Nachwuchs begeistert

Ein Collie als Klassenkamerad an der Marienschule

Von KERSTIN KAMINSKY
Sabina Datum ist Lehrerin an der Marienschule. Als Co-Pädagoge begleitet sie ihr zum Schulhund ausgebildeter Collierüde Arkani in ausgewählte Unterrichtsstunden.
Kerstin Kaminsky/FNP

Wenn Sabina Datum mit ihrem fünfjährigen amerikanischen Collierüden Arkani an der Marienschule aus dem Auto steigt, weiß das sensible Tier, dass er gleich eine Aufgabe zu erfüllen hat. Arkani ist ein ausgebildeter Schulhund und Co-Pädagoge der Religionslehrerin. Seine Anwesenheit im Klassenzimmer sorgt für eine gute Atmosphäre und eine entspannte Stimmung.

Im Alter von drei Jahren hatte Arkani die Hundepubertät überwunden und war seelisch ausgereift. „Nun zeichnete sich ab, dass er von seinem Wesen und Charakter her vieles von dem mitbringt, was in der tiergestützten Pädagogik erforderlich ist“, erzählt Sabina Datum, die sich schon länger mit dem Thema beschäftigt hatte. In der Nähe von Aachen fand sie ein Institut, das sich auf die Ausbildung von Schulhunden spezialisiert hatte.

Frauchen ausgebildet

In einer Reihe von Wochenendkursen, insgesamt 64 Zeitstunden, wurde nicht nur das Tier auf die Anforderungen im schulischen Einsatz vorbereitet. Auch die Halterin musste ein Lernprogramm absolvieren. Da ging es um rechtliche Voraussetzungen für den Schulhundeeinsatz, um die verschiedenen Einsatzmöglichkeiten des Vierbeiners im Unterricht oder die Ausarbeitung eines Konzepts. Auch das rechtzeitige Erkennen einer möglichen Überforderung des Tieres gehörte zu den Bausteinen der theoretischen Ausbildung. Im praktischen Teil lernte Arkani verschiedene Kreisspiele kennen, übte Gehorsam und Unterordnung und wurde darauf trainiert, Körpersprache zu verstehen. Zusätzlich hat Arkani die Begleithundeprüfung abgelegt und ist als Besuchshund in sozialen Einrichtungen tätig.

„Erst als ich das Zertifikat über die erfolgreiche Schulhund-Ausbildung in Händen hielt, unterbreitete ich die Idee im Kollegium“, erzählt Sabina Datum. Dr. Henrike Zilling, die Leiterin der Marienschule, sei sofort begeistert gewesen, und für das Schuljahr 2016/17 wurde die Einrichtung von je einer Hunde-AG in den Jahrgangsstufen fünf und sechs vereinbart. Hier lernen die Schüler auf freiwilliger Basis den Umgang mit Arkani, wie er zu führen ist und wie er auf Befehle reagiert. Natürlich durften sie auch kuscheln. Wichtiger war aber, die Bedürfnisse des Hundes zu erahnen oder kleine Tricks mit ihm zu erarbeiten. „Die Kinder sind unheimlich stolz, wenn sie merken, dass der Hund sie respektiert und auf sie hört“, weiß die Lehrkraft. Zugleich müssen die Heranwachsenden aber auch begreifen, dass so eine AG-Stunde für Arkani sehr anstrengend sein kann, und seine Grenzen akzeptieren.

Seit Beginn dieses Schuljahres setzt Sabina Datum den Schulhund auch im regulären Unterricht ein. „Für den Anfang darf Arkani mich in die Religionsstunden einer ausgewählten Jungenklasse begleiten“, freut sie sich. Natürlich sei im Vorfeld abgeklärt worden, dass keiner der Schüler auf Tierhaare allergisch reagiert und die Eltern mit dem vierbeinigen Co-Pädagogen einverstanden sind.

Feste Regeln

Dass die Kinder den schönen und sanftmütigen Hund lieben, steht außer Frage. Doch damit es mit der tiergestützten Pädagogik tatsächlich klappt, müssen von vornherein feste Regeln mit der Klasse vereinbart werden. „Das ist nicht nur eine mündliche Abrede“, stellt die Lehrerin klar. Jeder Schüler müsse sich vertraglich zu Ruhe verpflichten und zustimmen, dass Arkani sich im Unterricht frei bewegen darf, aber nicht gerufen wird.

„Das Tier hat ganz feine Antennen und wird von ganz allein erkennen, wenn ein Kind ihn braucht“, vertraut Sabina Datum ihrem Collie.

Doch nicht nur Einzelne würden von dem Schulhund profitieren, so die Lehrerin. Es sei wissenschaftlich erwiesen, dass die Anwesenheit eines Hundes im Unterricht Stress reduzieren kann und durch ein ruhigeres Gruppenklima zum Gelingen von Lern- und Arbeitsprozessen beiträgt. Die Schüler übten sich zudem in ganzheitlicher Kommunikation und lernten, die eigenen Bedürfnisse zurückzustecken und Befindlichkeiten eines anderen besser wahrzunehmen.

KERSTIN KAMINSKY