09.11.2017 03:00 | Leo Postl

Gerhard Gräber: Von Jugendgangs, Schlupflöchern und falschen Katholiken

Neu-Isenburg Augenzwinkernd berichtete Gerhard Gräber auf Einladung der Kolpingfamilie über seine Jugend im Isenburger Westen. Die Zuhörer lauschten gespannt.

Ein Abend über die „Taunussträßler“: Gerhard Gräber hatte so manche Anekdote zu erzählen.
Ein Abend über die „Taunussträßler“: Gerhard Gräber hatte so manche Anekdote zu erzählen. Bild: Leo F. Postl

Wenn ein bestimmter „Kippen-Pfiff“ durch die Isenburger Taunusstraße schrillte, dann ließen die Mitglieder der „Jugendgang“ alles stehen und rannten zum vereinbarten Treffpunkt. „Dann war was im Busch, meist stand ein Problem mit einer anderen Jugendgang an“, beschrieb Gerhard Gräber die damalige Situation.

Man muss wissen, die Hugenottenstadt war unter Jugendgruppen, den Kippen, in Reviere aufgeteilt worden, in denen andere Jugendliche nichts zu melden hatten, ja nicht einmal geduldet wurden. „Das war eine harte, aber tolle Zeit“, sagte Gräber und streicht sich durch den Bart.

In friedlicher Absicht

Wie es damals in der Taunusstraße und im Westen von Neu-Isenburg zuging, das erzählte der „Taunussträßler“ lebhaft den gespannt lauschenden Gästen, die auf Einladung der Kolpingfamilie ins katholische Gemeindezentrums St. Josef gekommen waren. Manchmal ließ es sich jedoch nicht vermeiden, dass die Kippen in friedlicher Absicht aufeinander trafen, so wie sonntags in den „Kali“, wie die Kammerlichtspiele unter den Jugendlichen nur genannt wurden.

„Unsere Kippe war eine der jüngsten, und wenn wir unsere Plätze ziemlich vorne eingenommen hatten und dann die stärkere Kippe aus der Schillerstraße kam, reichte nur ein Fingerzeig, dann räumten wir freiwillig das Feld“, schilderte Gräber die Regeln. „Wenn wir Glück hatten, konnten wir eine noch schwächere Kippe von ihren Plätzen vertreiben – die mussten dann halt stehen.“

Mit Zündplättchen

Aber es gab auch Situationen, da waren alle gleich, wie beim „Schlubben“ am Waldschwimmbad. Von den Eltern bekam man zwar die 50 Pfennig für den legalen Eintritt, doch diese investierten viele Jugendliche lieber in die begehrten Viking-Modellautos. Um dennoch ins Schwimmbad zu gelangen, sind sie dann halt irgendwo durchgeschlüpft – das ging so lange gut, bis der Bademeister das Schlupfloch entdeckt hatte.

Silvester war die hohe Zeit des „erlaubten“ Schabernacks für die Jugend. Da wurde durch einen Böller so mancher Briefkasten aus den Angeln gehoben, und wenn im Karneval mit den eigenen Pistolen, die mit Zündplättchen bestückt waren, im Kino zu den Wild-West-Filmen geschossen wurde, raste der Filmvorführer.

Zum Schmunzeln war auch die Geschichte, als der evangelische Gerhard Gräber auf dem Weg zur katholischen Bücherei von St. Josef eigens das Bekreuzigen übte, da er dort ein bestimmtes Buch ausleihen wollte. Nach dem „Gelobt sei Jesus Christus“ vor dem Büchereiverwalter brach hinter ihm die lachende Meute seiner katholischen Freunde los. Mit seinen jetzigen Ausführungen im Gemeindezentrum St. Josef sorgte Gräber ebenfalls für so manchen Lacher.

(lp)

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