21.04.2017 03:30 | Anken Bohnhorst-Vollmer

Prozessbeginn gegen 25-jährigen: Bewaffneter Überfall für 240 Euro

Limburg/Villmar Wegen bewaffnetem Raubüberfall auf ein Spielcasino in Villmar steht seit gestern ein 25-jähriger Mann aus Limburg vor der 5. Großen Strafkammer des Landgerichts. Mit einer vorgehaltenen Pistole hatte er einen Angestellten bedroht – und knapp 240 Euro erbeutet.

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Der Jackpot betrug 238,60 Euro. Das war die Beute, die der heute 25-jährige Angeklagte gemeinsam mit einem unbekannten Mittäter bei seinem Überfall auf das Spielcasino in Villmar machte. Der Betrag ist überschaubar, die Vorgehensweise der beiden eine bizarre Mischung aus Brutalität und Höflichkeit, wie die Aussage des Spielcasino-Angestellten am ersten Prozesstag andeutete.

„Wo Kasse? Wo Kasse?“

Der berichtete, an jenem 10. April 2014 habe er gegen drei Uhr morgens, eine Stunde vor dem Ende seiner Schicht, gerade mit den üblichen Putz- und Aufräumarbeiten in den Casinoräumen begonnen, als zwei dunkel gekleidete, maskierte Männer den Raum betraten und zunächst „Wo Kasse? Wo Kasse?“ riefen. Einer der Männer, der jetzt Angeklagte, sei mit einer Pistole bewaffnet gewesen. Der andere habe mit einem Notfallhammer hantiert, erinnerte sich der Zeuge. Ohne zu zögern sei er mit den Räubern zur Kasse gegangen, wobei ihn der Angeklagte mehrmals mit der Waffe bedroht habe. Dann aber „wurde ich gebeten, die Kasse zu öffnen“, in „höflichem, nicht aggressivem Ton“, sagte der Angestellte aus. Zwar habe er die Täter darauf hingewiesen, dass der Bargeldbestand in der Kasse stets gering gehalten werde, aber das interessierte die Männer nicht. Vielmehr stopften sie das Münzgeld so hastig in ihre Hosentaschen, dass Münzen im Wert von insgesamt etwa 90 Euro auf den Boden fielen oder übersehen wurden. Nachdem sie die Kasse geplündert hatten, flohen sie aus dem Casino in Richtung Ortsmitte.

Zwei Gäste, die sich zu dieser Zeit noch an den Spielautomaten beschäftigten, erlebten den Überfall indes weniger höflich. Beide gaben an, dass sie sich von den ihnen unbekannten Tätern bedroht fühlten und eingeschüchtert wurden. Sie seien angewiesen worden, sich „umzudrehen und die Klappe zu halten“, gaben diese Zeugen an. An Flucht hätten sie nicht gedacht, weil sie fürchteten, dass der bewaffnete Täter dann schießen würde. Auch sie bestätigten die dunkle Kleidung und die Maskierung mit Sturmhauben. An weitere Details konnten sich die Zeugen nicht erinnern. Den auf der Anklagebank sitzenden Täter konnten sie somit nicht identifizieren. Der ließ denn auch durch seinen Verteidiger mitteilen, dass er „keine Angaben zum Fall“ machen werde.

Fest steht jedoch, dass der 25-Jährige, der in Diez geboren und in Limburg aufgewachsen ist, in der Vergangenheit bereits mehrmals straffällig geworden ist. 2007 wurde er wegen Diebstahl und Bedrohung zu mehrtägigem Jugendarrest verurteilt. Ein Jahr später erhielt er unter anderem wegen Sachbeschädigung, schwerem Raub und gefährlicher Körperverletzung eine Jugendstrafe von drei Jahren und drei Monaten; 2011 wurde der junge Mann in den offenen Vollzug überstellt. In dieser Zeit lernte er seine damalige Freundin und Mutter seines inzwischen vierjährigen Kindes kennen.

Die Beziehung zu der jungen Frau habe sich aber offenbar schwierig gestaltet, trug der Vorsitzende Richter Marco Schneider vor, und zitierte aus dem letzten rechtskräftigen Urteil gegen den Angeklagten, das im April 2015 gefällt wurde. Damals war der Angeklagte unter anderem auch wegen Körperverletzung und Vergewaltigung seiner Freundin schuldig gesprochen und zu einer Haft von fünf Jahren und sechs Monaten verurteilt worden. In diese Gesamtstrafe, die er derzeit in der JVA Butzbach absitzt, war auch ein Fluchtversuch eingeflossen, den der Angeklagte am 1. August 2014 bei einem Verfahren vor dem Amtsgericht unternommen hatte.

Beamten überlistet

Bei der Überstellung vom Amtsgericht zum Untersuchungsgefängnis hatte der junge Mann die Justizvollzugsbeamten überlistet und sich in der Hecke eines naheliegenden Grundstückes versteckt. Gefasst wurde er schließlich im Limburger Ortsteil Offheim. Bei seiner Festnahme hatte er die Polizeibeamten beleidigt, massiv bedroht und um sich getreten. Ein Sachverständiger hatte im letzten Prozess festgestellt, dass der heute 25-jährige Mann, der weder einen Schulabschluss erworben noch eine Berufsausbildung absolviert hat, „unerzogen, unreif und schwer erziehbar“ sei.

Der Prozess wird am kommenden Dienstag um 9 Uhr fortgesetzt.

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