Einsätze unter Wasser

Feuerwehr hat nach langer Ausbildung drei neue Taucher

Von JOHANNES KOENIG
Der Signalmann (links) überprüft die Vollständigkeit der Ausrüstung.
Johannes Koenig/FNP

„Es gibt nur warme Tote.“ Das ist das Motto, wenn Kai Ahlbach und seine Kameraden von der Tauchergruppe der Feuerwehr Limburg ausrücken. Oder anders gesagt: „Es ist so lange eine Rettung, bis der Notarzt sagt, es wird eine Bergung“, betont der Feuerwehrlehrtaucher. „Und ich möchte nicht in der Haut des Arztes stecken.“

Das ist die Realität, der sich auch bald Benedikt Hanke (Feuerwehr Limburg), Yannik Sehr (Lindenholzhausen) und Michael Steiof (Ahlbach) stellen werden. Seit knapp zwei Jahren durchlaufen sie die anspruchsvolle Ausbildung zum Feuerwehrtaucher. Nun ist es fast geschafft, die drei stellen sich unter den aufmerksamen Blicken zweier Prüfer von der Wiesbadener Berufsfeuerwehr der Abschlussprüfung im Limburger Freibad.

Viel Zeit investiert

Bis dahin war es ein langer Weg – und das nicht nur für die Tauchschüler. „Die gesamte Tauchergruppe hat in der Zeit mehr als 2300 Stunden an zusätzlicher Feuerwehrarbeit geleistet“, erklärt Feuwehrlehrtaucher Jürgen Hertzel. Rund 45 Stunden Theorie und 50 Tauchgänge absolvierte jeder der Schüler. Und bevor sie überhaupt an dem Kurs teilnehmen durften, mussten sie eine Reihe von Voraussetzungen erfüllen. So sind etwa ein Mindestalter von 18 Jahren, eine Feuerwehr-Grundausbildung, der medizinische Nachweis der Tauchertauglichkeit, ein Rettungsschwimmerabzeichen in Silber sowie eine Ausbildung zum Atemschutzgeräteträger Pflicht.

Wer all die Voraussetzungen erfüllt, muss trotzdem manchmal etwas länger warten, bis sich der Traum vom Feuerwehrtaucher erfüllt. „Ich bin bei der Feuerwehr, seitdem ich 17 bin“, erzählt Benedikt Hanke. Zwischendurch hatte er auch schon einen normalen Tauchschein gemacht. Allerdings dauerte es dann noch eine Weile, bis wieder der Feuerwehrtaucherlehrgang angeboten wurde.

Rettungstauchen findet im Gegensatz zum Freizeittauchen grundsätzlich immer im Team mit einem Leinenführer beziehungsweise Signalmann statt: Da in freien Gewässern die Sicht oft schlecht ist, übernimmt er mit Hilfe der Leine die Führung des Tauchers. Damit das auch funktioniert, muss das Seil immer auf Spannung gehalten werden: Zweimal an der Leine ziehen bedeutet „nach links“, dreimal „nach rechts“.

Atemgerät abgelegt

Los geht die Prüfung mit dem Anlegen der Ausrüstung, die fein säuberlich auf einer hinter dem Drei-Meter-Sprungbrett ausgebreiteten Tuch ausgelegt wurde. Beim Anlegen unterstützt der Leinenführer den Taucher. „Auf Vollständigkeit, Ordnung und Sicherheit kommt es hier an“, erklärt einer der daneben stehenden Prüfer. Eigenschaften, die auch beim Tauchgang gefragt sind, so besteht die erste Prüfung aus einem Notaufstieg. Dazu legt der Taucher sein Atemgerät unter Wasser ab und taucht mit der ausgestreckten Faust und einer Drehung um die eigene Achse an die Wasseroberfläche. „So stellt man sicher, dass man nicht mit dem Kopf gegen ein Boot knallt und mögliche Hindernisse rechtzeitig erkennt“, erklärt der Leiter der Tauchergruppe, Peter Bär, den Sinn.

Im Ernstfall würde ein Taucher mit einem kräftigen Ruck an der Leine Schwierigkeiten signalisieren. Nach Absprache mit dem Einsatzführer käme dann in der Regel erst einmal der am Ufer wartende Sicherungstaucher zum Einsatz. Der taucht dem Kollegen mit Hilfe der Leine hinterher, um ihn dann am Ort zu unterstützen. Er würde auch das zurückgelassene Atemgerät bergen.

Eine Aufgabe, die die Prüflinge im Limburger Freibad allerdings selbst übernehmen. Sie tauchen zurück zum Beckenboden und legen das Gerät eigenständig unter Wasser an. „Auch da gilt es vor allem, Übersicht und Ruhe zu beweisen“, sagt Jürgen Hertzel. Da muss jeder Handgriff sitzen: Mit einem kräftigen Atemstoß wird das Wasser aus der Maske gedrückt. Der erste Atemzug fällt dann noch vorsichtig aus – für den Fall, dass noch ein bisschen Wasser in der Maske ist.

„Tauchen ist in Bezug auf die Gesamtzahl aller Feuerwehreinsätze ein sehr kleiner, aber äußerst arbeitsintensiver Teil“, sagt Jürgen Hertzel noch. Eine Aktivität, welche die Taucher nach Einsätzen durchaus auch mit Was-wäre-wenn-Fragen zurücklassen kann, ergänzt Peter Bär: Was wäre gewesen, wenn man früher alarmiert worden wäre? Hätte zum Beispiel die am Flussgrund im Fahrersitz ihres Auto geborgene Person noch gerettet werden können? Fragen mit denen die Feuerwehrtaucher aber, und das wird ausdrücklich betont, nicht allein gelassen würden.

JOHANNES KOENIG