10.11.2017 03:30 |

Main Taunus International School: Streit geht weiter: Schulgebäude ohne Wasser

Friedrichsdorf Der Streit zwischen der Main Taunus International School und ihrem Vermieter verschärft sich. Es geht um Forderungen in Höhe von fast 600 000 Euro.

Friedrichsdorf,MTIS
Friedrichsdorf,MTIS Bild: Jochen Reichwein

Große Aufregung am Mittwoch in der Main Taunus International School (MTIS): Im Neubau, in dem die Unter- und Mittelstufenschüler unterrichtet werden, gab es, wie Eltern berichteten, kein Wasser mehr. Das bestätigte die Leiterin des Staatlichen Schulamtes in Friedberg, Dr. Rosemarie zur Heiden: „Kein Wasser bedeutet, keine funktionsfähigen Toiletten. Daher hat die Leiterin der Privatschule die Eltern informiert, dass der Unterricht ausfalle.“ Die Schüler seien nach Hause gegangen oder im zweiten – älteren – Schulgebäude betreut worden, bis sie abgeholt werden konnten. „In diesem Gebäude, in dem Verwaltung und Grundschule untergebracht sind, funktionierten die sanitären Anlagen noch.“ Gestern jedoch sei auch im neuen Gebäude alles wieder normal gewesen und der Unterricht habe stattgefunden.

Was da am Mittwoch los war? Auf unsere Anfrage bei Schul-Gesellschafter Hans-Peter Dahlmann, der die frühere Rhein-Main-International School (Rims) 2015 übernommen hat, antwortete uns dessen Rechtsanwalt Dr. Tobias Hermann gestern: „Wie sich am gestrigen Tage (gemeint ist der Mittwoch, Anm. d. Red. ) herausgestellt hat, ist im Auftrag unseres Vermieters und ohne unsere Kenntnis, der Hausmeister in das an die MTIS vermietete Objekt eingedrungen und hat die Wasserzufuhr widerrechtlich gestört.“

Verfügung erwirkt

Diese Vorgehensweise des Vermieters stelle eine eklatante Rechtsverletzung dar, zumal er sich über den laufenden Rechtsstreit hinweggesetzt habe und eigenmächtig habe Fakten schaffen wollen. „Es handelt sich dabei um verbotene Eigenmacht des Vermieters“, so Hermann weiter. Und: „Wir haben daraufhin beim Amtsgericht Bad Homburg eine einstweilige Verfügung erwirkt, so dass der Vermieter die Wasserversorgung wieder herstellen musste und das Schulgebäude nicht mehr alleine betreten darf.“ Jede Zuwiderhandlung gegen dieses Verbot werde mit einem Ordnungsgeld bis zu 250 000 Euro oder Ordnungshaft bestraft. Weitere strafrechtliche Schritte befänden sich in Prüfung.

Was der Vermieter dazu sagt? Johann Heyken, der die Vermieter Rühl AG & Co. chemische Fabrik KG und die Rühl Immobilien Entwicklungsgesellschaft (RIG) Bildungspark Friedrichsdorf GmbH & Co. KG. vertritt, erklärte gestern nur, er sei zu keiner Stellungnahme bereit. Der Vermieter befindet sich in einem Rechtsstreit mit der Schule und hat ihr bereits vor Monaten fristlos und hilfsweise ordentlich zum 15. August 2018 gekündigt. Der Grund: In einem früheren Gespräch hatte Heyken berichtet, dass die Schule seit November 2016 keine Miete mehr gezahlt habe, insgesamt fehlten dadurch Mieteinnahmen in Höhe von fast 600 000 Euro. Dahlmann wiederum hatte die Mietminderung mit „gutachterlich bestätigten Baumängeln“ begründet. Und Heyken hatte daraufhin erklärt, dass weder ihm noch seinem Anwalt ein solches Gutachten bekannt sei.

Hermann weiter: „Soweit aus der bisherigen Berichterstattung der Eindruck entstanden sein sollte, die Main Taunus International School habe Zahlungsschwierigkeiten, ist dies falsch. Die finanzielle Leistungsfähigkeit der Main Taunus International School ist in keinster Weise in Gefahr und somit auch nicht der Fortbestand der Schule!“

Unverschuldete Verzögerung

Zu den Beschwerden von Lehrern, sie hätten für Oktober kein Gehalt bekommen, schreibt Herrmann: „Bei der Verzögerung ging es um einen sehr kurzen Zeitraum, der von unserem Steuerbüro zu vertreten war, welches nicht rechtzeitig die Gehaltsabrechnungen erstellen konnte. Ein entsprechendes Schreiben bestätigt und entschuldigt diesen Zustand. Die MTIS hatte die Verzögerung in keinster Weise zu vertreten. Die Gehaltszahlungen sind inzwischen nachgeholt worden. Unsere Mitarbeiter hatten wir mehrfach transparent auf diese Verzögerung hingewiesen.“

Und was ist mit den rund 140 Schülern und den Kindergartenkindern im nächsten Sommer, wenn die fristgerechte Kündigung greift? Hermann schreibt: „Mehrere Investoren stehen bereit, den neuen Campus mit der MTIS umzusetzen. Gespräche mit den hier Verantwortlichen laufen bereits. Der Magistrat der Stadt Friedrichsdorf ist involviert und informiert. Hierzu liegen uns schriftliche Aussagen vor. Es werden mehrere Optionen durchleuchtet und geprüft. Das zuständige Stadtschulamt und unsere Eltern werden transparent über jede Möglichkeit und jeden vorhandenem Investor informiert werden.“

Friedrichsdorfs Bürgermeister Horst Burghardt (Grüne) dagegen sagte gestern: „Im künftigen Gewerbepark ist keine Schule realisierbar.“ Der Magistrat habe da keine Handlungsoptionen, auch wenn Dahlmann etwas anderes behaupte. Falls Dahlmann dagegen private Grundstücke für den Campus in Erwägung ziehe, so müsse das zunächst geprüft werden.

Kommentare

  • Ärgerlicher Zustand
    geschrieben von rockyrobbe (1 Beiträge) am

    Es ist hier insbesondere für die Eltern ärgerlich die mit einer ständigen Unsicherheit bezüglich der schulischen Zukunft Ihrer Kinder leben müssen.
    Ich hoffe doch sehr dass sich der Schulträger und der Vermieter hier schnell einigen können. Laut den Bericht liest sich das momentan wie ein ziemliches Rumgeiere.

    Vielleicht sollte man ein solches Szenario der Unsicherheit auch in die gängigen Ratgeber zu privaten Schulen einbauen. Vor kurzem habe ich erst einen richtig guten gelesen (https://www.private-bildung.com/ratgeber/klischees-und-mythen-bei-privatschulen) und da kam ein Szenario wie das hier beschriebene nicht vor.



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