Eigenes Evangelium

Johannesgemeinde macht sich zum Geburtstag ein besonderes Geschenk

Von Leo Postl
Stefan Böhm setzt in der Johanneskirche als Zweiter die Abschrift des Johannes-Evangeliums fort. Hinten von links verfolgen Pfarrerin Silke Henning, Pfarrerin Mechthild Dietrich-Milk und Sabine Seib das Geschehen.
Leo F. Postl/FNP

In der Evangelischen Johanneskirche Neu-Isenburg steht seit Sonntag ein Schreibtisch, darauf ein Tintenfässchen mit Schreibfeder. Daneben eine Mappe mit eingezeichneter Markierung für ein Blatt Papier, davor die aufgeschlagene Bibel. Dies alles mit Blick auf die „Original-Schreibstube“ von Martin Luther. Dort steht ein sehr barocker Schreibtisch mit Stuhl, an der Wand hängt das Bildnis des großen Reformators.

Doch was hat dies alles zu bedeuten? Was vor der Erfindung des Buchdrucks ganz normal war, das ist heute eine echte Besonderheit, eine handgeschriebene Bibel. Zum 60-jährigen Bestehen will sich die Johannesgemeinde ein ganz besonderes Geschenk machen: ein „eigenes“, weil von Gemeindemitgliedern handgeschriebenes Johannes-Evangeliar.

„Wir haben lange überlegt und uns auch beraten, welches besondere Geschenk wir uns selbst für unser Jubiläum zum 60-jährigen Bestehen machten könnten“, erklärt Pfarrerin Silke Henning die Vorgeschichte. Als Johannesgemeinde sollte es einen engen Bezug zum Namensgeber der Kirchengemeinde haben. „Zur Auswahl standen noch Johannes der Täufer oder eine andere biblische Begebenheit, in der ein Johannes im Mittelpunkt steht“, schildert die Pfarrerin.

Persönliche Note

Schließlich haben sich alle für Johannes, den Verfasser des Johannes-Evangeliums, entschieden. „Wir hätten uns dieses Evangelium als besonders schön aufgemachte Druckversion herstellen lassen können, aber wir wollten noch eine ganz persönliche Note unserer Gemeinde mit einbinden“, beschreibt Silke Henning die gedanklichen Vorarbeiten.

„Wieso nicht das Johannes-Evangelium selbst, durch möglichst viele Gemeindemitglieder, abschreiben und dann zu einem Büchlein binden lassen?“ lautete dann die Intension. Das war die zündende Idee zum besonderen Jubiläumsgeschenk. „Durch die verschiedenen Handschriften der sich beteiligenden Gemeindemitglieder wird nicht nur ein direkter Bezug zum Zeitraum des Jubiläums hergestellt, das finale Werk wird dadurch auch viel lebendiger“, ist Pfarrerin Silke Henning schon jetzt begeistert.

Immer wenn die Johanneskirche in der Friedrichstraße offen ist, kann jeder eintreten, sich an den Schreibtisch setzen und eine Passage in seiner Handschrift zu Papier bringen. Damit alles in der richtigen Reihenfolge abläuft, liegt ein Notizblatt daneben, auf dem jeder den Anfang und Beginn seiner Schreibaktion einträgt.

Auch für Kinder

„Es können alle, die bei der Aktion mitmachen möchten, hier Platz nehmen und in Ruhe einzelne Passagen aus der Bibel auf vorliegende Bögen übertragen. Es können kurze oder lange Passagen ausgewählt werden, man kann als Gruppe oder alleine kommen“, schildert Silke Henning. Am Sonntag, 16. September, soll dann aber Schluss sein. „Wir würden uns freuen, wenn sich auch Kinder daran beteiligen würden, sie könnten ein Bild malen, das wir dann zwischen die handgeschriebenen Blätter einfügen“, lädt Pfarrerin Silke Henning beispielsweise auch Kindertagesstätten oder Schulklassen ein.

Beim Gemeindefest am 16. September sollen dann die ersten Ergebnisse präsentiert werden. Für die Ewigkeit als Buch gebunden wird das so geschaffene Johannes-Evangeliar durch die Druckerei „mt druck“. Von deren Seite hat Andreas Thiele schon sein Mitwirken zugesichert.

Den Anfang machte Mathias Volz, stellvertretender Vorsitzender des Kirchenvorstandes. Er setzte eine erste Passage mit seiner Handschrift auf das vorbereitet Papier, beobachtet von Pfarrerin Silke Henning, Sabine Seib, Stefan Böhm und Pfarrerin Mechthild Dietrich-Milk, die auch Vorsitzende des Kirchenvorstandes ist. Dann folgte Stefan Böhm, ebenfalls Mitglied des Gemeindevorstandes.

Das so abgeschriebene Johannes-Evangeliar wird zusätzlich eingescannt und ein Taschenbuch daraus gemacht. „Alle, die mitmachen, bekommen das handgeschriebene Johannes-Evangelium im Anschluss geschenkt“, versichert Mechthild Dietrich-Milk. Ohne Zweifel eine schöne Möglichkeit, um sich zu verewigen.

Leo Postl