09.11.2017 03:30 |

Situation von Flüchtlingen im Kreis: Experte: "Vor allem Wohnungen sind rar"

Limburg „Die Flüchtlingskrise ist noch nicht beendet.“ Das sagte Dirk Schmidt, Fachdienstleiter Migration beim Landkreis Limburg-Weilburg, am Dienstag den Mitgliedern des Limburger Sozialausschusses. Auch in der Domstadt seien noch viele Herausforderungen zu meistern.

In der „Oase“ gab es eine Kinderecke. Die längerfristige Betreuung der Flüchtlingskinder in Kitas erweist sich als Problem.
In der „Oase“ gab es eine Kinderecke. Die längerfristige Betreuung der Flüchtlingskinder in Kitas erweist sich als Problem.

Viele Zahlen hatte Dirk Schmidt, Fachdienstleiter Migration beim Landkreis Limburg-Weilburg, den Mitgliedern des Sozialausschusses mitgebracht. Jede Woche kommen durchschnittlich 13 neue Asylsuchende in den Landkreis, berichtete er. Ein Teil davon wird in Limburg untergebracht. Von den insgesamt 966 Plätzen der 19 Gemeinschaftsunterkünfte in der Stadt seien derzeit 546 Plätze besetzt, erläuterte der Fachdienstleiter. Man achte darauf, die drei großen Unterkünfte eher schwach zu belegen, um ein Zusammenleben von zu vielen Menschen auf engem Raum zu vermeiden.

Dort liegt die Auslastung bei rund 41 Prozent. Die kleineren Häuser mit 14 bis 30 Plätzen seien dagegen zu 77 Prozent besetzt. Die meisten Flüchtlinge wohnen in der Kernstadt (215 Personen) und in Staffel (170 Personen). Mehr als zwei Drittel der Flüchtlinge in Limburg sind 40 Jahre und jünger. Eine Besonderheit in Limburg sei eine Gemeinschaftsunterkunft nur für Frauen in Offheim. Von den 18 Plätzen seien derzeit elf besetzt. Außerdem sei eine Ausbildungs-Gemeinschaftsunterkunft bei der Containerwohnanlage in Blumenrod geplant, in denen man den besonderen Bedürfnissen von Auszubildenden und Schülern besser gerecht werden könne.

Es gebe keine Probleme durch die Gemeinschaftsunterkünfte mit der Nachbarschaft, betonte Schmidt. Alkohol und Drogen gebe es in den Unterkünften nicht mehr als an anderen Orten auch. Aber natürlich komme es immer wieder zu Spannungen, wenn viele Personen eng zusammenleben. „Das wäre bei allen Menschen so.“

Tagesstruktur wichtig

Die Situation verschärfe sich, wenn die Betroffenen keine Perspektive für sich sähen, beispielsweise, weil ihr Asylantrag abgelehnt wurde, oder sie keine Tagesstruktur hätten. Welche Angebote diesen Menschen denn gemacht würden, wollte Kai-Hagen Maiwald (Linke) wissen. „Wenn jemand möchte, wird er Angebote finden“, sagte Schmidt. Seien es Sprach- oder Integrationskurse, Initiativen von Ehrenamtlichen oder von Schulen. „Aber wir finden natürlich nicht zu jedem einen Zugang.“ Es gebe keine Möglichkeit, eine Verweigerung von Angeboten zu bestrafen. Zum einen könne man die Menschen nicht in die Obdachlosigkeit schicken, zum anderen lebten sie schon am Existenzminimum, so dass an ein Bußgeld nicht zu denken sei, verdeutlichte Schmidt.

Wie es komme, dass viele Flüchtlinge teure Handys und auffallend gute Kleidung hätten, wenn sie doch am Existenzminimum lebten, gab Sigrid Wolf (CDU), Ortsvorsteherin der Kernstadt, eine Frage weiter, mit der sie selbst immer wieder konfrontiert werde. Schmidt hob die besondere Bedeutung der Handys für die Flüchtlinge hervor, weil sie damit den Kontakt zu ihren Familien und auch untereinander hielten. Und wenn sie einen besonderen Wert auf die Kleidung legten, sei das ihre Sache.

