10.11.2017 03:30 |

Erhalt der Insekten: Großer Einsatz für kleine Tiere

Rüsselsheim Weniger summen, kaum noch flattern: Die Zahl der Insekten sinkt stark in Deutschland. Was tut man in Rüsselsheim gegen das Massensterben der kleinen Tiere?

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Bild: Michael Reichel (dpa-Zentralbild)

Wo sind all die Insekten hin? Früher wurde man noch einmal pro Sommer von einer Wespe gestochen, heute wissen viele Kinder nicht einmal mehr, ob sie vielleicht allergisch gegen die Stiche der Tiere sind. Jüngst wurde bekannt, dass in Deutschland ein massives Insektensterben im Gange ist. Laut einer Studie, die niederländische, deutsche und britische Wissenschaftler unlängst in einer Fachzeitschrift veröffentlicht haben, habe die Zahl der fliegenden Insekten in Deutschland dramatisch abgenommen. Zu diesem Schluss kommen die Wissenschaftler, nachdem sie den Inhalt von Insektenfallen analysiert haben.

In den vergangenen 27 Jahren wurden zu diesem Zweck an 63 verschiedenen Orten in Nordrhein-Westfalen, Brandenburg und Rheinland-Pfalz Fallen aufgestellt. Darin verfingen sich im Laufe der Jahre Millionen Falter, Käfer, Wespen und andere fliegende Insekten. Diese Zahlen lieferten nun ein ernüchterndes Ergebnis: Seit 1989 ist die Zahl der Insekten um durchschnittlich 76 Prozent zurückgegangen. Die Studie wurde im gesamten Bundesgebiet mit großer Sorge zur Kenntnis genommen. So auch in Rüsselsheim.

Laut einer Auskunft aus dem Rathaus erhebt die Stadt selbst keine Daten zur Entwicklung von Insektenpopulationen und kann daher einen Rückgang nicht mit Zahlen belegen. Dennoch setzt man sich in der Opel-Stadt seit Jahren für den Artenschutz ein. „Zur Erhaltung und Aufwertung von Biotopen hat die Stadt im Jahr 2006 ein Waldbaukonzept entwickelt.“ Dieses Konzept sieht verschiedene Maßnahmen vor, etwa die Umwandlung von Fehlbestockungen und die Aufwertung von Fauna-Flora-Habitaten.

Nutzungsverzicht

Dazu hat sich die Stadt einen Nutzungsverzicht in Alteichen- und Altbuchenbeständen auferlegt. „Bis heute sind rund sieben Prozent der Waldflächen der Stadt aus der Nutzung genommen worden. Gerade alte Laubholzbestände sind hervorragende Biotope, die einer Vielzahl von Arten Lebensraum bieten“, wie es in einer Mitteilung weiter heißt. Zudem sei der Rückbau von versiegelten Waldwegen und Straßen in geringem Umfang geplant sowie eine Förderung der Sukzession: „Hier geht es um die natürliche Verjüngung innerhalb der Waldbestände. Wo immer möglich, wird heute der natürlichen Verjüngung Vorrang vor einer Kunstverjüngung gegeben. Dies verbessert die Artenvielfalt und ermöglicht einen vielgestaltigen Waldaufbau.“

Besonderes Augenmerk wird laut Stadt auch auf die Anlage von Feuchtgebieten gelegt: „Es wurden im Stadtwald in den vergangenen drei Jahren bereits drei Feuchtgebiete angelegt. Mitte der neunziger Jahre sind in der Gemarkung Rüsselsheim eine Vielzahl an Tümpeln in den Waldflächen angelegt worden, die heute dazu beitragen, dass viele ans Wasser angebundene Arten eine Überlebenschance erhalten.

Zudem versucht die Stadt, jedes Jahr neue Flächen für die Biodiversität zur Verfügung zu stellen. Dazu zählt beispielsweise das Main-Biotop, das sich Angaben der Stadt zufolge in den letzten Jahren „hervorragend entwickelt“ hat. Dazu wurden weitere Feuchtgebiete innerhalb des Stadtwaldes – insbesondere im Bereich Königstädten – in Zusammenarbeit mit dem Naturschutzbund angelegt. Im nächsten Jahr sei die Anlage eines Feuchtgebietes in den Schwarzbachwiesen vorgesehen.

Mehr Blütenpflanzen

„Es ist aus unserer Sicht wichtig, dass in der Feldgemarkung ausreichend Blütenpflanzen vorhanden sind, um dem Rückgang von Insektenpopulationen entgegenzuwirken. Hier bieten sich beispielsweise Blühstreifen an“, sagt Reinhard Ebert, Leiter des Bereiches Umwelt und Naturschutz der Stadt.

Der desaströse Zustand der Fauna treibt auch den Rüsselsheimer Nabu-Chef Dieter Baumgardt um. Seit Jahren kümmert sich der 60-Jährige um den Naturschutz in der Opel-Stadt und in Raunheim. Er klagt: „Die Menschen wissen zu wenig über die Natur. Ihnen muss klar werden, dass es das Wertvollste ist, was wir haben.“

In Rüsselsheim kritisiert er vor allem die Umgestaltung des Mainvorlands: „Das Gebiet am Fluss zählt zu den Hessischen Mainauen, und das ist ein Landschaftsschutzgebiet. Aber von Schutz kann man da doch nicht sprechen“, so der Nabu-Chef im Vorfeld des Hessentags.

Die bestürzten Reaktionen auf die nun veröffentlichte Studie hält er für angemessen: „Man muss verstehen, dass das Aussterben der Arten wie ein kleiner Weltuntergang ist.“ Er hofft, dass vor allem die Politik zukünftig mehr Geld in die Hand nimmt, um die Natur zu schützen.

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