10.11.2017 03:30 |

Abwasserverband investiert in die Kläranlage: Teures Regenwasser

Friedrichsdorf Die Stadt muss die Bürger vor Überschwemmungen schützen. Denn es gibt immer mehr Starkregen-Ereignisse. Bürgermeister Horst Burghardt ist zugleich Vorsitzender des Abwasserverbandes Oberes Erlenbachtal und erklärt, was da getan wird.

Das Regenrückhaltebecken nahe dem Sonnendeck am Rehlingsbach ist aus Beton. Nicht weit davon steht die kleine biologische Kläranlage, erkennbar am Schilf. Wenn das Regenrückhaltebecken überläuft, muss das Wasser durch das Schilfbecken.
Das Regenrückhaltebecken nahe dem Sonnendeck am Rehlingsbach ist aus Beton. Nicht weit davon steht die kleine biologische Kläranlage, erkennbar am Schilf. Wenn das Regenrückhaltebecken überläuft, muss das Wasser durch das Schilfbecken.

Kilometerweit läuft die braune Brühe durch den Kanal. Die Vorstellung ist unappetitlich, aber irgendwie muss das schmutzige Wasser bis zur Kläranlage kommen. „Jetzt werden im ganzen Stadtgebiet weitere Stauraum-Kanäle gebraucht, und das ist teuer“, berichtete Bürgermeister Horst Burghardt (Grüne) im Haupt- und Finanzausschuss. Er ist nicht nur seit 20 Jahren Friedrichsdorfer Stadtoberhaupt, sondern auch seit genauso langer Zeit Vorsitzender des Abwasserverbandes Oberes Erlenbachtal.

Ein Stauraum-Kanal ist ganz einfach ein dickeres Stück Kanalrohr, in dem das Wasser ein Weilchen stehen kann, ohne dass es den Kanaldeckel nach oben drückt. „Ein Stauraum-Kanalrohr hat einen Durchmesser von 90 Zentimeter, ein normales Rohr hat nur 40 Zentimeter Durchmesser“, erklärt Burghardt. Warum jetzt mehr dicke Rohre gebraucht werden? „Wir haben immer größere Starkregen-Ereignisse.“ Daher haben sich die Vorschriften geändert. Die Menge des sogenannten „Bemessungs-Regens“ sei größer geworden.

Zwei neue Wohngebiete

Neue Stauraum-Kanäle würden auch bei den beiden künftigen Wohngebieten Ökosiedlung und frühere Philipp-Reis-Schule/Hoher Weg vorgesehen. „Die werden von den beiden Bauträgern gebaut, gehen dann erst ins Eigentum der Stadt über und von dort ins Eigentum des Abwasserverbandes.

Und was ist mit Regenrückhaltebecken? „Die kann man nur dort einrichten, wo keine Straßen sind.“ Neben dem Bolzplatz an der Berliner Straße sei eines. „Das erkennt man aber von außen nicht, da ist nur ein Kanaldeckel“, erklärt Burghardt. Ein Rückhaltebecken, das man sieht, ist dagegen nahe dem Sonnendeck am Rehlingsbach zu bewundern. Es ist aus Beton. Nicht weit davon steht die kleine biologische Kläranlage, erkennbar am Schilf. „Wenn das Regenrückhaltebecken überläuft, muss das Wasser durch das Schilfbecken. In diesem Reinigungsbecken werden Schadstoffe, und zwar vor allem Phosphate und Nitrate gebunden.“ Anschließend werde das Wasser in den Rehlingsbach geleitet.

Phosphate-Grenzwerte

Apropos Schadstoffe: Nach einer Gesetzesänderung dürfen Kläranlagen künftig nur noch zehn Prozent Phosphate in Gewässer einleiten. Und zwar im Fall des Abwasserverbandes in den Erlenbach. „Daher müssen wir eine Million Euro in die Kläranlage investieren.“ Und damit nicht genug: Auch die Grenzwerte für Nitrate würden demnächst herabgesetzt. In der Diskussion sei derzeit sogar die Keimfreiheit der Abwässer. „Aber das ist nur mit Ozonierung (eine Methode zur Abwasserbehandlung; Anm. d. Red. ) möglich.“ Ebenfalls erwogen werde, Phosphate aus dem Klärschlamm zurückzugewinnen, damit sie wieder als Dünger eingesetzt werden könnten. „Denn Phosphate werden zum Mangelprodukt.“ Die Rückgewinnung sei jedoch, wie die Ozonierung, derzeit noch im Versuchslabor-Stadium und sehr teuer.

Was die Sache beim Thema Phosphate erschwert: „Die Umbauten müssen wir im laufenden Kläranlagen-Betrieb machen.“ Unter anderem müssten Bypässe (also Umleitungen) gelegt werden. „Wir können ja schließlich kein Schmutzwasser in den Bach leiten.“ Außerdem laufen derzeit noch die Umbauten in Sachen Energie, und zwar schon seit 2014. Zwischendurch habe sich eine Firma aus dem Projekt verabschiedet, so dass eine neue gesucht werden musste, was Zeit gekostet habe. Unterdessen seien zu allem Überfluss die Baupreise gestiegen. „Insgesamt investieren wir jedes Jahr fünf Millionen Euro in die Kläranlage, und ich nehme an, das geht bis 2021 so weiter.“

Eigentlich müsste der Abwasserverband wohl die Gebühren für die Mitgliedskommunen erhöhen. Aber die haben wahrscheinlich Glück: „Das Rechnungsprüfungsamt hat uns verpflichtet, unsere Rücklage, die derzeit eine Million Euro beträgt, aufzulösen. So verwenden wir jetzt drei Jahre hintereinander jeweils 330 000 Euro davon für Investionen.“ Das Rücklagengeld war in der Vergangenheit von Kommunenbeiträgen übrig geblieben, und der Abwasserverband hatte es auf die hohe Kante gelegt. Das darf er jetzt nicht mehr.

Mitglieder des Abwasserverbandes Oberes Erlenbachtal sind die Gemeinde Wehrheim für ihre Ortsteile Wehrheim und Obernhain, die Stadt Friedrichsdorf und die Stadt Bad Homburg für ihren Stadtteil Ober-Erlenbach.

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