Brigitta Hohnel (FDP) sprach die problematische Situation am Limburger Bahnhof an, wo es immer wieder zu Schlägereien und Straftaten kommt. Sie wollte wissen, inwieweit Flüchtlinge daran beteiligt seien. Nicht jeder, der dem Aussehen nach einen ausländischen Hintergrund habe, sei auch ein Flüchtling, betonte Schmidt. Das Sozialamt stehe im Austausch mit der Polizei und der Stadt. Danach seien rund 15 Bewohner aus Gemeinschaftsunterkünften negativ aufgefallen. Schmidt: „Das Problem am Bahnhof ist da, aber es wäre auch ohne die Flüchtlinge da.“

Die in vielen Fällen notwendige psychologische Betreuung von traumatisierten Flüchtlingen könne man derzeit noch nicht ausreichend gewährleisten, räumte er auf eine entsprechende Frage von Maiwald ein – schon alleine wegen der Sprachhürden. Aber das Land denke über psychologische Erstaufnahmezentren nach.

Zu wenige Kita-Plätze?

Die größten Herausforderung sei außer der Integration der Menschen die Suche nach Wohnraum für die Flüchtlinge. Vor allem Single-Wohnungen und Wohnungen für Großfamilien seien rar, was dazu führe, dass Menschen noch in der Gemeinschaftsunterkunft bleiben müssten, obwohl sie schon längst ausziehen dürften. Auch Kita-Plätze könnten ein Problem werden, vor allen in Staffel, wo der Kindergarten jetzt voll belegt sei. Für die Stadt seien der künftige Bedarf und damit die notwendigen Investitionen in neue Kinderbetreuungsplätze ganz schlecht zu planen, weil der Wegzug von Flüchtlingsfamilien nicht vorhersagbar sei.

Kommentare

  • Menschenwürde
    geschrieben von Malware (74 Beiträge) am

    Den Flüchtlingen, die wir willkommen heißen, müssen dringend mehr Mittel bereit gestellt werden. Es kann nicht sein, dass sich Migranten der zweiten Generation Autorennen mit dicken BMW liefern, während die wahren Flüchtlinge noch nicht einmal Geld für den Bus haben.

  • Die Linken mal wieder...
    geschrieben von Deutscher_Michel (5 Beiträge) am

    soll doch Herr Maiwald sich um Asylbewerber kümmern, soll er ihnen Angebote machen, soll er doch welche bei sich aufnehmen.
    Aber Lösungen hat auch die Linke nicht!

  • DIE LINKEN
    geschrieben von RotfuchsLM (1 Beiträge) am

    wollen soweit ich weiß Fluchtursachen bekämpfen, damit erst gar keine Menschen flüchten müssen. Dies ist im übrigen das Alleinstellungsmerkmal von Linken- DIE LINKE ist und bleibt damit die einzige Alternative.



Ein neues Posting hinzufügen


Sie dürfen noch Zeichen schreiben.
Füllen Sie bitte die notwendigen Felder für die Registrierung aus.
Geben Sie bitte folgende Daten ein, um sich zu registrieren und Ihren Kommentar zu speichern.
Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet, und nicht ohne Ihre Zustimmung an Dritte weitergegeben werden!

gewünschter Benutzername: *
gewünschtes Passwort: *
Wiederholung Passwort: *
E-Mail: *
Kundennummer falls vorhanden:


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage: Wie viele Zentimeter sind ein Meter?: 

Weitere Artikel aus Limburg

Nach einem Akt von Vandalismus ist die Grillhütte in Niederzeuzheim stark beschädigt worden.
Niederzeuzheim
|
Grillplatz und Schulhof

Ein Dorf leidet unter Vandalismus

Vor allem in die maroden Straßen möchte Waldbrunn in den nächsten Jahren investieren.
Waldbrunn
|
Haushalt 2018

Waldbrunn will marode Straßen sanieren

Weitere Artikel aus Limburg

In der Faulbacher Straße gehen die Arbeiten für den Neubau eines Mehrfamilienhauses zügig voran. Foto: Heike Lachnit
Hadamar
|
Neubau und Kernsanierung

22 neue Sozialwohnungen entstehen in Hadamar

Rubrikenübersicht