzierungskonzept zu einem großen Teil auf der Spendenbereitschaft eben jener Schulgründer, die der Gesellschaft für freie Schulen und Bildung Rhein-Main gemeinnützige GmbH angehören. Eine Mutter-GmbH, die das Schulgebäude kaufte, inzwischen aber Insolvenz angemeldet hat und nun von BBL Bernsau Brockdorff verwaltet wird. „Die ersten Besichtigungstermine mit Interessenten hat es schon gegeben“, sagte Askin.

Träger der Schule ist seit 2016 die Urselbach Schulen gGmbH, Talat Askin seit 2015 Geschäftsführer. Nach Bekanntwerden der Schulpleite habe es unter den Eltern eine Umfrage gegeben, bei der die Spendenbereitschaft und Schulgelderhöhungen abgefragt wurden. Von den 94 Schülern, hätten 61 Eltern an der Umfrage teilgenommen, „aber das Ergebnis war, wenig überraschend, dass das Geld, das man bereit ist zu zahlen, nicht ausreichen wird“, sagte Askin.

Erste Kündigungen

Und offenbar haben sich einige Eltern bereits damit abgefunden, denn den ersten Schulwechsel hat es bereits gegeben, zwei weitere Kündigungen liegen bereits vor. „Sollte die Zahl unter 74 Schüler sinken, dann wird es schwierig den Betrieb aufrecht zu erhalten, sollte sich dann noch ein Geldgeber finden“, sagte Askin. Doch auch mit einer neuen Geldquelle müsse der Finanzplan dann zunächst wieder beim Staatlichen Schulamt eingereicht werden, „die wissen aber, dass wir knapp bei Kasse sind.“

Denn außer dem Schulbetrieb, der zwischen 500 000 bis 600 000 Euro „je nachdem was wir im Jahr noch kaufen müssen“, kostet, „steht der Träger der Schule, der das Gebäude gekauft hat, mit acht Millionen Euro in der Schuld“, rechnet der Geschäftsführer vor. 3500 Quadratmeter umfasst das Grundstück, das im Gewerbegebiet Drei Hasen liegt, inklusive Außenanlagen, für das die Schule monatlich allein 30 000 Euro Mietkosten zahlt.

Er gehe davon aus, dass nun bis zu 15 Prozent der Schüler sofort wechseln, für alle anderen werde der Betrieb bis zum Schuljahresende sicher gestellt. „Da sind wir in der Pflicht und diese Zeit ist auch finanziell sicher abgedeckt.“

Eine Vielzahl der Eltern sei bereits dabei, sich um einen neuen Schulplatz zu bemühen, vor allem bei der Humboldtschule in Bad Homburg, die eine der wenigen Schulen mit Spanisch als zweiter Fremdsprache ist. „Das haben hier viele unserer Schüler“, sagte Askin.

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