11.11.2017 03:30 | Nicole Jost

Ausstellung in Dreieich: Die Vielfalt der Adventskalender

Dreieich 1908 wurde in Deutschland der Adventskalender erfunden. Mittlerweile gibt es die kuriosesten Varianten. Im Dreieich-Museum können bald sowohl Klassiker als auch moderne Exemplare bestaunt werden.

Rita (links) und Judith Breuer bestücken die sechste Weihnachtsausstellung für das Dreieich-Museum in Dreieichenhain. Dieses Jahr dreht sich alles um den Advent und die Adventskalender.  Fotos. Nicole Jost
Rita (links) und Judith Breuer bestücken die sechste Weihnachtsausstellung für das Dreieich-Museum in Dreieichenhain. Dieses Jahr dreht sich alles um den Advent und die Adventskalender. Fotos. Nicole Jost

Die Schaufenster sind schon festlich dekoriert, die Menschen machen sich Gedanken, was sie ihren Liebsten schenken, und die ersten Adventskalender stehen sicherlich auch bereit. Es sind noch 20 Tage bis viele Kinder mit glänzenden Augen das erste Türchen öffnen dürfen. Jeder Tag des Wartens auf das Christkind wird dann mit Schokolade, einer anderen Süßigkeit oder vielleicht mit einem kleinen Spielzeug verkürzt.

Ein Kalender aus früher Zeit. 1908 wurden die Papierbögen erfunden.
Ein Kalender aus früher Zeit. 1908 wurden die Papierbögen erfunden.

Der Adventskalender ist tatsächlich eine deutsche Erfindung. Das Dreieich-Museum zeigt ab Samstag, 25. November, die Kulturgeschichte der 24 Türchen bis zum Heiligen Abend. Rita Breuer und ihre Tochter Judith versüßen den Dreieichern nun schon im fünften Jahr in Folge die Vorweihnachtszeit. Es lohnt sich, einen Blick auf die Sammlung des Mutter-Tochter-Gespanns aus dem Sauerland zu werfen. Die über die Jahre gesammelten Exponate bieten eine schöne Gelegenheit, im vorweihnachtlichen Stress auf die Wurzeln der Weihnachtstraditionen zu blicken.

Im „Rosinenbomber“

Rita Breuer hat auf Floh- und Antikmärkten sowie Online-Auktionen immer nach den schönsten Stücken Ausschau gehalten. „Es gibt ein paar Stücke, auf die ich besonders stolz bin“, verrät die Sammlerin. Dazu gehört ein Kalender aus der US-Zone aus dem Jahr 1952. Da kommt der Nikolaus im „Rosinenbomber“, mit dem nur wenige Jahre zuvor die Menschen in Berlin über die Luftbrücke mit Lebensmitteln versorgt wurden. In den Kriegsjahren mussten die Kinder auf Adventskalender verzichten – ab 1940 kam die Produktion fast komplett zum Erliegen. „Das ist sicher mit dem Papiermangel zu erklären, aber es gab auch eine Zensur gegenüber religiösen Druckerzeugnissen“, erklärt Rita Breuer.

Das Adventshäuschen ist eine Nachbildung eines der ersten dreidimensionalen Adventskalender. Es erschien im Jahr 1925.
Das Adventshäuschen ist eine Nachbildung eines der ersten dreidimensionalen Adventskalender. Es erschien im Jahr 1925.

Nach Kriegsende entwickelten sich die Kalender wieder weiter. Es gab Bastelkalender, die Tag um Tag die Weihnachtskrippe vollständiger werden ließen. Im Dreieich-Museum sind auch gezeichnete Kalender mit Märchenfiguren zu sehen, einige mit Glitzer, andere mit Engeln. „Meist haben Kinderbuchillustratoren die Gestaltung übernommen“, erläutert Rita Breuer.

Jeden Tag ein Bildchen

Im Luther-Jahr stellen Judith und Rita Breuer auch markante Luther-Gemälde aus, die ihn am Weihnachtsabend im Kreise seiner Familie zeigen. Mit Weihnachtsbaum und Hausmusik – und da liegt auch der Fehler: „Vor 500 Jahren war der Weihnachtsbaum noch gar nicht erfunden. Die späteren Malereien haben Martin Luther aber dennoch einen gemütlichen Christbaum beschert“, berichtet Judith Breuer schmunzelnd.

Ein von Hand gemalter Adventskalender mit Märchen-Motiv ist ebenfalls in der Ausstellung im Dreieich-Museum zu sehen.
Ein von Hand gemalter Adventskalender mit Märchen-Motiv ist ebenfalls in der Ausstellung im Dreieich-Museum zu sehen.

Noch etwas zu den Wurzeln der Adventskalender: Der erste Kalender erschien 1908. Gerhard Lang erinnerte sich an die Bemühungen seiner Mutter, ihm als Kind die Vorweihnachtszeit mit kleinen Überraschungen zu verschönern. Sie backte Kekse mit 24 Ziffern – für jeden Tag eine. Lang erfand, davon inspiriert, einen Papierkalender, der aus zwei Teilen bestand: Auf einem Bogen waren 24 Zahlen mit kleinen Gedichten abgedruckt, auf einem zweiten weihnachtliche Motive, die zu den Gedichten passten. So konnten die Kinder jeden Tag ein Bildchen ausschneiden und auf das Kalenderpapier aufkleben – bis am 24. Dezember das Bild komplett war. „Weihnachten war zu dieser Zeit ja etwas ganz besonders. Die Kinder fieberten darauf hin – auf das eine besondere Geschenk, das es eben nur an Weihnachten gab“, erzählt Breuer. Dieses Gefühl der puren Freude drücken auch alte Fotografien aus, die ebenfalls im Dreieich-Museum zu sehen sind.

Die Erfindung von Lang, dessen Premiere in der Sammlung der Breuers als Reproduktion vorhanden ist, war eine riesige Erfolgsgeschichte. Heute gibt es weltweit Adventskalender. Die jüngsten Variationen mit Bierdosen, Hundeleckerlis oder Rubbellosen sind ebenfalls in Dreieichenhain ausgestellt.

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